1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Lautstarker Protest gegen Ungleichheit in Darmstadt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Annette Schlegl

Kommentare

Viele Frauen gingen am Dienstag gegen Ungleichheit, Ausbeutung und Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern auf die Straße.
Viele Frauen gingen am Dienstag gegen Ungleichheit, Ausbeutung und Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern auf die Straße. © Renate Hoyer

Rund 1000 Menschen haben am Internationalen Frauentag in Darmstadt gegen das Patriarchat und die Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern demonstriert.

Rund 500 Menschen haben am Dienstag zum Internationalen Frauentag auf dem Friedensplatz in Darmstadt das Patriarchat, also das von Männern dominierte soziale System, kritisiert. Im Anschluss schlossen sich immer mehr Personen einem Demonstrationszug durch die Innenstadt an, so dass die Veranstalter am Ende zufrieden von fast 1000 Teilnehmenden sprachen.

Insgesamt zwölf Initiativen hatten zur Beteiligung an der Frauentagsdemonstration aufgerufen, die der Feministische Streik Darmstadt organisiert hatte. Sie solidarisierten sich dabei auch mit Beschäftigten aus dem Sozial- und Erziehungsbereich, die einem Warnstreik der Gewerkschaft Verdi für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen gefolgt waren.

„Wir zerschlagen das Patriarchat“ heißt es beim Frauentag in Darmstadt

Auf dem Friedensplatz waren Verdi-Transparente mit Botschaften wie „Soziales Herz genügt nicht, wir fordern mehr Lohn“ zu sehen. Die Linksjugend griff das feministische Motto des Tages auf: „Gegen Kapital und gegen den Staat – wir zerschlagen das Patriarchat“. Viele Aktivist:innen hielten selbst geschriebene Plakate hoch, dazwischen wurde die hellblau-rosa-weiße Transgenderflagge geschwenkt.

Frauen leisteten einen Großteil der unbezahlten Arbeit im Privaten, verdienten weniger Geld, seien häufiger von Altersarmut betroffen und die Gewalt gegen sie steige seit Jahren, fasste Gerti Wolf, Sprecherin des Feministischen Streiks, den Status quo am Mikrofon zusammen. Sie prangerte auch die weltweiten Care-Chains an: „Der gesamte globale Norden sucht im globalen Süden nach billigen Arbeitskräften, anstatt im eigenen Land für vernünftige Arbeitsbedingungen und Bezahlung zu sorgen.“

Auch das Recht auf Abtreibung wurde von den Frauen auf der Straße thematisiert.
Auch das Recht auf Abtreibung wurde von den Frauen auf der Straße thematisiert. © Renate Hoyer

Der Arbeitskampf von Verdi sei auch ein gesamtgesellschaftlicher Kampf mit dem Ziel der Anerkennung und Vergesellschaftung von Sorgearbeit, erklärte Rosa Stark, Sprecherin der Interventionistischen Linken Darmstadt. Frauen, Lesben und Genderqueere würden „den Laden am Laufen halten“, aber keine Wertschätzung erhalten.

Kritik bei der Demo in Darmstadt an der Aufrüstung für 100 Millarden Euro

Lautstark übten die Rednerinnen auf dem Friedensplatz auch Kritik an den von der Bundesregierung beschlossenen Rüstungsausgaben. „Mit 100 Milliarden Euro könnten wir alle Menschen weltweit impfen, ein Drittel aller Geflüchteten weltweit aufnehmen oder den Ausstieg aus den fossilen Energieträgern umsetzen“, sagte Stark.

Die Initiative „Darmstadt Unbefristet“ führte ein Kofferkarussell ähnlich der „Reise nach Jerusalem“ vor und machte so darauf aufmerksam, dass an der TU Darmstadt fast nur befristete Anstellungsverhältnisse vergeben und meistens nicht mehr verlängert werden.

Der Bismarckstatue wurde zum Frauentag ein lila Kleid verpasst.
Der Bismarckstatue wurde zum Frauentag ein lila Kleid verpasst. © Renate Hoyer

Attacikka, die Jugendgruppe der globalisierungskritischen Organisation Attac, hatte der Bismarckstatue auf dem Ludwigsplatz nachts ein lila Kleid verpasst. Damit wollte sie auf zahlreiche „bis heute bestehende sexistische Gesetze“ aufmerksam machen, die oft noch aus der Kaiserzeit stammten – wie der Paragraf 218, der den Schwangerschaftsabbruch verbietet. „Wir müssen endlich die Kaiserzeit überwinden – und das Patriarchat gleich mit!“, forderte Tamara Hanstein von Attacikka. 

Ihre Kollegin Erik Schantz ergänzt zum historischen Hintergrund, der Ursprung des 8. März als feministischer Kampftag liege im Jahr 1917, als Petrograder Frauen für den Frieden und gegen den Zar auf die Straße gingen. Dieser feministische Kampf für den Frieden sei heute wieder hochaktuell, nicht nur in Russland. 

Auch interessant

Kommentare