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Das lange Warten auf den Impfstoff

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Grippeschutz-Impfung: Darmstädter Arztpraxen und  Apotheken bekommen nicht genug Impfstoff geliefert.
Grippeschutz-Impfung: Darmstädter Arztpraxen und Apotheken bekommen nicht genug Impfstoff geliefert. © dpa

Viele Asthmatiker und ältere Menschen brauchen dringend eine Impfung gegen Grippe. Sie müssen vorsorgen. Aber sie bekommen keine. Denn die Hersteller liefern nicht genug.

Nach Angaben des Sozialministeriums in Wiesbaden gibt es keine Probleme bei der Versorgung mit Impfstoffen. Jochen Voltz aus Wixhausen sieht das anders. Und auch in einigen Darmstädter Arztpraxen und Apotheken sorgen Lieferschwierigkeiten bereits für Ärger.

„Seit sechs Wochen warte ich auf meinem Impfstoff“, berichtet Jochen Voltz. Der Rentner ist Asthmatiker und zur Prävention auf den Grippe-Impfstoff angewiesen. Sein Hausarzt Christoph Breiter pflichtet ihm bei: Von den 180 Impfstoff-Dosen, die der Mediziner für diese Saison beim Hersteller Novartis bestellt hat, sind lediglich 120 Dosen eingetroffen. Derzeit kann er vor allem Menschen über 65 Jahre, die auf spezielle Impfstoffe angewiesen sind, nicht versorgen.

Auch der Großhandel habe nichts mehr auf Lager: „Seit September muss ich meine Patienten von einem Tag zum andern vertrösten“, sagt Breiter. Novartis habe ein Produktionsproblem, so seine Vermutung. Erst gestern habe er versucht, die Hotline anzurufen – ohne Erfolg. „Die Telefone klingeln dort vermutlich heiß.“

Impfung im November reicht aus

Während Novartis angekündigt hat, bis Anfang November alle Bestellungen auszuliefern, hat sich etwa der niederländische Hersteller Crucell noch nicht auf Termine festlegen lassen.

Wie kam es zu dem Engpass? „Vorgestern sah alles noch gut aus“, sagt Kirsten Müller-Kuhl von der Apothekerkammer in Frankfurt. Dann habe sie vom pharmazeutischen Großhandel die Mitteilung bekommen, dass es knapp werden könnte.

Der Grund: In einigen Bundesländern haben die Krankenkassen Rabattverträge mit den günstigsten Anbietern abgeschlossen. Weil aber etwa Novartis derzeit nicht liefern kann, springen andere Hersteller ein. „Und damit kann es auch in anderen Regionen Deutschlands knapp werden“, sagt Müller-Kuhl. Sie warnt vor Panikmache. „Es reicht völlig aus, wenn man sich im November gegen Grippe impft.“

Apothekerin: „Wir bekommen nichts mehr“

Jochen Voltz schimpft trotzdem: „Ich gehöre zu denen, die auf eine Impfung dringend angewiesen sind.“ Die Unzufriedenheit ist nicht nur bei ihm groß. „Wir können unseren Kunden auch nicht weiterhelfen“, sagt etwa Jutta Rechel von der Avicenna-Apotheke am Friedrich-Ebert-Platz.

Auch Doris Biesel aus der Lortzing-Apotheke in Wixhausen äußert sich pessimistisch: „Ich gehe davon aus, dass wir nichts mehr bekommen.“

Eine Nachfrage unter Apothekern in Darmstadt ergab allerdings auch, dass die Lager unterschiedlich gefüllt sind. Die Kronen-Apotheke in der Roßdörfer Straße hat noch Impfstoff vorrätig – allerdings keine großen Mengen. Und in die Georgen-Apotheke in der Heidelberger Landstraße sind erst vor zwei Tagen noch 20 Dosen geliefert worden. (hin.)

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