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Zu laut für Wohnungen

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Ein Lärmgutachten für das Areal am Haardtring hat Werte von bis zu 80 Dezibel ergeben.
Ein Lärmgutachten für das Areal am Haardtring hat Werte von bis zu 80 Dezibel ergeben. © Guido Schiek

Die Eigentümer des Wella-Geländes müssen ihre Pläne zur Bebauung ändern, weil es dort teilweise zu laut für eine Wohnbebauung ist. Eine Expertise weist bis zu 80 Dezibel aus.

Am Haardtring ist es laut, Straßen- und der Bahnverkehr sind lärmintensiv. Und dies in einem Maße, dass neue Wohngebiete dort kaum mehr möglich sind. Das musste die Ströher Family Office GmbH (SFO) erfahren. Die Eigentümergesellschaft des Wella-Geländes wollte nördlich der Einmündung der Holzhofallee unter anderem Wohnungen bauen, als Teil einer kompletten Neustrukturierung des Firmengeländes. Jetzt muss SFO diese Pläne ändern.

„Grund ist ein Lärmgutachten, das wir für das Bebauungsplanverfahren haben erstellen lassen“, sagt SFO-Geschäftsführer Matthias Herter. Demnach kann der Lärmpegel am Haardtring so hohe Werte erreichen, dass das geplante Wohngebiet so nicht umzusetzen ist.

Bis zu 80 Dezibel weist die Expertise aus. Die ist deshalb Pflicht, weil der geltende Bebauungsplan für das Wella-Gelände geändert werden muss, und für dieses Verfahren eine ganze Reihe von Umweltdaten erhoben werden müssen. Auch für den Lärm. „Es sind jedoch keine gemessenen, sondern errechnete Werte“, erklärte Planungsdezernentin Cornelia Zuschke (parteilos). Grundlage sind die sogenannten Isophonenkarten der Deutschen Bahn. Auf ihrer Grundlage wird der Lärmpegel errechnet, der an den zu errichtenden Gebäuden entsteht. Ist der zu hoch, muss der Bauherr entweder für ausreichenden Lärmschutz sorgen oder seine Pläne ändern.

Letzteres haben SFO und ihr Architekt Christian Nasedy gemacht. Es wird weniger Wohnungen und dafür mehr Gewerbeflächen geben. „Wir haben dabei das Planungskonzept aber nicht prinzipiell geändert“, sagt Nasedy.

Das sieht „hochwertige Wohn- und Gewerbeflächen“ auf dem Areal vor, das Wella bis Ende dieses Jahres geräumt haben will. Dabei sollen die für den ehemaligen Firmensitz prägenden Gebäude im Osten des Geländes erhalten bleiben: das Franz-Ströher-Haus und das historische Hauptgebäude an der Berliner Allee sowie der versetzt danebenstehende dunkle Bürotrakt, ebenso das Bürohaus an der Holzhofallee. Die dortigen Baumreihen finden ihr Pendant in einer an der Grenze zum Hochschulareal geplanten neuen Allee.

Sämtliche Gebäude im Westen indes müssen weichen. Auf vier Hektar entsteht Neues. An der Grenze zur Hochschule im Norden sind in der Planskizze drei Gewerbegebäude eingezeichnet, mit einer Geschäftsfläche von rund 12 300 Quadratmetern. An der Holzhofallee im Süden ist ein langgezogenes Wohngebäude mit großem Innenhof eingeplant. Dazu kommen drei alleinstehende Wohnhäuser in der Mitte des Geländes. „Punkthäuser“ nennt Nasedy sie. Insgesamt 200 Wohnungen sollen angeboten werden.

Weitere 50 sollten am Haardtring entstehen. Diese müssen wegen der Schallwerte entfallen. Stattdessen plant der Architekt an der Stelle nun Gewerbehäuser. Das bedeutet rund 8000 Quadratmeter für Büros oder Praxen, auch ein Hotel ist möglich. Diese neuen Gebäuderiegel wirken wie eine Lärmschutzwand für die dahinterliegenden Wohnungen.

Mit der Planänderung will Architekt Nasedy zwar den Grundcharakter des neuen Wella-Campus erhalten. Auswirkungen hat sie dennoch, und zwar auf den Zeitablauf. Denn nach Angaben von Matthias Herter können die neuen Wohngebäude erst dann errichtet werden, wenn die sie vor Lärm schützenden Gewerbegebäude am Haardtring fertiggestellt werden. „Diese Flächen müssen wir aber erst vergeben haben, bevor wir mit dem Bau anfangen können“, beschreibt Herter die betriebswirtschaftlichen Überlegungen. rf

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