Darmstadt

Kunst als Erlebnis

Auf dem Internationalen Waldkunstpfad gibt es spezielle Führungen für Kinder. Die Natur soll Impulse und Inspiration für das künstlerische Schaffen der Kinder bieten.

Neun Kinder sitzen, knien oder toben um den Goethe-Teich am 7. Internationalen Waldkunstpfad im Wald am Böllenfalltor in Darmstadt. Sie sammeln eifrig Geäst, Laub oder Rindenstücke. Begleitet werden die Grundschüler von Katharina Eckert. „Naturformen im Kinderkunst-Laboratorium“ heißt die interaktive Führung, zu der die Kunstpädagogik-Studentin am Samstag auf den Waldkunstpfad eingeladen hat. Das Konzept: Die Natur soll Impulse und Inspiration für das künstlerische Schaffen der Kinder bieten.

Los geht es am „Wachsenden Boot“, der prominenten Weideninstallation des Österreichers Alois Lindenbauer. Katharina Eckert erklärt, dass ein Duplikat des Bootes in Südkorea steht. Im Gespräch werden die Kunstwerke für die jungen Besucher lebendig. Wohin man mit dem „Wachsenden Boot“ wohl fahren könne, fragt die Studentin. Die Kinder sind sich schnell einig: „Man kann eine Reise durch den Wald machen.“

Anfassen erlaubt

Zu dieser Reise bricht die kleine Expeditionsgruppe auf, im Gepäck einen geheimnisvollen Koffer. An verschiedenen Stationen entdecken die jungen Teilnehmer Kunstwerke, mit denen sich die Kinder identifizieren können. Auf die großen Eichenfüße, die der Ivorer Jems Koko Bi mit einer Kettensäge geschnitzt hat, können sich die Kinder gemütlich setzen und einen Blick in die Baumkronen werfen: Eine Chaiselounge in Schuhgröße 160.

Dass man die Exponate, im Gegensatz zu konventionellen Kunstausstellungen, anfassen und erforschen darf, gefällt den Kindern besonders. „Hier sind keine Glasscheiben davor“, freut sich ein Junge. Zudem regt Katharina Eckert immer wieder das Gespräch an. „Wisst ihr, warum der Künstler Füße gemacht hat? Er ist Afrikaner, und als Kind musste er immer viel laufen“, erzählt sie, und schon ist die Kunst Erlebnis anstatt elitär.

Auch das Miniatur-Haus mit dem Titel „Versteckte Kinder“ wird den jungen Besuchern näher gebracht. Mit dem Haus gedenkt Laurie Beth Claire aus den USA der Kinder, die im Dritten Reich im Wald Schutz gesucht haben. „Diese Kinder waren vielleicht erst so alt wie ihr und haben sich im Wald versteckt und von Beeren ernährt“, erklärt die Kunstpädagogik-Studentin.

Kreativität anregen

Besonders angeregt werden soll aber die kindliche Kreativität. Bob Budds „Kitchen Biotope“, in dem Waldobjekte konserviert werden, inspiriert die Kinder zu kulinarischen gestimmten Buntstiftzeichnungen.

„Die Kinder sollen etwas Eigenes entwickeln, ohne Bastelanleitung“, sagt Eckert. So auch beim Höhepunkt der Exkursion, dem Laboratorium am Goethe-Teich. Hier wird das Mysterium um den „Geheimkoffer“ gelüftet: Katharina Eckert hat Kordel, Scheren, Watte, Nylonfäden, Federn und allerlei weitere Utensilien mitgebracht, welche die Kinder verarbeiten dürfen. „Die Kinder sind oft perplex, wenn es keine Aufgabe gibt wie in der Schule“, sagt sie. Es stehe eben auch nicht das endgültige Produkt im Vordergrund, sondern die schöpferische Betätigung und die „ästhetische Erfahrung“.

Stöcke und Blattwerk werden so zu einem Mobile, einer Angel, einem Floß oder einer Feuerstelle. „Es geht auch um die Sensibilisierung zur Natur“, so Eckert, „und um den Forschergedanken.“ Sind die Werke fertig, werden sie gegenseitig vorgestellt. Damit endet die Reise durch den Wald. (eda)

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