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Landwirte kommen ins Schwitzen

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Trockenheit und hohe Temperaturen schaden dem Getreide.
Trockenheit und hohe Temperaturen schaden dem Getreide. © Karl-Heinz Bärtl

Der Bauernverband fürchtet Ertragseinbußen wegen der Dauerhitze. Gerste, Weizen, Roggen, Mais und Rapps vertragen Trockenheit und Temperaturen jenseits 30 Grad nur schlecht.

"Eigentlich sind die Hundstage erst später", stöhnt Regionalbauernchef Walter Schütz aus Groß-Umstadt. Wer in diesen Tagen übers Land fährt, kann's mit eigenen Augen sehen: Den Landwirten bereitet das Klima zunehmend Probleme. "Wir haben ein Wetter der Extreme: das Frühjahr kalt und nass, dann jetzt seit 14 Tagen Hitze", fasst Südhessens Bauernsprecher zusammen. Gerste, Weizen, Roggen, Mais und Rapps vertragen Trockenheit und Temperaturen jenseits 30 Grad nur schlecht. Das Wachstum bleibt stecken, verfrühte Samenbildung setzt ein, die Notreife.

Friedhelm Schneider, Präsident des hessischen Bauernverbands, befürchtet bei anhaltender Hitze starke Ertragseinbußen. Besonders auf den wasserdurchlässigen Sandböden könne es zu erheblichen Trockenschäden kommen. "Uns brennt die Ernte auf den Feldern nieder", befürchtet der Verbandspräsident bei weiter anhaltender Hitze. Während in normalen Sommern in Hessen rund zwei Millionen Tonnen Getreide geerntet würden, sei dieses Jahr mit deutlich weniger zu rechnen.

Auch die Tiere leiden

Umsatzeinbußen müssten auch die Milchbauern hinnehmen, weil die Milchleistung der Tiere infolge der hohen Temperaturen deutlich zurückgehe. "Moderne Laufställe sind zwar luftig gebaut", schildert Regionalbauernchef Walter Schütz. "Aber die Nutztiere leiden, genau wie der Mensch, unter der Hitze. Schweine etwa liegen nur noch da und werden faul. Das stärkste Tier legt sich unter den Getränkenippel und lässt die anderen nicht mehr ran." Um die Tiere zu kühlen, wird in modernen Schweineställen die Raumluft durch eine Berieselung geleitet. Dadurch entsteht permanent Verdunstungskälte.

Investitionen in derlei bauliche Vorkehrungen müssen womöglich bald alle Landwirte tätigen. "Ich glaube, dass die Prognose der Klimaforscher stimmt, wir uns im Klimawandel befinden und mit Extremwetterlagen befassen müssen", sagt der Bauernchef vorausblickend. Neue, hitzebeständigere Pflanzensorten und geänderte Anbautechniken seien gefragt. Dazu werde beispielsweise beim Fruchtwechsel auf dem Acker der Boden nicht mehr gewendet, um so Wasser zu sparen.

Derweil treibt die Gluthitze am Tag manche Bauern des Nachts auf die Scholle. Zur Frühkartoffelernte schalten sie zuvor abends die Wassersprenger ein, damit bei der Ernte im Mondschein nicht riesige Staubfahnen entstehen, wenn der Landwirt jene Knollen aus dem Boden holt, die die Sonne am Tag verbrennen würde.

Die von Landwirten beobachtete Klimaverschiebung hat nach Auskunft von Naturschützern auch Auswirkungen auf die heimische Tierwelt: Wanderfalke, Graureiher, Uhu und Schwarzstorch fänden auch im Winter genug Nahrung, um hier zu bleiben, ebenso Kiebitz, Rotmilan und Star.

Weinfreunde genießen längst Rotweine aus Groß-Umstadt von Reben, die vor zehn, 20 Jahren nur in Südeuropa gediehen. Für einen vollmundigen Syrah aus der Hessischen Bergstraße sei es aber - zum Glück - noch zu früh, schränkt Bauer und Winzer Walter Schütz ein. (piz/hde)

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