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Mathildenhöhe im Comic

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Das Gebäude ähnelt dem  Darmstädter Ernst-Ludwig-Haus.
Das Gebäude ähnelt dem Darmstädter Ernst-Ludwig-Haus. © Privat

Seit gut 20 Jahren lebt der Cartoonist und Karikaturist Yves Ker Ambruns in Darmstadt. Jetzt hat der Franzose mit „Es darf nicht wahr sein“ seinen neuen Comic vorgelegt. In Details und Architekturzitaten findet sich auch seine Wahlheimat immer wieder.

Vraoooonmmmm, Wüürgh!, Aaaahhrr!, Zzzzz – keine Frage, solch gepflegte Lautbildung darf in keinem Comic fehlen. Und ist daher auch vorhanden in „Es darf nicht wahr sein“, dem neuen Comic-Band des Darmstädter Franzosen Yves Ker Ambrun (57). Seit gut 20 Jahren lebt der Stift- und Pinsel-Künstler – einstiger Chefzeichner der Walt Disney Company – in der Heinerstadt, genauer in Bessungen. Dort residiert er in einem Haus mit Hinterhof-Gärtchen und schwarzer Katze.

Zurück zum Anfang von YKA, wie Ambrun gerne gekürzelt wird. Er wird in Tours geboren. Das liegt an der Loire zwischen Orléans und der Atlantikküste und ist ein bisschen kleiner als Darmstadt.

Schon als Teenager publiziert Ambrun seinen ersten Undergroundcomic, nach dem Abitur arbeitet er weiter an der Kunst, in der Kunst, mit der Kunst. Er studiert in New York, zieht weiter nach Montreal (Kanada), zeichnet für Trickfilm und Werbung.

Früher bei Disney

Die meisten hören hier auf. YKA dagegen hebt hier erst richtig ab. Nach der Rückkehr nach Paris nimmt er Kontakt zu Disney auf und übernimmt schließlich von 1992 bis 1999 für Disney Deutschland (Sitz in Eschborn bei Frankfurt) die Position des Chefzeichners. Er ist geschmückt mit Titeln wie „Art Director“ oder „Art Manager“ und trägt Marktverantwortung für die östliche Disney-Ausdehnung bis zum Pazifik.

Und in dieser Zeit sagt er: „Ich fand Frankfurt keine so attraktive Stadt. Darmstadt dagegen gefiel mir auf Anhieb.“ Frankfurt wirkt eben eher amerikanisiert, nüchtern, hart. Darmstadt lebt eher den Riesenspagat zwischen Metropole und Dorf, steckt voller Künstler, voller Bergstraßen-Toskana und offensichtlich auch französisch anmutenden Winkeln, nicht zuletzt in Bessungen.

Heute arbeitet Ambrun als freier Cartoonist, Karikaturist, Gestalter. Mit „Es darf nicht wahr sein“ schickt er seinen Helden Wolfgang Schnecksnyder endlich auch mal in drei deutschsprachige Abenteuer. „Ich wollte einen unaussprechlichen Namen finden, ganz klar nichtkommerziell – vor allem völlig anders als die klangvollen Helden aus den Disney-Fabeln.“

Zwei bis vier Tage für eine Seite

Sein Name ist Programm: Schnecksnyder leidet. Der gute Mensch, Idealist und Schriftsteller, muss sich dem Irrwitz der Welt stellen. Er kämpft den Kampf der Gerechten. Damit steckt in Schnecksnyder auch eine gehörige Portion YKA. Der sagt: „Wir leben doch eigentlich in einem Albtraum. Geldgier, Klimawandel, Massentierhaltung – grauenhaft. Die Welt ist verrückt. Um in ihr zu überleben, muss man selbst verrückt sein.“

YKA arbeitet an einer Seite Comic-Buch mit dem wackeren Schnecksnyder mal zwei, mal vier Tage. Mit Tuschestift, mit Computer, vor allem aber „mit dem Rolls-Royce des Pinsels“, wie er sagt. Das sind jene aus dem englischen Hause Winsor & Newton, ihre Härchen stammen zum Beispiel vom Rotmarder.

Lokalpatrioten, aufgehorcht: In Details und Architekturzitaten „kommt Darmstadt im Comic immer wieder vor“, verrät YKA. Variationen von Hochzeitsturm und Ernst-Ludwig-Haus tummeln sich in einer urbanen Geschichte, die zwischen Chicago, Paris und Prag überall in der westlichen Welt spielen könnte. (paul)

Das Comic-Buch „Es darf nicht wahr sein“ ist im Skydog-Verlag erschienen und kostet 13,95 Euro.

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