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Lohbergtunnel immer mal wieder gesperrt

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Keine Durchfahrt
Keine Durchfahrt © dpa

Seit April gehen häufig die Schranken runter. Mal hat ein Blitz eingeschlagen, mal spielt die Elektronik nicht mit. Laut Gefahrenabwehrplan muss der Tunnel dann dicht gemacht werden.

Mal wieder gesperrt - diesen Gedanken hatten viele Pendler in den vergangenen Wochen, die auf dem Weg zur Arbeit den Lohbergtunnel bei Nieder-Ramstadt nutzen. Rot-weiße Schranken schlossen den Tunnel der B 426 seit April mehrmals außerplanmäßig. Aus heiterem Himmel war Mitte April ein folgenschwerer Defekt in der Elektronik aufgetreten. Mitte Mai hatte dann zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres der Blitz eingeschlagen. Die Folgen spürten Kraftfahrer sogar noch vergangene Woche durch eine Sperrung nach dem Ausfall eines elektronischen Gerätes.

Zur Sicherheit der Durchfahrenden seien die Sperrungen absolut gerechtfertigt gewesen, betont Jürgen Semmler, Tunnelmanager beim Amt für Straßen- und Verkehrstechnik (ASV) in Darmstadt. Denn die Defekte hätten sich auf die Notfalltechnik ausgewirkt. "Das ist ein sehr komplexes System", erläutert Semmler. "Hier gibt es viele, viele Rädchen. Wenn eines ausfällt, dann ist die Sicherheit im Tunnel unter Umständen nicht mehr gegeben." Semmler weiß, dass der Unmut bei Sperrungen groß ist. Trotzdem habe er sich beispielsweise an Pfingsten dafür entscheiden müssen. Bei Risiko gibt es keine Diskussion, betont der Tunnelmanager.

Wann eine Sperrung erfolgen muss, ist detailliert im Gefahrenabwehrplan festgelegt. Eine Kommission aus Tunnelbetreiber, Polizei und Feuerwehr habe von Anfang an festgelegt, welche Merkmale sicherheitsrelevant sind. Nicht alle Störungen lösen bei der Überwachungsstelle in Eschwege eine Sperrung aus, erklärt Semmler. Beispielsweise erfolge die Brandmeldung durch Melder auf Sicht, Hitze, Notrufsäulen oder Kameras. "Wenn nun nur eine der Komponenten ausfällt, etwa die Kameras, gibt es noch drei andere Komponenten." In dem Fall bedeutet das derzeit: keine Vollsperrung.

Problem Blitzeinschlag

Doch sobald die Leistung der gesamten Brandmeldeanlage gefährdet ist, schließen sich die Schranken. Wieso der Tunnel innerhalb eines Jahres schon zum zweiten Mal vom Blitz getroffen wurde, darüber spekulieren Kritiker sogar im Internet. Auch das ASV hat sich die Frage gestellt. Denn bei vergleichbarem Sicherheitsstandard gebe es im Schlossbergtunnel in Dillenburg keine Probleme mit Blitzeinschlägen.

Im Zuge der Analyse nach dem Einschlag 2009 im Lohbergtunnel sei deshalb eine Auswertung des Deutschen Wetterdienstes erfolgt. Und siehe da: "Darin wird rund um den Lohberg ein erhöhtes Gewitteraufkommen festgestellt", sagt Semmler. Mehr Blitze gleich mehr Treffer als anderswo, ist die Rechnung. Der Überspannungsschutz funktioniere auch - aber eben nur beim ersten Blitz. Folge ein zweiter, gehe der durch. Was bei einem Blitzeinschlag alles beschädigt werde, sei nicht immer gleich zu sehen, rechtfertigt Semmler den Folgeschaden an Pfingsten.

Ein weiterer Vorwurf ist, die Technik im Tunnel sei zu sensibel. Auch da widerspricht Semmler. Der Sicherheitsstandard sei von Anfang an hoch gewesen, entspreche dem neuen Stand und hessenweit einheitlichen Vorgaben. So wurde der Tunnel sogar für eine Viertelstunde am Donnerstag gesperrt, weil planmäßig eine Sicherung ausgetauscht wurde, die den Wasserdruck regelt. Für 15 Minuten war die Löschwasserversorgung in einem Brandfall nicht gewährleistet, der Tunnel blieb zu. Ungeplante Schließungen sollen in Zukunft seltener werden. Dabei soll eine Auswertung der jüngsten Störungen helfen. (loc)

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