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Derzeit wird der Verkehr dort entlang geführt, wo bis vor kurzem die Mauer stand.

Darmstadt

Mauer weicht Bäumen

Darmstadt hat einen seiner charakteristischsten Orte verloren: den Engpass der Dieburger Straße kurz vor der Fasanerie. Er wird wiederkehren – aber anders als zuvor.

Zurzeit befindet sich dort eine Großbaustelle. Die denkmalgeschützte übermannshohe Natursteinmauer auf der Südseite, die das Anwesen der ehemaligen Villa Flotow zur Chaussee hin abgrenzte, wurde niedergelegt. Dahinter hat die Stadt um die 30 zum Teil alte Bäume fällen lassen. Beides sei notwendig geworden, um – so der Magistrat – den unmittelbar vor der Mauer verlaufenden Mischwasserkanal sanieren zu können.

Die Rohre dort stammten aus dem Jahre 1919 und waren „hydraulisch überlastet und in einem baulich schlechten Zustand“. „Uns drohte hier dasselbe wie in der Nieder-Ramstädter Straße“, sagt Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne). Dort, in Höhe der Georg-Büchner-Schule, war im Frühjahr ein Kanal kollabiert; Wasser hob von unten die Fahrbahndecke an und überflutete die abschüssige Jahnstraße.

Die Standsicherheit der jahrhundertealten Mauer wurde von der Stadt als schlecht eingeschätzt. In der Regel wurde sie alle acht Wochen überprüft. Die Tiefbauarbeiten hätten sie zusätzlich gefährdet; vorsorgende Maßnahmen, etwa eine neue Fundamentierung des etwa 120 Meter langen Bauwerks, schieden laut Stadt aus.

Keine andere vertretbare Lösung

„Es gab keine andere vertretbare Lösung, als die Mauer abzutragen“, sagt Partsch.

Die Mauersteine liegen nun, wie die Einzelteile eines riesigen Puzzles, in Gitterboxen neben der provisorischen Fahrbahn, mit der die Baustelle umgangen wird. Eine Behelfsampel regelt den vorübergehend einspurig geführten Verkehr. Terrassenartig geschichtete Betonblöcke bewehren an einer Stelle den leichten Hang, mit dem der Park zur Chaussee ausläuft. Frischer Rasen wächst auf der ausgehobenen Erde. Ungewohnt leer sieht der Ort aus.

Das wird er nicht bleiben. Obwohl es dazu noch keinen Parlamentsbeschluss gibt, soll die Mauer wieder aufgebaut werden, dann allerdings nicht mehr als Baudenkmal. Und auch nicht in derselben Flucht wie früher, sondern um zwei bis – an der gravierendsten Stelle – 3,70 Meter nach Süden versetzt. Die Passage wird also aufgeweitet.

Doch die Breite der Fahrbahn verringere sich sogar etwas, sagt Jochen Krehbiehl, Referent von Baudezernentin Cornelia Zuschke (parteilos). Und zwar, weil die Dieburger Straße auch in diesem Abschnitt nun beiderseits Geh- und Fahrradwege erhält.

Bäume unbedingt schützen

Auf der Nordseite gibt es eine als Naturdenkmal geschützte Platanenreihe, die sich von den Hirschköpfen bis zur Odenwaldbahn zieht. Den Wurzeln der Bäume war die Fahrbahn sehr nahe. „Wir wollen diese Bäume unbedingt schützen“, sagt Partsch. Sie zu entlasten, war daher ein weiterer Grund, die Dieburger Straße einige Meter nach Süden zu verschieben – zu Ungunsten freilich der alten Mauer.

Preiswert ist das Projekt nicht. Für die Erneuerung des Kanals gibt die Stadt Kosten von einer Million Euro an. Die Straßenbauarbeiten schlagen mit 650 000 Euro zu Buche. Der Abbruch der Mauer inklusive Baustraße hat 320 000 Euro gekostet. Für die Wiedererrichtung der Mauer findet sich noch kein Posten im Etat. Vorgesehen ist sie für 2015. (ers)

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