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Langer Weg zum Fernbahnhof

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Die Studie zum ICE-Anschluss geht vom Idealfall ohne Verspätungen aus.
Die Studie zum ICE-Anschluss geht vom Idealfall ohne Verspätungen aus. © Roman Grösser

Alles muss passen, dann ist es in 20 Minuten von Zug zu Zug zu schaffen. Die Verkehrsexperten rechnen mit einer Umsteigezeit von mindestens 20 Minuten zwischen dem Darmstädter Hauptbahnhof und einem möglichen ICE-Fernbahnhof Darmstadt-West.

Alles muss passen, dann ist es in 20 Minuten von Zug zu Zug zu schaffen. "Bei optimierten betrieblichen Rahmenbedingungen", so fasst das Darmstädter Zentrum für integrierte Verkehrssysteme (ZIV) seine Berechnungen zusammen, könnten Bahnreisende in dieser Zeit einen Umsteigevorgang zwischen dem Darmstädter Hauptbahnhof und einem möglichen ICE-Fernbahnhof Darmstadt-West an der Autobahn A 5 hinter sich bringen.

Das kann nur dann funktionieren, wenn die Straßenbahnhaltestelle auf dem Dach des unterirdischen Fernbahnhofs eingerichtet wird. Andernfalls verlängert sich die Umsteigezeit um mehrere Minuten, für die Passagiere - viele mit Reisegepäck unterwegs - kommen längere Laufwege hinzu.

Das ZIV rät daher von einer Beibehaltung der bisherigen Haltestelle Otto-Hesse-Straße ab. Kehrseite der Medaille: Die Bewohner der Siedlung Tann verlieren ihren bisherigen Straßenbahnanschluss, müssten künftig zur Fernbahnhofs-Haltestelle laufen. Die Einrichtung einer zusätzlichen Haltestelle Tann im Osten der Siedlung wird zwar vom ZIV geprüft, erscheint aber nicht nur wegen höherer Kosten unwahrscheinlich: Dadurch würde sich die Fahrzeit zum Hauptbahnhof weiter verlängern.

Änderungen für Bürger in Tann

All dies geht aus der Studie "Verkehrliche Erschließung des ICE-Bahnhofs Darmstadt West" hervor, die das ZIV vor wenigen Tagen dem Auftraggeber DB Projektbau GmbH ausgehändigt hat. Die Studie zeigt ferner, dass der von der Bahn und von Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) als ICE-Anbindung favorisierte Fernbahnhof für die Bürger in Tann weitere Veränderungen mit sich brächte. In dem Waldstück zwischen Siedlung und Autobahn müssten außer dem Bahnhof mit Park- und Bürohaus-Aufbauten eine Straßenkreuzung mit Abbiegespuren von der Rheinstraße sowie eine Straßenbahn-Wendeschleife angelegt werden.

Die Umsteigezeit zwischen beiden Bahnhöfen für Reisende, die von einem Regionalzug auf den ICE umsteigen wollen, hat das ZIV so berechnet: Übergangszeit vom Bahnsteig im Hauptbahnhof bis zur Straßenbahnhaltestelle auf dem Vorplatz acht Minuten, Straßenbahn-Fahrzeit zum Bahnhof West sieben Minuten, Übergang zum ICE-Bahnsteig fünf Minuten - insgesamt 20 Minuten. Voraussetzung wäre ein "weitestgehend reibungsloser Betrieb" der Straßenbahnen; ein Puffer für Verspätungen ist nicht enthalten.

Das ZIV macht auch einen Vorschlag, wie die Umsteigezeit auf 16 bis 17 Minuten gedrückt werden könnte: Dazu müsste eine neue Straßenbahnbrücke über das Gleisvorfeld zwischen dem Hauptbahnhof und der Brücke Rheinstraße errichtet werden. Wegen der hohen Kosten sowie Problemen mit dem Denkmalschutz räumt das ZIV selbst ein, dass keine Chancen auf Verwirklichung bestehen.

Ausführlich befassen sich die Verkehrsexperten mit der Frage, mit welchen öffentlichen Verkehrsmitteln der Fernbahnhof zu erreichen sein soll. Ein Shuttlebus wird wegen mangelnder Kapazität und Zuverlässigkeit verworfen. "Als Basis", so das Ergebnis der Studie, "sollte die Bedienung einer neuen Haltestelle Darmstadt-West durch die Straßenbahnlinien 4 und 9 bei ansonsten unverändertem Linienverlauf dienen." Beide fahren in die Innenstadt, aber nicht zum Hauptbahnhof. Als Direktverbindung solle die Linie 3 verlängert werden. (bad)

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