1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Lachen als Medizin

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

In den Kinderkliniken Prinzessin Margaret unterhalten Clowndoktoren die jungen Patienten. Auf jedes Kind gehen die Clowndoktoren individuell ein und unterhalten mit Seifenblasen, Instrumenten und lustigen und ungewöhnlichen Liedern.

Rudolph ist ein rotnasiges Rentier – und die rote Nase hat er mit Dr. Mops alias Felix Gaudo (49) gemeinsam. Spontan spielt der clownesk geschminkte Muntermacher das bekannte Weihnachtslied auf seiner Ukulele und erfreut damit eine kleine Patientin, die zufällig im Aufzug mitfährt.

Clowndoktoren in Aktion

Als Gaudos zweijährige Tochter Amelie wegen Brechdurchfalls in den Darmstädter Kinderkliniken behandelt wurde, lernte der Bensheimer Moderator und Comedian erstmals Clowndoktoren in Aktion kennen. Gut gelaunt, mit leuchtend roten Nasen, standen sie am Bett seiner vom Krankenhausbetrieb völlig eingeschüchterten kleinen Tochter und brachten sie mit ihren Späßen dazu, sich wieder für die Außenwelt zu öffnen. Daraufhin wollte Felix Gaudo unbedingt selbst ein Clowndoktor werden, und er erfüllte dafür ja alle Voraussetzungen: Er hatte eine Schauspielausbildung und sogar Erfahrungen mit Clownerien. Allerdings musste der zweifache Vater noch in einem Weiterbildungskurs den Umgang mit kranken Kindern lernen.

Unterstützt von seiner hochmusikalischen Begleiterin Dr. Stracciatella (Angela Scochi) im Blumenkleid, fasziniert der große, schlanke Dr. Mops seit zweieinhalb Jahren Patienten und Eltern mit Musik, Zaubertricks und einem unerschöpflichen Vorrat an roten Nasen. Großzügig werden die geschlitzten Schaumstoffbällchen an kleine Patienten und ihre Eltern verteilt und von ihnen auch brav aufgesetzt.

Individuelle Hilfe

Auf jedes Kind gehen die Doktoren individuell ein. Ihre Hilfsmittel sind Seifenblasen in allen Größen, kleine Instrumente und verrückte oder lustige Lieder. Manchmal gelingt es ihnen, Kinder zum Mitsingen zu bewegen, aber selbst die Stummen und Schüchternen haben nach der Visite leuchtende Augen. Vor ihren Besuchen in den Krankenzimmern werden die beiden Spaßmacher kurz über das Krankheitsbild der Patienten informiert, damit sie Rücksicht auf diejenigen nehmen können, die – zum Beispiel kurz nach einer Blinddarmoperation – nicht lachen dürfen.

Intuitiv erfassen die Doktoren, wie sie sich verhalten sollen: laut lärmend mit „tatatata“ oder leise, um ein im Nebenbett schlafendes Kind nicht zu stören. Sie sind gut aufeinander eingespielt.

Abwechslung vom Klinikalltag

Der Leiter der Darmstädter Kinderkliniken, Chefarzt Bernhard Lettgen, ist von der antidepressiven Wirkung der Clownerien begeistert. „Lächeln ist ein gutes Medikament gegen Schmerzen“, sagt er. Kinder und Eltern wüssten diese Abwechslung vom Klinikalltag zu schätzen, und auch das Personal werde von der guten Laune angesteckt.

„Ihr seid witzige Clowns“, lobt die kleine Lilli. Mathilda, zu deren Ehren Dr. Mops und Dr. Stracciatella das Lied „Mathilda!“ anstimmen, verrät bereitwillig, wozu ihre coole Zahnlücke gut ist: „Da oben kann man die Lutscher reinstecken“. Aus ihren Taschen zaubern die Doktoren für einen ganz speziellen Sehtest kleine und immer kleiner werdende Enten. Oder sie erklären das Handy eines Kindes zur Fernbedienung, die sie zum Hüpfen oder Tanzen zwingt.

Nach zwei, drei Stunden Fröhlichkeit fühlen sich die beiden freiberuflichen Schauspieler geplättet. Für die zweifache Mutter und Musical-Schauspielerin Angela Scochi (45) ist dieser Nebenjob „eine schöne Anstrengung, die der Seele gut tut. Danach fühle ich mich wie ein aufgeschütteltes Kissen“. Spricht’s und bereitet sich in Gedanken schon auf ihren nächsten Auftritt als Papagena in der Alten Oper Frankfurt vor. Abgeschminkt verlassen die Clowndoktoren die Kinderkliniken. Sie hinterlassen ein Lächeln auf vielen Gesichtern. (pyp)

Auch interessant

Kommentare