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Mehr als nur Betreuung

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Kindertagesstätte.
Kindertagesstätte. © dpa

Weiterstadt hat die Familien im Blick. Aus den Kindergärten sollen Familienzentren werden.

Innerhalb von zehn Jahren will die Stadt aus klassischen Kindergärten moderne Familienzentren machen, in denen es von flexiblen Betreuungszeiten bis in den Abend und am Wochenende, professioneller und schneller Hilfe bei Problemen und Kontaktmöglichkeiten zu anderen Eltern fast alles gibt, was Mütter und Väter sich wünschen.

Auf dem Weg dorthin ist bereits die Kita Pusteblume. Sie ist seit diesem Jahr Modelleinrichtung und hat unter der Woche von 6 bis 19 Uhr, samstags von 9 bis 19?Uhr geöffnet. Ein „Lotse in schwierigen Momenten“ will die Pusteblume in der Raiffeisenstraße sein, sagt Monika Wilhelm vom Fachdienst Kinder und Jugend im Rathaus. Wenn Eltern nicht mehr weiter wissen, wenn sie in Sorge um ihr Kind sind, wenn sie dringend und kurzfristig eine Betreuung für den Nachwuchs brauchen, oder einfach nur, wenn sie sich mit anderen Eltern austauschen möchten – in der Pusteblume soll es immer die passende Anlaufstelle geben. Die Leitlinie heißt schlicht: eine verlässliche Stütze für Familien sein.

Getragen wird das Konzept mit dem Titel Kita 2020 von drei Säulen: Betreuung, Beratung, Kontaktpflege. Für die Betreuung wurden die Öffnungszeiten der Modell-Kita erweitert, um dem Arbeitsalltag berufstätiger Eltern entgegenzukommen. 75 Stunden die Woche ist die Pusteblume geöffnet. Theoretisch könnte ein Kind also früh morgens abgegeben und erst spät abends wieder abgeholt werden. „Das ist nicht unser Ziel“, stellt Kita-Leiterin Doris Morhard aber gleich klar. Die Stadt will Eltern Entlastung bieten, aber kein passives Rundum-Sorglos-Paket.

Kontaktschmiede für Eltern

Verantwortung für seine Kinder zu übernehmen kann jedoch nicht jeder, ist Morhards Erfahrung. Viele Eltern bräuchten Beratung und Unterstützung. Die Stadt kooperiert deshalb mit der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Pfungstadt. Regelmäßige Gesprächsangebote direkt in der Weiterstädter Kita können Eltern alle 14 Tage nutzen, „um diskrete und kompetente Hilfe zu erhalten“, sagt Wilhelm.

Außerdem sollen Familien wieder mehr Kontakt zueinander bekommen. Eine Analyse der Familiensituationen in Weiterstadt hat laut Wilhelm ergeben, dass viele aus beruflichen Gründen ins Rhein-Main-Gebiet gezogen sind. Großeltern sind oft nicht mehr in der Nähe, auch nachbarschaftliche Kontakte sind nicht selbstverständlich. Die Kita will deshalb eine Plattform bieten, auf der soziale Netzwerke gepflegt werden können. Familien in Weiterstadt sollen sich kennenlernen und gegenseitig helfen. Ideen dazu sollen von den Eltern selbst kommen, erste Anregungen wie einen Baby- und einen Vätertreff gibt es bereits.

Wieviel das erweiterte Angebot in der Summe kostet, sollen regelmäßige Zwischenberichte der Modell-Kita zeigen. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt, dann sollen die Ergebnisse auf die anderen Kitas übertragen werden.

Die Erwartungen an die Pusteblume seien hoch, die Motivation im Team auch. „Wir müssen wegkommen von dem Gedanken: Eltern sind gut, wenn sie uns entsprechen“, sagt Morhard. Vielmehr müsse eine Kita sich als Dienstleister verstehen und dem entsprechen, was die Eltern wollen – und brauchen. ( pia)

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