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Mangelware Mediziner

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Immer weniger junge Allgemeinmediziner sind bereit, eine eigene Praxis zu eröffnen.
Immer weniger junge Allgemeinmediziner sind bereit, eine eigene Praxis zu eröffnen. © AOK-Mediendienst

Vor allem in Kranichstein und Eberstadt-Süd droht ein Ärztemangel, wenn in den kommenden Jahren viele Hausärzte in den Ruhestand gehen. In beiden Stadtteilen leben überwiegend bildungsfernere Schichten, Migranten und Hartz-IV-Empfänger.

Seit einiger Zeit wird viel über Ärztemangel diskutiert. Vor allem an Hausärzten soll es fehlen – auf dem Land und zunehmend auch in den Städten. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) in Frankfurt hat Landkreise und Städte in ganz Hessen unter die Lupe genommen – jetzt liegen die Ergebnisse für Darmstadt vor: Mit den derzeit etwa 100 Hausärzten ist die Stadt recht gut versorgt. In den kommenden Jahren werden allerdings viele Hausärzte in Rente gehen und einen Nachfolger suchen.

Die 100 niedergelassenen Hausärzte verteilen sich in Darmstadt auf 81 Standorte. Die meisten Praxen gibt es im Stadtzentrum, in Wixhausen gibt es drei, in Arheilgen sechs, in Eberstadt zehn, heißt es in der Studie „Versorgung heute“ der KV.

Im Schnitt behandeln die Hausärzte in Hessen pro Quartal 876 Patienten. In Darmstadt liegen die Zahlen in Bessungen und der Stadtmitte, im Westen und Osten eher darunter, im Süden und Norden leicht darüber.

Überalterung ist ein Problem

Zu einer spürbaren Unterversorgung könnte es nach Angaben der KV vor allem in Stadtteilen wie Eberstadt-Süd oder Kranichstein kommen, in denen überwiegend bildungsfernere Schichten, Migranten und Hartz-IV-Empfänger leben. Erschwerend kommt hinzu, dass immer weniger Allgemeinmediziner bereit sind, eine eigene Praxis aufzumachen oder in einer Praxis mitzuarbeiten.

„Das stimmt“, sagt die Hausärztin Jutta Buchhold. Sie hat mit ihrem Mann Reiner eine Praxis in Kranichstein. Vor zehn Jahren sei es noch um einiges leichter gewesen, ärztliche Mitarbeiter zu finden. „Nicht jeder junge Arzt ist bereit, eine 60-Stunden-Woche auf Kosten seiner Familie zu akzeptieren“, erzählt sie. Und nicht jeder sei bereit, die gedeckelten Honorare zu akzeptieren. Die Bestätigung für ihren Einsatz bekomme sie von den zufriedenen Patienten und „nicht vom Finanziellen“.

In den Statistiken macht sich der fehlende Nachwuchs bislang vor allem auf dem Land deutlich bemerkbar. Darmstadt, Offenbach, Wiesbaden und Frankfurt sind mit Hausärzten gut versorgt. Im Landkreis Darmstadt-Dieburg gibt es hingegen 14 unbesetzte Hausarztstellen – so viele wie in keinem anderen Landkreis in Hessen. Im Odenwald sind drei Kommunen ohne Hausärzte.

Überalterung droht auch in Darmstadt. Hier ist die Mehrzahl der Ärzte zwischen 50 und 59 Jahre alt. Wie viele Hausärzte in den nächsten Jahren ihre Praxen aus Altersgründen im Stadtgebiet aufgeben, kann die KV nicht sagen: Freiberuflich tätige Ärzte können in Rente gehen, wann immer sie wollen. Es gibt für sie keine Altersgrenzen. Die KV hat deshalb in der Studie verschiedene Szenarien simuliert: Geben die Ärzte ihre Praxen mit 68 Jahren ab, gibt es im Jahr 2025 einen Bedarf von 57 Hausärzten. Bei einer Praxisabgabe mit 60 sind es bereits 87 Hausärzte. Können die Stellen dann nicht sofort wieder besetzt werden, weil der Nachwuchs ausbleibt, bedeutet dies für Patienten längere Wartezeiten und weite Anfahrtswege. (hin.)

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