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Darmstadt: Kunst im Wald, ganz ohne Eintritt

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Von: Annette Schlegl

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Hauptattaktion des diesjährigen Internationalen Waldkunstpfades: das riesige Boot des Künstlers Ernest Daetwyler.
Hauptattaktion des diesjährigen Internationalen Waldkunstpfades: das riesige Boot des Künstlers Ernest Daetwyler. © Michael Schick

Zum elften Mal setzen Künstler und Künstlerinnen im Wald am Böllenfalltor in Darmstadt kreative Akzente. Sieben Wochen lang sind ihre Werke zu sehen.

Ein überlebensgroßer Mensch will einen Baum umfassen, den es nicht mehr gibt. Ein riesiges Boot liegt am Wegesrand auf dem Trockenen. Quallen hängen zwischen Ästen. Das und noch viel mehr bekommen diejenigen zu sehen, die jetzt in Darmstadt im Forst an der Klappacher Straße, kurz hinter dem Polizeipräsidium, unterwegs sind.

Dort ist am Samstag, 3. September, der gut zwei Kilometer lange 11. Internationale Waldkunstpfad eröffnet worden. 15 Installationen zum Motto „Kunst Natur Wandel“ sind bis 23. Oktober in dem Waldrevier zu sehen, zwei dazu erstmals ab 15. September an der Grube Messel. Dazu gibt es 14 digitale Arbeiten, die vom 21. September an in der Schader-Galerie in Darmstadt präsentiert werden.

Darmstadt: Internationale Waldkunstpfad feiert 20-jähriges Jubiläum

Der Internationale Waldkunstpfad feiert in diesem Jahr Jubiläum: Seit 20 Jahren gibt es ihn schon. Im Jahr 2002 brachte die Kuratorin Ute Ritschel erstmals Kunst in den Wald, ab da kam alle zwei Jahre „Kunst ohne Eintritt“ in den Wald – und fand Nacheiferer in China, Wisconsin/USA, an der Elfenbeinküste und in diesem Jahr im österreichischen St. Corona.

Ri Eung Woo aus Korea (r.) hat aus Bambus die überlebensgroße Figur „The lost tree“ geschaffen.
Ri Eung Woo aus Korea (r.) hat aus Bambus die überlebensgroße Figur „The lost tree“ geschaffen. © Michael Schick

23 Künstler und Künstlerinnen aus zwölf Ländern in allen fünf Kontinenten haben in diesem Jahr sowohl analoge als auch digitale Kunstwerke geschaffen. Hauptattraktion ist das riesige Boot des kanadischen Künstlers Ernest Daetwyler, das im Eingangsbereich des Waldkunstpfades aus umgestürzten Stämmen und Ästen zusammengezimmert wurde. Laut Künstler steht es für Aufbruch, Flucht und Migration, für die Ungewissheit, bei der wir alle in einem Boot sitzen.

Waldkunstpfad in Darmstadt ist gut zwei Kilometer lang

Die Natur ist im Wandel, und die Kunstwerke im Revier am Böllenfalltor „an fünf von Hessenforst noch erlaubten Orten“, so die Kuratorin Ritschel, zeigen das eindrucksvoll – wie etwa die Installation der Australierin Sally Kidall. Inspiriert von den Buschfeuern in ihrer Heimat hat sie einen verbrannten Baum unter ein Plastikfolien-Treibhaus gelegt.

Kim Rathnau lässt Kautschuk-Quallen von den Ästen baumeln. Sie stehen für Ökosysteme, die sich mit dem Klimawandel verändern.
Kim Rathnau lässt Kautschuk-Quallen von den Ästen baumeln. Sie stehen für Ökosysteme, die sich mit dem Klimawandel verändern. © Michael Schick

„Es wird immer schwerer, im sterbenden Wald Kunst entspannt und kreativ bieten zu können“, sagt Peter Schüler, Vorsitzender des Vereins für Internationale Waldkunst. Deshalb gibt es zum 20-jährigen Jubiläum auch einen digitalen Wald: 14 digitale Projekte und Performances werden in einem Experimentallabor in der Schader-Galerie mit den analogen Kunstwerken vernetzt und liefern Denkanstöße.

