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Der kurze Traum vom Kurbad

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„Wunderquelle“ zieht im Jahr 1671 kranke Menschen aus ganz Europa an, versiegt jedoch schon bald wieder. So ist der Traum vom Kurbad kurz.

Bad Griesheim – so hätte sich die größte Stadt im Landkreis Darmstadt-Dieburg beinahe nennen können. Doch es kam anders. Denn die im Jahr 1671 auf einer Wiese am Landgraben aufspringende Wunderquelle versiegte nach einiger Zeit wieder. Ein Gedenkstein erinnert an den „Guten Born“ an der Grenze der Griesheimer zur Goddelauer Gemarkung. Das Denkmal stammt aus dem Jahr 1971 und zeigt einen Krug, aus dem Wasser fließt. Er steht am Rande der Fürstenwiese.

Die genaue Stelle, an der Erntehelfer aus Tirol beim Wiesemähen vor 300 Jahren den Quell entdeckten, ist nicht bekannt. Solange das Heilwasser floss, sorgte es aber für Furore. „Von weit her kamen Leute, um ihre Leiden zu kurieren“, weiß der Griesheimer Heimatforscher Karl Knapp.

Nachdem der Ort im Zuge des 30-jährigen Krieges zweimal von plündernden Söldnern heimgesucht worden war, stellte die Heilquelle eine Chance für die Bevölkerung dar, wieder zu Wohlstand zu kommen. Dies erkannten auch die Fürsten in Darmstadt und beauftragten den Professor und Arzt Dr. Tack, ein Buch über den Brunnen und seine Wirkungen zu verfassen.

Die Abhandlung zum mineralischen Wasser ist noch erhalten. Sie preist die „unterschiedlichen Würckungen, die es erweist in vielen Krankheiten, so innerlich als auch äußerlich gebrauchet, in dem es etliche purgiret durch den Stuhlgang, und bald den Geschwollenen und mit Oehlschenckeln lange befallen. Ja es ist den Uebelhörenden und Tauben ihr Gehör eröffnet, den Uebelredenden an der Sprache geholfen, den Uebelsehenden ihr Gesicht merklich theils gestärcket, theils gar wiedergegeben, denen die Seitenstechen gehabt ihre Schmerzen gestillet“.

Mit „Wein, Bier und Essenspeiß bewürthet“

Die überschwänglichen Ausführungen verfehlten ihre Wirkung nicht. Im Umfeld des Gesundbrunnens siedelten sich Geschäftsleute an. Sie errichteten Hütten und Stände, aus denen heraus sie die zur Kur kommenden Menschen mit „Wein, Bier und Essenspeiß bewürthet“. 1672 erhielt Andreas Rechel aus Goddelau die Erlaubnis, „ein Haus bey dem Heylbrunnen zu bauen und daselbsten sich mit Crämerey und in andere zulässige Wege zu nähren“, heißt es in einer alten Urkunde. Doch der Massenandrang hatte Nebeneffekte. Weil hunderte von Menschen die Quelle umlagerten, kam es zu Verunreinigungen des Wassers. Verhaltensvorschriften wurden erlassen. Ein Mann führte die Aufsicht und reichte den Kurgästen das schwefelhaltige Wasser des „guten Bronnchens“. Außerdem erhielt der Born eine Einfassung. Auch ein steinernes Gewölbe über ihm wurde errichtet.

Üblicherweise lassen sich auch nach Jahrhunderten Steine solcher Bauwerke finden. Auf der Fürstenwiese in der Südwest-Gemarkung blieb indes nichts zurück. „Ich habe mein ganzes Leben danach gesucht, aber nichts gefunden“, sagt Karl Knapp.

Der Aufschwung durch die gute Quelle nahm ein jähes Ende, als sie kein Wasser mehr spendete. 1723 wendete sich das Blatt noch einmal. Auf einmal floss das Nass wieder, und erneut pilgerten kranke Menschen nach Griesheim. Und zwar in solchen Massen, dass die umliegenden Wiesen niedergetrampelt wurden.

Der fürstliche Griesheimer Schultheiß Keller schlug daher vor, dass die Gäste über die steinerne Hohe Brücke und danach über den Damm gehen sollten, der durch eine Brücke mit dem Brunnen verbunden werden könnte. Die Darmstädter Behörde kam diesem Wunsch nach. Gleichwohl versiegte der Born nach kurzer Zeit wieder – bis heute. (pk)

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