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Uni in Männerhand

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Uta Zybell ist Frauenbeauftragte an der TU Darmstadt.
Uta Zybell ist Frauenbeauftragte an der TU Darmstadt. © TU Darmstadt

Normalerweise ziehen Hochschulstädte in besonderem Maße junge Frauen an. In Darmstadt sieht das anderst aus.

Normalerweise ziehen Hochschulstädte in besonderem Maße junge Frauen an. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung. An Studienstandorten liegt in der Altersgruppe von 18 bis 29 Jahre die Frauenquote deutlich über der der Männer. In der Untersuchung nehmen die ersten beiden Plätze die auch für Darmstädter interessanten Universitätsstädte Heidelberg und Mainz ein. Auf 100 Männer kommen dort knapp 128 (Heidelberg) und 121 Frauen (Mainz). Darmstadt selbst fällt in dieser Hinsicht aus der Reihe. Gerade einmal 91 Frauen leisten 100 Männern in der fraglichen Altersgruppe Gesellschaft.

Der Grund ist auf den ersten Blick schnell gefunden. In Zahl und Größe haben den größten Stellenwert technische Fächer wie Maschinenbau, Informatik und Ingenieurswesen. Sie gelten als Männerdomänen, Frauen sind fast überall in der Minderheit.

Eine von ihnen ist Melanie Siebenhaar. Die 27 Jahre alte Studentin an der Technischen Universität (TU) schreibt gerade an ihrer Diplomarbeit und verlässt demnächst die Uni als Wirtschaftsinformatikerin. "Bei kleineren Veranstaltungen gab es zwei bis drei Frauen auf 25 Männer", schildert sie das Geschlechterverhältnis. Im Allgemeinen verhielten sich die Männer "sehr kooperativ, aber wenn man als Frau etwas besser weiß, stört das manchen schon." Durchsetzungsvermögen sei daher wichtig. "Manchmal würde ich mir schon wünschen, mich mit Frauen austauschen zu können", sagt Siebenhaar. Dass sie damit im Fachbereich Informatik nicht rechnen konnte, sei ihr klar gewesen. Für die Wahl des Studiums bewertet Siebenhaar dies aber als zweitrangig. Sie hatte schon früh Spaß am PC und hat eine Ausbildung im IT-Bereich gemacht.

Frauen sollten Neigung folgen

Die Frauenbeauftragte der TU, Uta Zybell, kann es nur unterstützen, wenn Frauen ihren persönlichen Neigungen folgen. Auch oder gerade wenn es dabei um Technik geht. Der technische Schwerpunkt an sich erkläre den Frauenmangel unter Darmstädter Studenten nämlich nicht. Vielmehr müsse gefragt werden, warum Frauen vor diesem Bereich zurückschrecken. "Es gibt eine soziale Erwartung, die sagt: Talente und Interessen der Frauen sollten nicht in diesem Bereich liegen", erklärt Zybell. Zeige sich eine solche Begabung, werde sie von Eltern und Schule, oft auch von den Frauen selbst nicht wahrgenommen. Gesellschaftliche Stereotype seien sehr mächtig, eine logische Begründung stecke aber nicht dahinter. Frauen könnten ebenso gut Maschinen konstruieren und Software programmieren wie Männer.

Für Frauen in männerdominierten Studiengängen sei oft ein Problem, dass sie jeder kennt und sie kaum untertauchen können. Auch weibliche Vorbilder in den Berufsfeldern würden fehlen. Den Studentinnen rät Zybell, offen auf Kolleginnen im Fachbereich zuzugehen, sich auszutauschen und zu vernetzen. Wer sein Berufsziel gefunden habe, lasse sich vom Männerüberschuss aber kaum abschrecken. "Meiner Erfahrung nach sind unsere Frauen sehr überzeugt von ihrem Studium und wissen, was sie wollen." Die oft sehr guten Abschlüsse der Studentinnen sprechen für sich.

Im Alltag geht es der Frauenbeauftragten um ein geschlechtergerechtes Klima an der TU. Offene Frauenfeindlichkeit gebe es zwar nicht. "Trotzdem müssen wir immer wieder positive Beispiele herausstellen und Entgleisungen rügen", betont Zybell. (eda)

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