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Der letzte Vorhang fällt

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Das letzte Phono Pop im Blick haben Florian Haupt (links) und Carsten Roth.
Das letzte Phono Pop im Blick haben Florian Haupt (links) und Carsten Roth. © Jens Etzelsberger

Die zehnte Auflage des Phono-Pop-Festivals ist die Abschiedsvorstellung.

Wo vor Jahrzehnten die Klänge hochindustrieller Autoproduktion zwischen himmelhohen Backsteinmauern für ordentlich Lärm gesorgt hat, ist in den letzten Jahren an zwei Sommerabenden luftig-leichter Alternative-Rock zu hören gewesen. Doch auch damit ist es jetzt vorbei: Die Tage des Rüsselsheimer Phono-Pop-Festivals im Opel-Altwerk sind gezählt. Die am den Freitag, den 10. Juli, ab 17 Uhr beginnende zehnte Auflage des europaweit bekannten Musikspektakels soll die Letzte sein. Den Machern Florian Haupt (Kulturzentrum „Rind“) und Carsten Roth (Booker im Wiesbadener Indie-Tempel „Schlachthof“) sind sowohl die zeitlichen Anforderungen als auch die Kosten allmählich über den Kopf gewachsen.

365 Tage im Jahr Phono Pop im Kopf lasse sich mit ehrenamtlichem Engagement nicht mehr in Einklang bringen, sagen die beiden. Irgendwann werden auch Liebhaber müde: Sie seien zehn Jahre älter geworden und es gebe inzwischen zahlreiche andere Verpflichtungen – vom Brotberuf bis zur Familie. Obendrein erlaubten die steigenden Kosten – von der Miete für das Dixie-Klo bis zu den Gagen für die Bands – keine programmatische Weiterentwicklung.

Für die Fans des Festivals haben Haupt und Roth eine launige und detaillierte Abschiedserklärung auf die Facebook-Seite und Website des Phono Pop gestellt Ein Hintertürchen lassen Haupt und Roth noch offen: denkbar wäre, einen Gang herunter zu schalten und ein kleineres Festival, etwa mit rein akustischen Acts, zu veranstalten.

Auch würde man wohl weitermachen, meldete sich ein potenter Sponsor. Hier hegen die beiden keine großen Hoffnungen, dafür sei das Phono Pop mit maximal 1300 Zuschauern pro Tag zu klein, um Bewegung in die PR-Abteilungen großer Konzerne zu bringen. Die Zuschüsse der Stadt plus die derzeitigen Sponsorengelder reichten gerade einmal, um ein Viertel der Kosten zu decken.

Und so wird das zehnte Phono Pop – ohnehin geplant als eine Rückschau mit Bands der Vorjahre – zur Abschiedsveranstaltung. Headliner am Freitag ist der Norweger Erlend Øye, ein musikalisches Chamäleon, der aufgrund seines derzeitigen Wohnsitzes in Sizilien tanzbaren Italo-Pop liefert.

Die Superstars des 10. Phono Pop sind aber zweifelsfrei die Headliner des Samstags. Dass die „Temples“ trotz ihres Status beim Phono Pop ihre Instrumente auspacken, ist dem Tourplan der britischen Psych-Rocker zu verdanken. Am Freitag spielen die „Temples“ bei einem großen Festival im belgischen Lüttich und nehmen tags darauf Rüsselsheim auch noch mit. Dort werden sie im Altwerk gegen 23 Uhr auf der Bühne stehen.

Aus für Musik-Festival im Opel-Altwerk

Bereits wenn sich um 15.30 Uhr zum Start des zweiten Festivaltag die Pforten zum Innenhof des Altwerk am Bahnhofsplatz öffnen, lohnt sich der Weg nach Rüsselsheim. Für den zweiten und insgesamt letzten Phono-Pop-Tag konnten Florian Haupt und Carsten Roth einige Hochkaräter gewinnen.

Der Aufbau des 10. Phono Pop hat am Montag begonnen. Wer die Nächte zwischen den Festivaltagen campend im Zelt verbringen möchte, kann das auf dem Außengelände der Rüsselsheimer Festung gegen eine Gebühr von zehn Euro tun. Die Nacht zum Tag machen zusätzliche After-Show-Discos. (plu)

Tickets: Karten für das vorerst letzte Phono Pop gibt es an den Abendkassen, Festivaltickets kosten 50 Euro, das Tagesticket bekommt man für 35 Euro. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.phono-pop.de.

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