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Loveparade-Katastrophe nicht möglich

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Kreisbrandinspektor Stühling kann es nicht fassen: Bei der Organisation der Loveparade in Duisburg haben die Verantwortlichen alles falsch gemacht, was sie falsch machen konnten. Im Kreis könne so etwas nicht passieren, versichert er.

Wie in einem Lehrfilm – „aber wie man’s nicht machen sollte“. Diesen Eindruck habe er von der Organisation der Loveparade in Duisburg durch die Fernsehbilder, sagt Kreisbrandinspektor Ralph Stühling. Zu viele Menschen, zu enge Wege, Eingang gleich Ausgang: Schon der pure Menschenverstand gebe Rahmenbedingungen vor. Doch darauf alleine muss sich niemand verlassen, der in Deutschland eine Veranstaltung organisiert. Im Kleinen wie im Großen, auch im Landkreis.

In der Regel sitzen Feuerwehr und Polizei mit am Tisch, nachdem die Ordnungsbehörde einer Kommune ein Konzept für ein Konzert oder ein großes Fest erhalten hat. Der Veranstalter bekommt Vorgaben für sein Gelände, die er auch finanzieren muss. Art der Veranstaltung, Teilnehmerzahl, Rettungswege: Es gebe mehrere Faktoren, die berücksichtigt würden, sagt Helmut Biegi, Leiter der Polizeidirektion Darmstadt-Dieburg. Vier Personen pro Quadratmeter, enger geht’s nicht. „Das kann auf zwei oder drei Personen gesenkt werden, wenn etwa Kinder dabei sind, aus deren Perspektive Enge noch erdrückender ist“, erklärt Biegi.

Halloween ist schon Routine

Stühling blättert in gleich mehreren Regelwerken zur Berechnung der Einsatzkräfte. Der Rettungsdienst kann etwa nach einem Punktesystem organisiert werden. „Ein Punkt pro 500 Personen“, erläutert er. Sonderpunkte gibt es für Feuerwerk oder Prominente. Auch eine besondere Lage des Veranstaltungsortes wird eingerechnet: je weiter weg vom nächsten Krankenhaus, desto mehr Extrapunkte. Die Formel dahinter: Je höher die Punktzahl, desto mehr Einsatzkräfte.

Multipliziert wird alles mit einem Faktor, der die Art der Veranstaltung berücksichtigt – für ein Rockkonzert werden mehr Sanitäter kalkuliert als für eine Ausstellung. Die Gesamtrechnung an Einsatzkräften und Hilfslogistik auf dem Gelände muss der Veranstalter bezahlen, sagt Stühling.

Natürlich werde immer wieder mal von Veranstaltern gebeten, nicht so strenge Kriterien anzulegen – schließlich kostet jeder Sanitäter auf dem Gelände –, doch darüber werde nicht verhandelt, sondern neutral geurteilt, betonen Feuerwehr und Polizei.

Jedes Wochenende ist die Polizei im Einsatz, auf kleinen Kerben, aber auch bei größeren Festen wie dem Ortskernfest in Roßdorf oder dem Schlossgartenfest in Dieburg. Wiederkehrende Events seien inzwischen Routine, wie das Halloween-Spektakel auf dem Frankenstein: „Das machen wir heute fast im Vorbeigehen, weil das Konzept optimiert ist“, sagt Biegi. Anfangs habe es Probleme gegeben, weil an der Burg geparkt werden durfte. Fußgänger auf der Straße, wild geparkte Autos und nur ein Weg zur Burg – ein Alptraum für die Einsatzkräfte. Inzwischen gibt es einen Shuttle-Service mit dem Bus. Schwieriger seien einmalige Ereignisse, erklärt Biegi. Ein großes Projekt im vergangenen Jahr sei die Eröffnung des Weiterstädter Einkaufszentrums Loop?5 gewesen. ( loc)

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