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Lange Suche nach einem Zuhause

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Auch der neunjährige Jamie sucht ein neues Herrchen.
Auch der neunjährige Jamie sucht ein neues Herrchen. © André Hirtz

Im Tierheim warten ältere Hunde zum Teil schon seit Monaten auf eine Vermittlung.

Jamie zittert und wackelt vor lauter Aufregung. Die Gassigeherin hat Leckerlis in der Manteltasche, das riecht er genau! An der Leine von Tierheim-Mitarbeiterin Katrin Wenning zieht und zappelt er, als wäre er keine neun, sondern allerhöchstens drei Jahre alt. Ein schmaler Schäferhundmischling, der aus Freude gern die Ohren anlegt, nicht aus Unbehagen. „Sehr, sehr agil für sein Alter“, stellt Katrin Wenning fest. Zu agil für seine bisherigen Besitzer, sagt ihre Kollegin Claudia Kadow. Deshalb wurde Jamie nach acht Jahren von seiner Familie abgegeben. Seit Sommer lebt er nun im Tierheim.

Als „einen echt freundlichen Hund“ beschreibt ihn Katrin Wenning. „Am liebsten würde er einem den ganzen Tag auf dem Schoß liegen.“ Mit Katzen verträgt er sich und mit Hündinnen auch, bei Rüden entscheidet die Sympathie – aber „eigentlich ist Jamie kein Zweithund“, sagt sie, „er will die völlige Aufmerksamkeit seines Herrchens.“

Anders ist das bei Kyra (9) und Robbie (7) – sie ein mit dem belgischen Schäferhund verwandter Groenendael, er ein kniehoher Mischling – die beide bereits Tierheim-Erfahrung hatten und gemeinsam erneut abgegeben wurden, weil die Besitzer den Garten, in dem die Hunde lebten, aufgeben mussten. Sie sollten zusammenbleiben, weil Robbie ein, wie Katrin Wenning sagt, unsicherer Hund ist, der Kyras breiten Rücken braucht – „und extrem dran zu knabbern hatte, dass er wieder abgegeben wurde“.

Zwei große Hunde auf einmal zu vermitteln – idealerweise an jemand mit einem Garten – das ist nicht leicht, wissen die beiden Tierheim-Mitarbeiterinnen. „Aber“, sagt Claudia Kadow, „die hängen schon arg aneinander.“

Oft keine Anfängerhunde

Bobo hingegen, ein acht Jahre alter Cocker Spaniel, lässt sich auch von weniger kräftigen oder älteren Menschen problemlos spazieren führen. Er braucht Spezialfutter, hat immer mal mit Ohrenentzündung zu tun – eine Spezialität seiner Rasse – und kann nicht so gut mit anderen Hunden. Katrin Wenning und Claudia Kadow schwebt hier ein „nettes älteres Ehepaar“ vor, „die mit ihm kuscheln und Gassi gehen und immer mal nach seinen Ohren gucken“.

Tierheim bedeutet immer großen Stress für die Hunde. Wenn sich ein Tier wie der junge Schäferhund Ivanko, der sich ohnehin immer auf einem hohen Stresslevel befindet, von Besuchern noch mehr stressen lässt und alles und jeden anbellt, ist das schwer zu vermitteln. Oder der mit dem entsprechenden Eigensinn ausgestattete Dackelmischling Timon. „Der will seine eigenen Regeln aufstellen, aber das kriegt man in den Griff“, sagt Katrin Wenning. „Das ist halt auch kein Anfängerhund“, ergänzt Claudia Kadow.

Wenn schon allein das Alter ein Vermittlungshemmnis ist, muss man sich eben nicht wundern, dass es erst recht nicht klappt, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen. Diana, die sechs Jahre alte, taube Weimaranerin ist noch immer da. Sie ist ein sogenannter Listenhund und kostet ohne Wesenstest entsprechend Hundesteuer.

Andere Sorgenkinder haben dagegen in den vergangenen Wochen ein Zuhause gefunden: die Staffordshires Chanel und Tyson haben feste Interessenten, Kangal Pascha ist vermittelt. Und womöglich meldet sich auch noch jemand für die Staffordshires Angel und Jackson. Vor allem aber hoffen Katrin Wenning und Claudia Kadow auf ein glückliches Schicksal für ihre Hundeopas. Anschauen lassen sie sich unverbindlich an Ostersonntag beim nächsten Tag der offenen Tür. Da gibt’s bestimmt auch wieder ein Leckerli für Jamie. Oder zwei. (rwb)

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