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Lesestoff und Zirkus unter einem Dach

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Im ersten Stock zieht bald der Mitmachzirkus Hallöchen ein.
Im ersten Stock zieht bald der Mitmachzirkus Hallöchen ein. © Völker

Die evangelische Stadtmission trennt sich nach 103 Jahren von ihrer Buchhandlung. Der Verein kann die Umsatzeinbrüche nicht mehr ausgleichen. Der bisherige Geschäftsführer Joachim Keidl übernimmt den Laden nun auf eigene Kosten.

Es ist ein schwerer Schritt für die Stadtmission: 103 Jahre lang hat die evangelische Gemeinde ihre Buchhandlung als festen Bestandteil betrieben. Jetzt haben Umsatzeinbrüche den Verein gezwungen, die Buchhandlung in der Merckstraße abzustoßen.

„2012 haben wir einen massiven Einbruch erlebt“, sagt Hans Muth, Vorsitzender der Gemeindeleitung. Bisher konnten die Verluste aufgefangen werden. Nun sei bei einem Umsatzrückgang von acht Prozent aber ein Punkt erreicht, „an dem keine Trendwende mehr in Sicht war“. Auch eine Pachtminderung nutzte nichts. Ursachen für den Einbruch sieht Muth vor allem im Internet-Buchhandel.

Bereits im Herbst beschloss die Gemeindeleitung, sich von der Buchhandlung, die rechtlich selbstständig als GmbH geführt wurde und Pacht an die Stadtmission zahlte, zu trennen. Nach Gesprächen mit konfessionellen Buchhandelsketten hat sich für die Stadtmission Anfang des Jahres die beste Lösung ergeben: Joachim Keidl, der das Geschäft 25 Jahre lang geführt hat, übernimmt die Buchhandlung jetzt in eigener Regie. Es sei ein missionarischer Auftrag, die Buchhandlung zu erhalten, sagt Detlef Gallasch, Pfarrer der Stadtmission: „Wir sind dankbar für die Lösung.“ Durch Joachim Keidl bleibe die Verbindung zur Gemeinde.

Guter Deal mit Büchereien

Die Übernahme geht jedoch mit einer Verkleinerung einher, um Raumkosten zu sparen. Den ersten Stock, wo bislang Fachliteratur und Kinderbücher standen, gibt Keidl auf und ordnet sein Sortiment nun im Erdgeschoss sowie auf dem Halbplateau neu an.

55 Prozent des Umsatzes machte Keidl bislang mit dem Ladengeschäft, 45 mit Rechnungsverkäufen. So versorgt er etwa religionspädagogische Bibliotheken im gesamten Rhein-Main-Gebiet mit Büchern und Zeitschriften.

Das Sortiment will Keidl in gleicher Qualität beibehalten, den Bereich Kindergarten und Grundschule sogar noch ausbauen. Das Personal wird um eine Stelle reduziert, so dass er mit sieben Mitarbeitern auf zweieinhalb Stellen weitermacht. Kündigen musste Keidl keinem. „Die vertrauten Gesichter bleiben den Kunden erhalten.“

Pädagogische Zirkusprojekte

Ins Boot geholt hat Keidl den Kinder-Mitmachzirkus Hallöchen, den Heinz Kiel aus Mühltal seit acht Jahren erfolgreich betreibt. Mit seiner Tochter Antje und einem Team bietet Keil Kurse für Kinder in der Adventgemeinde sowie pädagogische Zirkusprojekte in Kirchengemeinden oder Schulen an.

Kiel, dessen Frau in der Buchhandlung arbeitet, suchte schon lange ein Domizil in Darmstadt. Jetzt zieht er in den ersten Stock. Als Attraktion will Kiel einen Zirkuswagen in der ersten Etage aufstellen. Außerdem soll es Zirkusutensilien, selbst gemachte Confiserie-Produkte und kunsthandwerkliche Geschenkartikel geben. Gemeinsam wollen Keidl und Kiel im ersten Stock zudem ein kleines Café mit dem Namen Erlesen betreiben. Eröffnung wird am 4. und 5. Oktober gefeiert. (eda.)

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