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Marathon auf der Kippe

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Die Finanzierung des Lauf-Wettbewerbes ist nicht gesichert.
Die Finanzierung des Lauf-Wettbewerbes ist nicht gesichert. © thomas zoeller

Neue Kosten für die Verkehrsregelung belasten die Veranstalter von großen Events - auch der Darmstadt-Marathon ist davon betroffen.

Auf ein geteiltes Echo stößt die jüngst beschlossene Streichung der kostenlosen Verkehrsregelung bei Sonderveranstaltungen. Mit zusätzlichen Kosten sei etwa der Darmstadt-Marathon nicht mehr zu finanzieren, hieß es. Der Magistrat betont indes, 100.000 Euro stünden zur Förderung von Veranstaltungen bereit.

Jedoch: Für Sportveranstaltungen mit überregionaler Anziehungskraft wie den Darmstadt-Marathon oder den Stadtlauf (Cup da Franco) habe der ausrichtende Verein ASC Darmstadt „noch nie einen Zuschuss erhalten“, betont Cheforganisator Wilfried Raatz, „und die Stadt hat uns auch keine Schilder geliefert.“ Mit der Verkehrslenkung werde ein Subunternehmen beauftragt. Beim Marathon kostet das 25?000 Euro, beim Stadtlauf in der Fußgängerzone noch 1500 Euro.

Im Dezember hatte das Stadtparlament beschlossen, Veranstaltern künftig generell die Kosten für Beschilderungs-, Umleitungs- oder Absperrmaßnahmen in Rechnung zu stellen.

Ganz ohne Auswirkung auf die Lauf-Wettbewerbe bleibt diese Entscheidung nicht – auch wenn der ASC diese Leistungen ohnehin selbst finanziert. Denn rund um den Marathon sind zur Sicherung von Querungsstellen mehr als 20 amtliche Ordnungshüter stundenlang im Einsatz. Personalaufwand soll jedoch künftig abgerechnet werden. Ein Fahrer mit Fahrzeug steht mit 60 Euro pro Stunde in der städtischen Gebührenliste. „Wenn solche Kosten dazukommen“, erklärt Raatz mit Bestimmtheit, „ist eine Durchführung der Veranstaltung ausgeschlossen.“

Keine Fördermittel für ASC

Ohnehin schreibe man mit beiden Lauf-Events rote Zahlen. Die Teilnahmegebühren ließen sich nicht beliebig erhöhen, potenzielle Sponsoren hielten sich zurück. „Beide Veranstaltungen sind derzeit gefährdet, obwohl die Anmeldefrist bereits begonnen hat. Wenn die Kosten aus dem Ruder laufen, muss man das Buch zumachen, dann geht es einfach nicht mehr.“

Vom Magistrat wird für den Beschilderungs-Beschluss vor allem das Argument der Kosten-Transparenz ins Feld geführt. Bislang hatte die Verwaltung nichtkommerziellen Veranstaltern für Verkehrsmaßnahmen keine Rechnung präsentiert. Künftig gilt für alle eine einheitliche Regelung mit festen Tarifen.

Im Gegenzug stellt die Stadt Zuschüsse in Aussicht. Dafür stünden 100.000 Euro im laufenden Haushalt bereit, erklärt Stadtkämmerer André Schellenberg (CDU). „Kerben, Weihnachtsmärkte, Sport- und andere Veranstaltungen sollen natürlich in ihrem Bestand in keiner Weise gefährdet werden und erhalten auch unsere Unterstützung“, betont er.

Mit ihm habe seitens der Stadt noch niemand gesprochen, sagt ASC-Vize Raatz dazu. Der Verein habe bereits an einer Verdoppelung der Genehmigungsgebühren – für den Marathon von 1300 auf 2600 Euro – zu knabbern.

Andere Veranstalter sehen den Beschilderungs-Beschluss nicht so dramatisch. Für den Mühlchen-Triathlon habe man die Beschilderung ohnehin immer auf privatem Weg von einem Straßenbau-Unternehmen erhalten, erklärt Michael Schwab, Triathlon-Abteilungsleiter bei der SG Arheilgen. Auch das Heinerfest sei durch die Neuregelung nicht gefährdet, betont Festpräsident Hans-Joachim Klein.

Doch reichen die 100.000 Euro an Zuschüssen für alle nichtkommerziellen Feste? Fraglich. Laut der entsprechenden Magistratsvorlage gibt es derzeit jährlich etwa 90 Veranstaltungen mit Verkehrsmaßnahmen. Beispielhaft werden neun davon aufgelistet, vom Eberstädter Kirchweihumzug über die Abifete bis zum AEWG-Umzug. Allein für diese Veranstaltungen summieren sich die nach der neuen Gebührenliste amtlich berechneten Kosten auf 86?000 Euro. (bad.)

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