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Lotsen im Service-Dschungel

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Petra Wendling (links) und Christina Bach vom Darmstädter Pflegestützpunkt sind gut vernetzt.
Petra Wendling (links) und Christina Bach vom Darmstädter Pflegestützpunkt sind gut vernetzt. © Andreas Kelm

Pflegestützpunkt im Stadthaus ist erste Anlaufstelle für Betroffene und Angehörige.

Im Januar 2017 gibt es beim Thema Pflege einige Änderungen. Dann tritt das neue Pflegestärkungsgesetz in Kraft. Bereits jetzt ist das Gesetz Thema im Darmstädter Pflegestützpunkt an der Frankfurter Straße 71.

Die beiden Beraterinnen Christina Bach und Petra Wendling informieren seit fünfeinhalb Jahren über die pflegerischen Angebote, die es in Darmstadt gibt. Sie unterstützen, vermitteln und koordinieren. In den vergangenen Jahren gab es immer mal wieder Anpassungen auf gesetzlicher Ebene, die für Beratungsbedarf sorgten. Nun also das Pflegestärkungsgesetz: Neu ist, dass fünf Pflegegrade die bisherigen drei Pflegestufen ersetzen. Gleichzeitig wächst mit dem neuen Gesetz die Zahl der Menschen, die Anspruch auf Leistungen haben.

In der Sprechstunde des Pflegestützpunkts sind die bürokratischen Auswüchse des Gesundheitswesens oft Thema. Etwa, wenn in einem Bescheid der Pflegekassen von „niedrigschwelligen Betreuungsleistungen“ gesprochen wird. „Das versteht doch kein Mensch“, sagt Christina Bach. Sie und ihre Kollegin Petra Wendling fungieren in solchen Fällen als Übersetzer. „Wir bieten Orientierung“, sagt Bach. „Wir haben eine Lotsenfunktion“, fügt Petra Wendling hinzu.

Beratungszahlen steigen stetig

Die Beratungszahlen sind stetig gestiegen: 2011 waren es noch 1500 Kontakte, 2015 bereits mehr als 2200. Den Hauptanteil machen telefonische Beratungen aus, in vielen Fällen erfolgte die Erstberatung persönlich. Ab und an machen die Beraterinnen Hausbesuche, wenn die Hilfesuchenden nicht mobil genug sind.

Um helfen zu können, sind die Beraterinnen auf ein Netzwerk angewiesen. Die Zusammenarbeit klappt gut. Beispielsweise verweisen die Krankenhaussozialdienste manche Patienten an die Mitarbeiterinnen im Stadthaus, um dafür zu sorgen, dass sich auch nach der Entlassung jemand um sie kümmert. „Da ist ein Austausch da, und wir werden auch gut angenommen“, so das Fazit von Petra Wendling. Ohnehin stünde Darmstadt, was die Versorgungsmöglichkeiten betrifft, ganz gut da im Vergleich mit ländlichen Regionen. Petra Wendling und Christina Bach tauschen sich regelmäßig mit Kollegen an anderen Standorten in Südhessen aus.

Doch auch in Darmstadt gibt es Versorgungslücken. So sind etwa alte Menschen ganz besonders vom Engpass bei den niedergelassenen Psychotherapeuten betroffen. Schwer haben es auch junge Menschen mit neurologischen Erkrankungen, die gerne einen stationären Platz in Darmstadt hätten – und keinen geeigneten finden. Ganz finster sieht es bei Pflegebedürftigen aus, die nicht dement sind – und eine Tageseinrichtung suchen, die sie aufnimmt. In Darmstadt gibt es da keine Möglichkeiten. „Dabei sind solche Einrichtungen wichtig, um Angehörige tagsüber zu entlasten“, sagt Petra Wendling.

Die beiden Beraterinnen sind derzeit noch dabei, sich gründlich auf die neue Gesetzeslage ab 2017 vorzubereiten, die Fortbildungsveranstaltungen dazu sind bereits gebucht. Zu den Neuerungen gehört wohl auch, dass künftig Gutachten der Pflegekassen umfangreicher sein werden als bisher. „Statt fünf Seiten können es nach dem 1. Januar 30 Seiten sein, die wir durcharbeiten müssen“, sagt Petra Wendling. Die Vorgaben seien dann wohl um einiges strenger. Aber auch dafür werden die beiden Beraterinnen sicherlich eine Lösung finden. (hin)

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