Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Integration

Leitfaden schmerzlich vermisst

Die Integration wird Migranten nicht leicht gemacht. Vorallem Frauen fühlen sich hilflos in der Fremde. Nun ist Besserung, das interkulturelle Büro versucht mit Broschüren den Einstieg zu erleichtern.

Von Eva Marie Stegmann

Sie fühlte sich so hilflos. Silvia Vicente erinnert sich noch genau an ihre ersten Tage in Darmstadt: "Ich wusste nicht, an wen ich mich wenden konnte", sagt die gebürtige Spanierin heute. Denn damals, es war im Jahr 2002, gab es kaum Anlaufstellen für Migranten: Die Sprache lernen, Behördengänge meistern, einen Arbeitsplatz finden Vicente war komplett auf sich allein gestellt. "Man hat mit vielen Problemen zu kämpfen und allen voran stehen die Vorurteile", sagt sie.

Vicente hat es geschafft und ist heimisch geworden in Darmstadt. Mittlerweile gibt es auch Integrationspolitik gesetzlich geregelt. Das Zuwanderungsgesetz, das der Bund 2005 verabschiedete, schreibt kostenlose Sprachkurse für Migranten vor. Auch auf kommunaler Ebene hat sich viel getan: Die Gründung des interkulturellen Büros der Stadt Darmstadt 1999 und des Integrationsbüros im Landkreis 2008.

Frauen sind doppelt belastet

Trotzdem: "Es gibt noch viel zu tun, gerade für Frauen ist es besonders schwer", sagt Vicente. Die Spanierin will nun zusammen mit anderen Migrantinnen in der Migrationspolitik aktiv werden. "Wer weiß besser Bescheid über die ausländischen Frauen als die ausländischen Frauen selbst?". Deshalb hat die rothaarige Frau ein Seminar für Migrantinnen im Darmstädter Mehrgenerationenhaus initiiert. Unter der Leitung von Vicente diskutierten die Frauen zum Beispiel wie Beamte auf Migrantinnen eingehen. "Die Behörden fördern das Selbstbewusstsein nicht", sagt Vicente. Männer bekämen schnell Jobs, bei Frauen nähmen viele an, dass der Mann für sie sorgen würde.

Das kann Patricia Latorre vom Interkulturellen Büro der Stadt Darmstadt bestätigen. Frauen seien in dieser Gesellschaft benachteiligt. Und Migranten. "Eins und eins gibt zwei. Das ist eine doppelte Belastung", sagt sie.

Latorre wünscht sich, dass Beamte für die verschiedenen Kulturen sensibilisiert werden. Gute Nachrichten für die Spanierin: In der Stadtverwaltung ist Anfang 2009 ein neues Projekt angelaufen: interkulturelle Kompetenz für alle Behörden. "Der Gender-Aspekt wird dabei auch berücksichtigt", sagt Latorre. Wie genau, das kann sie jedoch nicht sagen.

Kooperation entwickelt sich

Doch es gibt noch mehr Probleme. Die Brasilianerin Claudia Dannemann lebt seit 18 Jahren in Deutschland. Da Dannemann nicht wusste, dass sie sich beim Einwohnermeldeamt registrieren musste, kam nach kurzer Zeit eine Mahnung. "Das müsste alles viel transparenter sein. Ideal wäre eine Art Leitfaden für die ersten Tage in Deutschland."

"So etwas gibt es nicht", sagt Latorre vom interkulturellen Büro. Allerdings hätten sie Broschüren und Flyer erarbeitet, die über unterschiedliche Institutionen informieren. Der Zugang dazu erfolge über Selbstorganisationen von Migranten, die in Kooperation mit dem interkulturellen Büro aufgebaut wurden.

Doch alle können damit längst nicht erreicht werden: "Es gibt viele Gruppen, die sehr schlecht zu kontaktieren sind", sagt Thomas Koch vom Integrationsbüro des Landkreises. Vor allem türkischstämmige Frauen der 1. und 2. Generation seien betroffen. "Das liegt daran, dass die Gesellschaft das Thema lange ignoriert hat", sagt er. Dass die Gastarbeiter wieder zurückgehen würden und sie deshalb nicht integriert werden müssten war das Credo.

Seit 2005 gibt es die Integrationspolitik. Langsam, aber stetig seien die ersten Erfolge spürbar, so Koch. "Man braucht einen langen Atem", sagt auch Latorre. Beide Seiten müssten mitarbeiten, dann sei Optimismus gerechtfertigt auch in Darmstadt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare