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Mathegenies spielen Glücksfee

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Computerprogramm von ehemaligen Lichtenberg-Schülern soll Lottochance erhöhen.

Sebastian Bartenbach, Manuel Stiehl und Julian Arz waren 2004 ganz besondere Schüler an der Darmstädter Lichtenbergschule. Ihre Leidenschaft galt der Mathematik und der Informatik. Nicht jedermanns Sache, doch wenn man es beherrscht, wohl sehr spannend.

Nachdem ihr damaliger Lehrer Helmut Haas-Meier im Unterricht verschiedene Aufgaben verteilt hatte, machten sich die drei Schüler an die Wahrscheinlichkeitsrechnung. Sie wollten erkunden, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, im Lotto zu gewinnen. Eineinhalb Jahre lang tüftelten sie, werteten Gewinnzahlen aus und schrieben ein Computerprogramm, das so seine Tücken hatte. Manchmal hatten sie sich nämlich vertippt und die Ergebnisse erschienen unlogisch. So mussten sie und ihr Lehrer sich seitenlang durch die Programmausdrucke kämpfen, um die Fehler aufzuspüren.

Höherer Gewinn für selten getippte Zahlen

Schnell erkannten sie, dass es den sicheren Lottotipp, wie ihn windige Verkäufer manchmal versprechen, nicht gibt. So einen Tipp wollten auch sie nicht liefern. Sie stützten sich auf die Tatsache, dass jemand, der Zahlen tippt, die nur selten gezogen werden, einen größeren Gewinn einstreichen kann als jemand, der oft getippte Zahlen verwendet. Denn je weniger Spieler die richtigen Zahlen haben, umso größer fällt der Gewinn für den Einzelnen aus.

Mit diesem Programm schafften die drei Lichtenbergschüler nicht nur locker den Regional- und den Landeswettbewerb. Sie fuhren auch zuversichtlich zum Bundeswettbewerb nach Saarbrücken. Doch als die ersten drei Sieger gezogen waren, gab es erst mal lange Gesichter: Sie waren nämlich nicht dabei. Doch die Enttäuschung währte nicht lange, denn die Darmstädter bekamen den am höchsten dotierten Sonderpreis von damals 1700 Euro.

Die drei jungen Männer haben daraufhin ihre Lottotipps eine Zeitlang an Interessenten verkauft – und dabei immer betont, dass sich die Gewinnchancen dadurch nicht mehren. Im Fall eines Gewinns mit den von ihnen vorgeschlagenen Zahlen jedoch würde er höher ausfallen, weil diese Zahlen eben seltener gezogen werden.

Als dann die Zusatzzahl abgeschafft und der Online-Lottotipp vorübergehend verboten wurde, verfolgten die drei jungen Männer ihr Programm zunächst nicht mehr weiter. Zumal alle drei inzwischen durch ihr Studium eingespannt waren. Erst vor einigen Monaten haben sie beschlossen, ihre „Hochquotenoptimierung“, wie das Programm offiziell heißt, nun den neuen Regeln anzupassen und ihre Tipps im Internet wieder anzubieten.

Leben können sie davon nicht. – aber vielleicht dem ein oder anderen zu einem etwas höheren Gewinn verhelfen. Denn bei Zahlen, die oft gezogen werden, etwa bringen drei Richtige um die acht Euro und bei selten gezogenen Zahlen 13 Euro. Stiehl betont, dass mit diesem Tipp genauso wenig ein Gewinn garantiert werden könne wie mit allen anderen Tipps.

Ihre Geschäftsidee hat ihnen einige Fernsehauftritte beschert. Inzwischen sind die drei Mathegenies über ganz Deutschland verstreut. Manuel Stiehl, der im Ruhrpott wohnt, kommt immer zu „Jugend forscht“ nach Südhessen, denn er sitzt beim Regionalwettbewerb in der Jury. Stiehl erinnert sich noch, wie sie nach dem Bundessieg vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) empfangen werden sollten, dafür eigens nach Berlin reisten und Schröder kurzfristig absagte. Darüber haben sie sich umgehend in einem Brief beschwert. Schröder hat sie dann später bei der Cebit in Hannover empfangen. (hde)

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