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Landkreise retten letzten südhessischen Schlachthof

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Von: Annette Schlegl

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Eine neue Anlage für die Betäubung der Schweine ist im Schlachthof Brensbach unter anderem vonnöten. Foto: Andreas Arnold
Eine neue Anlage für die Betäubung der Schweine ist im Schlachthof Brensbach unter anderem vonnöten. © Andreas Arnold

Um den südhessischen Schlachthof Brensbach zu erhalten, stocken die Landkreise Darmstadt-Dieburg und Odenwald ihre Anteile an der Trägergesellschaft auf.

Seit der Schließung des Schlachthofs in Bensheim und des Großschlachthofs in Mannheim gibt es im südhessischen Raum nur noch den Odenwald-Schlachthof in Brensbach (Odenwaldkreis). Er ist die letzte Möglichkeit, in Südhessen regional zu schlachten. Um seinen Erhalt zu sichern, wollen der Kreis Darmstadt-Dieburg und der Odenwaldkreis bis zum Herbst gemeinsam die Mehrheiten an der Odenwald Schlachthof Bauträger GmbH übernehmen, die im Besitz der Immobilie ist.

Südhessischer Schlachthof ist für kurze Transportwege wichtig

300 Schweine, 50 Rinder und fünf Schafe und Ziegen werden pro Woche in Brensbach geschlachtet. Aus Sicht des Tier- und Umweltschutzes ist es zwingend erforderlich, die Transportwege der lebenden Tiere so kurz wie möglich zu halten. Um den Schlachthof zu erhalten und zu modernisieren, sind nun Investitionen nötig. Doch die derzeitige Beteiligungsstruktur der Odenwald Schlachthof Bauträger GmbH macht es schwer, finanzielle Entscheidungen zu treffen.

Die Bauträger GmbH war seinerzeit zur Errichtung und Verpachtung der Schlachthofimmobilie gegründet worden. Beide Landkreise hielten 14 Prozent der Gesellschafteranteile, der Kreis Darmstadt-Dieburg hatte seine Anteile dem Odenwaldkreis aber treuhänderisch übertragen. Darüber hinaus sind zehn weitere Kommunen und 40 privatrechtliche Gesellschaften oder Privatpersonen beteiligt.

Neue Mehrheitsverteilung macht Entscheidungen für Investitionen in den Schlachthof leichter

Die beiden Kreise wollen nun die Anteile dieser Mitgesellschafter übernehmen, um Mehrheitseigentümer der Immobilie zu werden. Die stark zersplitterte Beteiligungsstruktur schränke die Handlungsfähigkeit für notwendige Investitionen nämlich sehr ein, erläutert Lutz Köhler (CDU), Vize-Landrat in Darmstadt-Dieburg.

Viele der kleinen Gesellschafter hätten schon signalisiert, dass sie ihre Anteile kostenfrei an die beiden Landkreise übertragen, sagt der Odenwälder Landrat Frank Matiaske (SPD). Das hat für sie den Vorteil, dass sie sich damit von der Nachschusspflicht bei einem Defizit befreien. Und das ist durchaus ein gewichtiges Argument, weil es in den vergangenen zwei Jahren zu geringe Pachteinnahmen von der Betriebsgesellschaft gab. Diese Firma – die Odenwald Schlachthof Betriebsgesellschaft mbH – ist für das Schlachten verantwortlich. Sie hat die Immobilie inklusive des Schlachtbandes von der Bauträgergesellschaft gepachtet.

Tierschutzorganisation Peta monierte Fehlbetäubungen im Schlachthof Brensbach

Der Darmstadt-Dieburger Kreistag hat sich in seiner jüngsten Sitzung grundsätzlich bereiterklärt, Geschäftsanteile an der Bauträger GmbH zu erwerben, die Kreistagsmitglieder des Odenwaldkreises werden sich in ihrer Sitzung am 18. Juli damit befassen. Der Odenwälder Kreistag hatte sich aber bereits in der Vergangenheit immer wieder fraktionsübergreifend positiv zum Erhalt des Schlachthofes positioniert. Die Landkreise bauen für die Modernisierung auf Fördermittel des Landes.

Wie dringend der Schlachthof modernisiert werden muss, ist aus einem Bericht der Tierschutzorganisation Peta ersichtlich. Ein Whistleblower hatte Peta Anfang Mai gravierende Tierschutzverstöße gemeldet. Es hieß, die Elektrobetäubungsanlage sei so verändert worden, dass auch größere Schweine ab 130 Kilo hineinpassten. Damit seien aber kleinere Tiere nicht mehr richtig betäubt worden, weil Elektroden zur Betäubung bei ihnen teils falsch angesetzt wurden. Das RP Darmstadt führte zwei Kontrollen durch und wies den Schlachthof an, den Ursprungszustand wieder herzustellen. Außerdem wurde ihm untersagt, große Schweine und Muttersauen zu töten.

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