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Ein Mann der leisen Töne

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Hans-Jürgen Braun hatte gestern seinen letzten Tag als Bauvereinschef.
Hans-Jürgen Braun hatte gestern seinen letzten Tag als Bauvereinschef. © Claus Völker

Hans-Jürgen Braun verlässt den Bauverein. In seinen 12 Jahren als Vorstandsvorsitzender baute er den Bauverein zur tragenden Säule der Stadtwirtschaft um.

Das berufliche Leben des Hans-Jürgen Braun begann 1973 bei der Telekom. In der dortigen Forschung und Entwicklung ging es für den promovierten Ingenieur um die Digitalisierung der Telefonie. Parallel war er ehrenamtlich bei den Grünen im Landkreis engagiert. „1991 musste ich dann die Entscheidung treffen für die Professionalisierung des Politischen oder die Intensivierung der Berufstätigkeit“, sagt er – „und da hab‘ ich mich für die Politik entschieden.“

Der damals 42-Jährige übernahm als Erster Kreisbeigeordneter des Landkreises Darmstadt-Dieburg die technische Verwaltung. Das Ende der Grube Messel als projektierte Mülldeponie fiel in seine Zeit, die Einführung des RMV, dazu ein „Riesenschulbauprogramm“, wie er es nennt.

Dann gewann die SPD im Kreis die absolute Mehrheit und in der Stadt sollte es nach zwei rot-schwarzen Jahren mit Rot-Grün weitergehen. „Die Grünen hatten mich als potenziellen Dezernenten präsentiert und es gab in der Stadt das Vertrauen, dass man mit mir das machen kann“, erinnert er sich an diese Zeit.

So wurde er Bau-, Planungs-, Abfall-, Energie- und Verkehrsdezernent in Darmstadt. „Ein glatter Übergang“, stellt er heute trocken fest: „Beim Abfall wie beim RMV sind Stadt wie Landkreis involviert.“ Neu hinzu kamen der Städtebau mit Kitas, Schulen oder Straßen. Vom Querbahnsteig über das 200 000 Quadratmeter große Telekomquartier oder die beschlossene Nordostumgehung – vieles in seiner Dezernentenzeit war nicht unumstritten.

2003 endete seine Zeit als Wahlbeamter. „Ich wollte mal wieder in einem Bereich arbeiten, in dem ich Projekte stärker umsetzen konnte“, sagt der heute 66-Jährige. Und so landete Braun an der Spitze des Bauvereins. In den zwölf Jahren als Vorstandsvorsitzender der Stadttochter-AG mit 19 000 Wohnungen setzte er folgerichtig „alles um, was ich in den 20, 30 Jahren zuvor gelernt habe“. Er konnte sich technisch austoben bei immer effizienteren Energieeinspartechniken bis hin zum Mehrfamilien-Passivhaus. Und er baute den Bauverein um zur tragenden Säule der Stadtwirtschaft. „Der Ruf ist immer noch nicht ideal“, räumt er ein, „aber viel besser.“

Tragende Säule der Stadtwirtschaft

Dazu gehörte die Zusammenführung von Bauverein und Hegemag, die Erneuerung von Quartieren, der Bau von Sozialwohnungen. In seinen letzten beiden Jahren übernahm der Bauverein rund 700 städtische Wohnungen und die Lincoln-Siedlung.

Braun ist ein Mann der leisen Töne. Er sei bekannt als einer, der Brücken baue und Kompromisse suche, sagt er, einer, der sich immer bemüht habe, „kein Hackklötzchen zu sein“. Nur eines hat ihn in den vergangenen zwölf Jahren so richtig gewurmt: „Wir haben innerhalb von drei Jahren aus einem Wettbewerbsentwurf heraus und im Kostenrahmen das Kongresszentrum umgesetzt – und das ist nie richtig gewürdigt worden.“

Die letzten zwei Jahre hatte Hans-Jürgen Braun oben drauf gepackt. Damals gab es das Hickhack um die HSE-Vorstandspersonalie Christine Scheel. Brauns Rückzug sollte damals kein weiteres Fass aufmachen. Im Nachhinein ein Glück. Denn vor zwei Jahren starb überraschend seine Frau. „Ohne die Arbeit wäre ich damals vielleicht in ein Loch gefallen“, sagt der Vater zweier erwachsener Söhne.

So ein Loch fürchtet er jetzt nicht. Zum einen wird er bis zum Jahresende die Siedlungsentwicklungsgesellschaft Bauverein New Living leiten. Mit seiner Lebensgefährtin plane er zudem jede Menge Reisen. Und dann ist er ja extra nach Darmstadt gezogen, um das Kulturangebot endlich genießen zu können. rwb

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