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Es lebe der Lenz

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Großer Andrang herrscht am Samstagabend beim traditionellen Kneipenfestival.
Großer Andrang herrscht am Samstagabend beim traditionellen Kneipenfestival. © Roman Grösser

Beim Bessunger Frühlingserwachen wird die Nacht zum Tag: Von Italo-Schlager bis Rumba - in beinhae jeder Kneipe spielt eine Band und die Darmstädter pilgern in Scharen zum Festival.

Aus jeder Ecke und schmalen Gasse strömen Menschen in Scharen auf den Freiberger Platz vor das Café Godot. Das Bessunger Frühlingserwachen beginnt erst in wenigen Minuten, und doch drängen sich vor dem Café schon hunderte Besucher, um den Frühling musikalisch einzuläuten. Stimmengewirr und Gelächter mischen sich an diesem Samstagabend mit dem aus dem Café dringenden Rock-Pop der Funpluggers. „I’m a lover, I’m a singer“, ertönt es auf dem Platz vor dem Leuchtturm. Der Getränkeverkauf brummt, die Straßenbahn kommt kaum vom Fleck.

„Ich bin jedes Jahr hier“, sagt Petra Kaiser, die vor Pino’s Café sitzt, nur wenige Meter vom Freiberger Platz entfernt. Das Frühlingserwachen ist für sie ein Höhepunkt in Darmstadt. „Der Eintritt ist frei, die Bands sind klasse. Es ist ein kleines Schlossgrabenfest.“ Aus dem Café dringt indessen der italienische Gesang von Alberto Colucci, der Italo-Schlager singt. An der Decke tanzen grüne und rote Lichter, während die Kellnerinnen hin und her hasten, immer mit mindestens einem Bierglas in der Hand.Der 19-jährige Luca Teschke ist hingegen lieber mit seinen Freunden in der Orangerie. Um für alkoholischen Nachschub zu sorgen, geht er gerade zum nahegelegenen Supermarkt. „Ist auf jeden Fall recht chillig hier“, sagt er, „aber nicht wirklich geeignet für meine Altersklasse. Eher etwas für die ältere Generation.“

Auch vor und in der Knabenschule herrscht großes Gedränge. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen. Manche laufen mit Eiswaffeln in der Hand umher, während in der ehemaligen Turnhalle die Band Los Gatos mit spanischer Rumbamusik der tanzenden Menschenmenge einheizt. „Everybody put your hands together, let us start a party“, singen sie, und die Besucher reißen prompt die Gläser in die Höhe und bewegen sich zum Rhythmus. Der Sänger der Los Gatos trägt eine Sonnenbrille, obwohl die einzige Lichtquelle eine an der Decke angebrachte Discokugel ist.

Im Keller der Knabenschule versetzen unterdessen die Satelliters mit ihrer Musik die Besucher zurück in die 60er. „Das Frühlingserwachen ist für mich das höchste der Gefühle“, sagt Adrian Rühl, der mit zwei Freunden im Hof der Knabenschule steht. „Das Schöne ist, dass man auch mal in Kneipen geht, die man normalerweise nicht besuchen würde und sich ganz unterschiedliche Musik anhören kann.“ Das Kneipenfestival sei für ihn eine Tradition.

„Leider ist es viel zu voll“, befindet Nina Cielen, die neben ihm steht. „Man kommt kaum bis zu den Bands durch, weil man schon am Eingang vor einer Wand aus Menschen steht.“ Sie habe noch keine Band hautnah erlebt. „Ist aber auch das Einzige, was ich zu bemängeln hätte. Ansonsten ist das Frühlingserwachen einfach spitze. Deswegen herrscht hier ja auch so ein Andrang.“

Seit 15 Jahren habe man fast nichts am Frühlingserwachen verändert, sagt Organisator Matthias Mekschrat, der die Bands auswählt und die Wirte anspricht. Auch er ist Musiker, spielt Saxofon und tritt mit seiner Oldies-Band Get Ready fast jedes Jahr auf. Heute nicht. Er ist diesmal nur als Zuschauer dabei, was ihm aber auch gefällt. Was er sich von der Veranstaltung erhofft? „Dass die Darmstädter sehen, was für eine tolle Musikszene wir haben. Es geht hier schließlich nicht um Kommerz, sondern um Promotion. Die Leute sollen einfach Spaß an der Musik haben.“ ( eda)

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