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Letzte Chance

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Parkplätze oder Kleingärten? Ein Runder Tisch soll heute einen Kompromiss in dem seit zwei Jahren schwelenden Konflikt am Lossenweg finden.

Für die Pächter der Kleingartenanlage am Lossenweg ist heute ein wichtiger Tag. Am Abend gibt es wohl die letzte Chance, ihre Parzellen zu retten und den Bau eines Parkplatzes für das benachbarte Marienhospital an dieser Stelle zu verhindern. Um 18.30 Uhr kommen alle Beteiligten in der Bauverwaltung zusammen, um noch einen Kompromiss in dem seit zwei Jahren schwelenden Konflikt zu finden.

Die Ausgangslage ist klar: Das Marienhospital will 90 neue Stellplätze anlegen, um Patienten und Rettungsdiensten einen komfortablen und direkten Zugang ins Haus zu ermöglichen. Nach aktuellem Stand scheint dies nur auf einem 3000 Quadratmeter großen Gebiet mit sieben Kleingärten möglich zu sein. Deren Pächter, die sich in einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen haben, lehnen die Pläne ab und fordern einen anderen Standort. Politikern und Planern werfen sie vor, Alternativen nicht hinreichend geprüft zu haben. "Im Gespräch sind alle für den Erhalt der Gärten. Wenn es aber darauf ankommt, sieht es anders aus", kritisiert etwa Elisabeth Schirra.

Dabei gab es durchaus Alternativen, sieben Möglichkeiten wurden diskutiert. Sie sind aus unterschiedlichen Gründen nicht zum Zug gekommen. Der erste Plan von Hospitalleiterin Schwester Liberata Ricker wäre ganz ohne externe Flächen ausgekommen. "Wir wollten den bestehenden Besucherparkplatz aufstocken", sagt sie. Die Pläne scheiterten am Denkmalschutz. Die ebenerdige Vergrößerung des Parkplatzes ist wegen des Geländezuschnitts nicht möglich, es würde ein Landschaftsschutzgebiet mit Naturdenkmal berührt.

Anwohner bietet Alternative

Die Kleingartenpächter können nicht nachvollziehen, warum diese Variante nicht weiterverfolgt wurden. Sicherlich gebe es die Bedenken von Denkmal- und Naturschutz, sagt Elisabeth Schirra. Es habe aber keine förmlichen Verfahren gegeben. Aus Sicht der Stadtverwaltung hätte das auch nicht zum Ziel geführt. "Ein Bescheid hätte jeden Konsens unmöglich gemacht", sagt Pressesprecherin Sigrid Dreiseitel.

Auch der Vorschlag, den Parkplatz auf der gegenüberliegenden Seite der Klappacher Straße gelegenen Polizeipräsidiums für Hospitalbesucher zu erweitern, erwies sich als unrealistisch, weil der Eigentümer dem Verkauf nicht zustimmt. Zuletzt sind zwei neue Vorschläge in die Diskussion gekommen: Die Alternative Liste hatte angeregt, einen Teil des Parkplatzes am Lossenweg anzulegen. Zudem ist der Bessunger Paul Schad bereit, ein etwa 1000 Quadratmeter großes südlich des Krankenhausareals gelegenes Grundstück zu verkaufen. "Ich habe das bereits Schwester Liberata angeboten", sagt er. Die Hospitalleiterin wollte sich dazu gestern nicht äußern.

Sie setzt nach Jahren der verworfenen Varianten nun auf den vor 35 Jahren beschlossenen Bebauungsplan, der den Parkplatz auf der Gartenanlage vorsieht. Vor einigen Wochen hat sie auf dieser Basis eine Bauvoranfrage gestellt. "Seit 2004 haben wir der Stadt Vorschläge unterbreitet. Wir können nicht länger warten", begründet Ricker den Schritt.

Und sie hat gute Chancen, mit dem Antrag durchzukommen. Die Bauverwaltung hat bereits signalisiert, dass kaum Gründe dagegen sprechen. Neben den Kleingärtnern wenden sich auch Anwohner des östlichen Lossenwegs gegen die Parkplatzpläne. Sie rechnen mit deutlich mehr Verkehr in ihrer Straße. "Dabei ist das hier ein reines Wohngebiet. Hier darf es keine Andienungsstraße geben", sagt eine Bewohnerin. Die aber würde der Lossenweg durch den Bau des Parkplatzes werden.

Der letzte parlamentarische Versuch, die Kleingärten zu erhalten, ist Ende Juni gescheitert. Ein neuer Bebauungsplan sollte den Parkplatzbau verhindern. Doch der Antrag der Uwiga scheiterte in der Stadtverordnetenversammlung. Damit bleibt nunmehr der runde Tisch. (rf)

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