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Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne).
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Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne).

Welterbe

Mathildenhöhe: „Darmstadt ist für Besucheranstieg gewappnet“

Für Darmstadt wäre der Welterbetitel die Krönung seiner Strahlkraft, findet Oberbürgermeister Jochen Partsch. Die Mathildenhöhe ist bei der Unesco auf dem Prüfstand.

Was würde der Unesco-Titel für Darmstadt in Bezug auf seine kulturelle Strahlkraft bedeuten?

Die Welterbe-Anerkennung wäre die Krönung der schon existierenden Strahlkraft der Stadt, deren viele Kulturinstitutionen – wie das Staatstheater, das Institut Mathildenhöhe, das Hessische Landesmuseum, das Jazzinstitut, das Internationale Musikinstitut, das Deutsche Poleninstitut, die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung und viele mehr – regelmäßig überregionale und internationale Beachtung finden.

Was erhoffen Sie sich für den Tourismus und die Wirtschaft?

Wie in anderen Welterbestätten zu sehen ist, wachsen nach Aufnahme in die Welterbeliste die Tourismusströme rasant an. Die Hotel- und Gastronomiebranche, aber auch unser Messebetrieb im Darmstadtium werden hierdurch einen deutlichen Zuwachs erfahren. Ich bin mir auch sicher, dass die Unternehmen sich von diesem Erfolg und den historischen Impulsen der Mathildenhöhe Darmstadt inspirieren lassen. Viele Firmen fiebern schon jetzt der Entscheidung entgegen, da der viel beachtete Welterbetitel als Standortfaktor positiv auf Vernetzung und Wahrnehmung der ansässigen Unternehmen wirken wird.

Sind für das Weltkulturerbe Zusatzveranstaltungen geplant?

Das Institut Mathildenhöhe beleuchtet schon in einer Dauerausstellung im Museum Künstlerkolonie sowie in mehreren Sonderausstellungen die wegweisenden Leistungen der Künstlerkolonie Darmstadt. Im aktuell geplanten Besucherzentrum werden zusätzliche Angebote zur Verfügung stehen, das heißt eine Ausstellung zur Unesco-Welterbeliste, Vorträge sowie auch Angebote für Schulen.

Werden denn künftig Scharen von Menschen zur Mathildenhöhe pilgern?

Durch unseren Managementplan sind wir für einen starken Besucheranstieg auf der Mathildenhöhe gewappnet. Schon seit Jahren arbeiten wir an der städteplanerischen Entwicklung der ganzen Mathildenhöhe. Dies geschieht mit einem detaillierten Mobilitätskonzept, in dem auch ein neuer Shuttleservice den öffentlichen Nahverkehr unterstützen wird.

Mathildenhöhe

Die Mathildenhöhe Darmstadt ist ein Ensemble aus Hochzeitsturm, Ausstellungsgebäude, Museum Künstlerkolonie, Platanenhain und Künstlerhäusern.

Sie wurde im 19. Jahrhundert als Garten des großherzoglichen Hofes angelegt. Benannt ist sie nach Mathilde Karoline Friederike von Wittelsbach, der Gemahlin Großherzogs Ludwig III..

Großherzog Ernst Ludwig gründete 1899 zur Förderung des hessischen Kunstgewerbes auf der Mathildenhöhe eine Künstlerkolonie, der im Laufe ihres Bestehens 23 Künstler angehörten.

Sie machten Darmstadt zu einem Mittelpunkt der europäischen Kunstentwicklung. Bis 1914 entstand eine Reihe zukunftsweisender Bauten mit Ausstattung vom Mobiliar bis zum Geschirr, eingebettet in eine Parkanlage mit Skulpturen, Brunnen und Gartenpavillons. cka

Infos zu Ausstellungen und Öffnungszeiten: mathildenhoehe-darmstadt.de

Im Sinne der Welterbekonvention verpflichtet sich die Stadt, ihr Kulturerbe dauerhaft zu erhalten und seine Bedeutung künftigen Generationen zu vermitteln. Welche Kosten sind mit dem Unesco-Titel verbunden?

Die Stadt muss sich schon immer um alle Bauwerke und gestaltete Freiflächen auf der Mathildenhöhe kümmern, da diese denkmalgeschützt sind. Dies hat sich mit dem Start der Welterbe-Bewerbung allerdings stark systematisiert und intensiviert. Aufgrund des Titels werden Sanierungsmaßnahmen auf der Mathildenhöhe in einem internationalen Fokus stehen und genau beobachtet werden.

Die Mathildenhöhe ist ein Identifikationsort der Stadt

Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch

In jüngster Zeit haben wir das Haus Olbrich und das Haus Deiters saniert, aktuell laufen Sanierungsarbeiten am Ausstellungsgebäude und im Großen Haus Glückert. Weitere Projekte finden im Platanenhain sowie an verschiedenen Elementen auf der Außenanlage statt. Die Investitionskosten belaufen sich auf über 40 Millionen, die von der Stadt mit Unterstützung des Landes, des Bundes sowie verschiedenen Firmen und Spenden aus der Bürgerschaft finanziert werden.

Was glauben Sie, wie viel bedeutet es den Menschen in Darmstadt, ob die Mathildenhöhe Welterbe wird?

Wir haben mehrere Bürgerinformationsveranstaltungen durchgeführt, die gut angenommen worden sind. Die Mathildenhöhe ist ein Identifikationsort der Stadt und die Menschen, die hier in Darmstadt leben, zeigen diese Stadtkrone gerne Besucherinnen und Besuchern aus der Umgebung und aus der ganzen Welt. Wir freuen uns, dass der Großteil der Bevölkerung hinter der Bewerbung steht und diese auch von verschiedenen Vereinen aktiv unterstützt wird.

Im Mai 2019 wurde ein temporäres Besucherzentrum eröffnet. Könnte es die Verleihung des Titels hinauszögern, wenn dieses noch nicht fertig ist?

Das Vorhandensein eines Besucherzentrums ist keine Voraussetzung für die Aufnahme in die Welterbeliste. Nach Erhalt des Titels ist jedoch die Errichtung eines Vermittlungszentrums eine feste Bedingung. Wir sind mit unseren Planungen für ein Besucherzentrum sehr weit fortgeschritten. Wir werden wenige Jahre nach der Anerkennung das Bauwerk einweihen können.

Wissenschaftsstadt – Digitalstadt – Unesco-Welterbe-Stadt? Läuft Darmstadt Gefahr, größenwahnsinnig zu werden?

Keinesfalls. Schon 2016 haben uns Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf einer internationalen Tagung im Darmstadtium in mehreren Vorträgen bestätigt, dass die Mathildenhöhe weltweit einzigartig ist und entscheidende Impulse für die Entwicklung von Architektur und Design gesetzt hat. Darmstadt ist eine Stadt der Moderne und des Aufbruchs. Wir greifen daher zwar tatsächlich nach den Sternen – wie die bei uns beheimatete ESA –, bleiben aber trotzdem immer auf dem Boden der Tatsachen.

Interview: Claudia Kabel

Mathildenhöhe Darmstadt: Hochzeitsturm von 1908, rechts daneben die Russische Kapelle von 1899.

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