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Mehr Anreize für Bus und Bahn

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Drei Millionen Busfahrgäste pro Jahr zählt die Lokale Nahverkehrsgesellschaft.
Drei Millionen Busfahrgäste pro Jahr zählt die Lokale Nahverkehrsgesellschaft. © Alexander Heimann

Neuer Nahverkehrsplan gibt in fünf Jahren Rahmen für ÖPNV vor.

Der neue Nahverkehrsplan des Kreises Groß-Gerau bildet den Rahmen, wie in den kommenden fünf Jahren das Bus- und Bahnangebot ausgebaut werden soll. Wesentliche Ziele sind Barrierefreiheit und bessere Verbindungen.

Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) im Kreis Groß-Gerau soll so attraktiv sein, dass immer mehr Menschen auf Bus und Bahn umsteigen. Mit diesem Ziel seien die Planer an den neuen Nahverkehrsplan (NVP) herangegangen, sagte Erster Kreisbeigeordneter Walter Astheimer (Grüne) am Freitag bei der Vorstellung des mehr als 300 Seiten starken Werks. Der NVP – der vierte seit 1996 – gibt für die nächsten fünf Jahre den Rahmen für den Ausbau des Bus- und Bahnangebots vor.

Gastgeber der Präsentation war die Lokale Nahverkehrsgesellschaft Kreis Groß-Gerau (LNVG), die den NVP in Kooperation mit den Büros „Plan Mobil“ (Kassel) und „Verkehrslösungen“ (Darmstadt) erarbeitet hat. Die beiden Büros haben bereits das Integrierte Verkehrsentwicklungskonzept des Kreises entwickelt. Die daraus resultierenden Handlungsempfehlungen bilden die Basis für die Fortschreibung des Plans.

Drei Millionen Busfahrgäste pro Jahr

In einem Beteiligungsverfahren haben rund 75 Institutionen Stellungnahmen abgegeben. „Das war uns ganz wichtig, damit wir das Ganze auf eine breite Basis stellen“, sagte LNVG-Geschäftsführer Christian Sommer. Viele bei diesem Verfahren geäußerte Wünsche und Anregungen, so Astheimer, seien im NVP berücksichtigt worden – abhängig von den finanziellen Rahmenbedingungen allerdings längst nicht alle. Zunächst einmal gehe es „um die Sicherung der Grunddaseinsvorsorge hier im Kreis“, sagte Christian Sommer. Aber der NVP sei kein unveränderliches System: „Wir wollen, dass dieser Nahverkehrsplan atmet.“ Fünf Millionen Euro pro Jahr ist dem Kreis Groß-Gerau der ÖPNV wert.

Dass der Nahverkehr trotz dieses Kostendeckels weiterentwickelt werden kann, liegt nicht zuletzt an stetig steigenden Fahrgastzahlen. Die Fahrgelderlöse, die mehr als die Hälfte der Einnahmen ausmachten, hätten sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt, so Sommer. Mittlerweile zählt die LNVG rund drei Millionen Busfahrgäste pro Jahr. Über Kundenzahlen auf den Bahnlinien liegen der LNVG keine Daten vor.

Der NVP betrachte aber nicht allein Bus und Bahn, sondern das gesamte Nahverkehrssystem. Es gehe darum, die Verkehrsmittel aufeinander abzustimmen – etwa mittels Bike-and-Ride- und Park-and-Ride-Angeboten.

Der Plan definiere auch die Angebotsqualität im ÖPNV. Wie nötig es ist, kreiseinheitliche Standards zu entwickeln, machte Sommer an einem Beispiel deutlich: Die Frage, wie barrierefreie Haltestellen zu gestalten sind, sei von Kommune zu Kommune unterschiedlich gelöst. Mit der Folge, dass es 13 verschiedene Standards im Landkreis gebe. So seien zum Beispiel die taktilen Leitsysteme für Sehbehinderte überall anders.

Beim künftigen barrierefreien Ausbau müssten die Kommunen, die für die Wege zur Haltestelle hin verantwortlich seien, die vom NVP vorgegebenen Standards beachten – andernfalls bekämen sie keine Zuschüsse. Das Personenbeförderungsgesetz schreibe vor, dass der ÖPNV bis zum Jahr 2022 vollständig barrierefrei sein müsse: „Wie das zu finanzieren ist, sagt der Gesetzgeber allerdings nicht“, kritisierte Sommer.

Auf den Fahrplan wirkt sich der NVP noch nicht sofort aus. Geplant ist laut Sommer aber, das Angebot besser an die Nachfrage anzupassen. Auf stark genutzten Strecken gebe es mehr und schnellere Verbindungen, auch Taktzeiten würden verbessert sowie weitere Wohn- und Arbeitsplatzstandorte erschlossen. Für Juni kündigte Sommer einen Fahrplanwechsel für den Südkreis an, im Dezember auch im Nordkreis. (dirk)

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