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Bronzebüste und Gedenkstein von und für Luise Büchner.
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Bronzebüste und Gedenkstein von und für Luise Büchner.

Darmstadt

Luise Büchner: „Was wir wollen, ist eine Menschheitsfrage“

  • VonKathrin Hedtke
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Vor 200 Jahren – am 12. Juni 1821 – wurde die Frauenrechtlerin Luise Büchner in Darmstadt geboren. Sie machte sich stark für bessere Bildungs- und Berufschancen von Frauen

Freundlich, aber entschlossen blickt der Bronzekopf von Luise Büchner (12. Juni 1821 bis 28. November 1877) direkt aufs frühere Gymnasium in der Darmstädter Altstadt. Dort gingen ihre Brüder zur Schule, darunter Georg Büchner. Sie selbst durfte das Gebäude nur zur Schulfeier betreten. Mädchen waren damals von höherer Schulbildung ausgeschlossen. Nüchtern brachte Luise Büchner auf den Punkt, dass „ein großer Vorzug des Knaben gegenüber dem Mädchen“ in der Gesellschaft bestand. Diese Ungerechtigkeit wollte sie nicht hinnehmen – und setzte sich ihr Leben lang dafür ein, dass Frauen bessere Bildung erhielten und einen Beruf ausüben konnten.

luise-büchner-gesellschaft

Der Verein Luise-Büchner-Gesellschaft verfolgt das Ziel, das Werk der Schriftstellerin sowie anderer Wegbereiterinnen der Frauenbewegung lebendig zu halten. Dazu organisiert der Darmstädter Verein regelmäßig Lesungen, Vorträge, Stadtführungen, Ausstellungen sowie Studienfahrten.

Zudem verleiht die Gesellschaft regelmäßig den Luise-Büchner-Preis für Publizistik. Damit werden Frauen ausgezeichnet, die in Artikeln oder Büchern die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern in der Gegenwart aufdecken und Wege zu einer geschlechtergerechten Gesellschaft aufzeigen.

Erste Preisträgerin war 2012 die Journalistin und spätere Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau, Bascha Mika.
Zuletzt ging die Auszeichnung an Margarete Stokowski. In ihrer Laudatio erinnerte sie daran, was feministische Vorkämpferinnen wie Luise Büchner in früheren Zeiten geleistet haben. „Ich könnte keine Texte schreiben, wie ich sie schreibe, und ich könnte hier auch nicht stehen“, sagte die Preisträgerin, „wenn es nicht die ganze riesige Reihe an Vorkämpferinnen gegeben hätte, die sich für Frauenrechte eingesetzt haben, zu Zeiten, als das noch viel mehr Mut brauchte als heute.“

Margarete Stokowski postete damals auf Twitter ein Foto von sich neben der Büste von Luise Büchner, mit Lederjacke und breitem Lächeln lehnte die Autorin lässig an dem Denkmal. Als Kommentar prangt darunter: „Sisters in Crime“.

Luise Büchner gehört zu den ersten deutschen Frauenrechtlerinnen. Dabei war der Tochter aus einer bürgerlichen Arztfamilie traditionell nur die Rolle der Ehefrau, Hausfrau und Mutter zugedacht gewesen. Doch dafür war die junge Frau viel zu wissbegierig. Also brachte sich Luise Büchner mit großem Eifer kurzerhand alles selber bei. Ob Literatur, Mythologie, Geschichte oder Fremdsprachen: Luise Büchner eignete sich umfangreiche Bildung an. Bereits in jungen Jahren verfasste sie Gedichte, es folgten lyrische Texte, Erzählungen, Reiseberichte, Dramen, Porträts und Romane. Nach dem Tod der Eltern lebte sie zusammen mit ihrer ebenfalls ledigen Schwester Mathilde im Haushalt ihres Bruders Ludwig.

Luise Büchner machte sich als Schriftstellerin einen Namen. Ihren Beststeller „Die Frauen und ihr Beruf“ veröffentlichte sie 1855 zunächst anonym. „Die allgemeine Bildung, die menschlich frei und tüchtig macht, darf der Frau unter keinen Umständen vorenthalten werden“, heißt es darin. Eine enge Mitstreiterin fand Luise Büchner in Großherzogin Alice von Hessen und bei Rhein. Gemeinsam gründeten sie mehrere Frauenvereine.

Der Alice-Frauenverein für Krankenpflege zum Beispiel setzte sich zum Ziel, junge Frauen auch ohne konfessionelle Bindung zur Krankenschwester auszubilden – und aus der karitativen Pflege einen bezahlten Frauenberuf zu machen. Luise Büchners Engagement wurde hoch geschätzt. Auf einer Konferenz des preußischen Kulturministeriums wurde sie als erste Frau gebeten, eine Stellung zu Unterrichts- und Erziehungsfragen in der Mädchenbildung abzugeben. Luise Büchner starb 1877 in Darmstadt. An ihrem Denkmal prangt in Stein gemeißelt der Satz: „Was wir wollen, ist mehr als eine Frauen-, es ist eine Menschheitsfrage.“

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