Förderung vom Kulturfonds Frankfurt-Rhein-Main, Stadt und Kulturstiftung

Wer dann auch noch mit dem Handy QR-Codes an den Bäumen scannt, hat per Augmented Reality zusätzliche Erlebnisse. Er oder sie kann die Kunstwerke vergrößern, drehen oder nach Belieben an andere Orte versetzen, sieht virtuell Erdlawinen oder Flammen und hört Klänge – vorausgesetzt, die Kopfhörer sind im Wald dabei.

Jens J. Meyer hat aus dreieckigen Zuschnitten das Kunstwerk „forest dome“ erschaffen.
Jens J. Meyer hat aus dreieckigen Zuschnitten das Kunstwerk „forest dome“ erschaffen. © Michael Schick

Rund 100 000 Euro hat jeder Waldkunstpfad bisher gekostet, sagt Schüler. Diesmal sei das Budget jedoch fast doppelt so hoch, weil der Kulturfonds Frankfurt-Rhein-Main, die Stadt Darmstadt sowie die Aventis Kulturstiftung zum Jubiläum mehr Fördergelder gegeben haben. „Dafür gibt es auch fast doppelt so viel Programm“, so Schüler.

Darmstadt: Verein für Internationale Waldkunst erinnert an Joseph Beuys

Der Verein für Internationale Waldkunst erinnert übrigens auch an den Aktionskünstler Joseph Beuys, der vor genau 40 Jahren in Kassel für Furore sorgte, als er unter dem Motto „Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ 7000 Eichen pflanzte. Zu seinen Ehren soll eine Stele errichtet und eine Eiche gepflanzt werden.

Das Begleitprogramm

Führungen: Jeden Samstag und Sonntag um 15 Uhr Führungen durch den Waldkunstpfad, Treffpunkt am Infostand (vom Waldparkplatz an der Klappacher Straße geradeaus). Kosten: acht Euro pro Person. Zusätzlich am Samstag, 10. September, um 14 Uhr Führung durch den jungen Waldkunstpfad.

Schader-Galerie: Vom 21. September bis 23. Oktober Ausstellung „Digitaler Wald“ in der Galerie der Schader-Stiftung, Goethestraße 1 in Darmstadt, im Rahmen von 20 Jahre Waldkunst. Eröffnung am 21. September, 18 Uhr, Ausstellungsdauer bis 23. Oktober. Geöffnet jeweils Freitag bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr, Führungen ab 23. September jeden Freitag um 17 Uhr.

Hörweg: Am 14. Oktober, 14 Uhr, am Goetheteich Eröffnung des Hörwegs „Tomorrow I’m alive“ mit sieben Stationen, den die Hochschule Darmstadt, Fachbereich Media, anlegt.

Kinderprogramm: Aufführungen des Kindertheaters „Kleine Hexen, große Pläne“ am 10. und 17. September um 15 Uhr, sowie am 11. und 18. September um 11 und 14 Uhr. Start am Kinderbauwagen am Waldkunstpfad.

Konzerte: Live-Performance „Stimmwechsel“ am 11. September um 18 Uhr am U-Boot auf dem Waldkunstpfad. Am 18. September um 19 Uhr Konzert des Ensemble Template auf dem Gelände des Internationalen Waldkunstzentrums, Ludwigshöhstraße 137. Am 25. September Auftritt eines Projektchors der Akademie für Tonkunst um 18 Uhr am Kinderbauwagen auf dem Waldkunstpfad.

Eichenpflanzung: Zu Ehren von Joseph Beuys am Samstag, 22. Oktober, um 14 Uhr auf dem Waldkunstpfad. Treffpunkt am Infostand. ann

Weitere Aktionen unter https://2022.waldkunst.com/

Die Australierin Sally Kidall hebt mit ihrem Kunstwerk die Bedeutung jedes einzelnen Baumes hervor.
Die Australierin Sally Kidall hebt mit ihrem Kunstwerk die Bedeutung jedes einzelnen Baumes hervor. © Michael Schick
QR-Codes an den Bäumen offerieren zusätzliche Informationen und Erlebnisse.
QR-Codes an den Bäumen offerieren zusätzliche Informationen und Erlebnisse. © Michael Schick

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