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Als Kunden unterschätzt

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An 10.000 Fahrradlenkern sollen die Umfragekärtchen hängen.
An 10.000 Fahrradlenkern sollen die Umfragekärtchen hängen. © Roman Grösser

Demnächst hängen an 10.000 Fahrradlenkern in Darmstadt Pappstreifen. Mit den Lob- und Kritikkarten sollen Einzelhändler für ihre Radkunden sensibilisiert werden sollen.

Demnächst hängen an 10.000 Fahrradlenkern in Darmstadt Pappstreifen, wie man sie von Hotelzimmertüren kennt. Allerdings wird der Radbesitzer nicht aufgefordert, nicht zu stören. Im Gegenteil. Er wird eingeladen, sich für seine Belange einzusetzen. Denn jeder dieser Pappanhänger hat zwei Fähnchen zum Abreißen: Lob- und Kritikkarten, mit denen Einzelhändler für ihre Radkunden sensibilisiert werden sollen. "Sehr geehrte Geschäftsleitung", ist darauf zu lesen, "als radfahrender Kunde möchte ich Ihnen umseitig Lob und Verbesserungswünsche mitteilen".

Die Kampagne Ich kaufe per Rad beginnt am Samstag, 12. Juni, mit einem Fahrradaktionstag auf dem Friedensplatz und endet mit der Umweltinformationsbörse am 21. August. An diesem Tag soll der fahrradfreundlichste Einzelhändler der Stadt prämiert werden - Ergebnis der Lob- und Kritikkärtchenwertung.

Kaufkraft höher als gedacht

"Ziel ist, Radfahrer in den Geschäften präsenter zu machen", sagte Felix Weidner (Grüne) gestern bei der Vorstellung des Projekts. Sie seien für den Einzelhandel wichtige Kunden, das habe auch die jüngste Bürgerumfrage gezeigt. Demnach würden 20 Prozent der täglichen Einkaufswege oder Fahrten in die Innenstadt mit dem Rad zurückgelegt. Mit dem Auto sind es knapp fünf Prozent mehr. Und pro Einkauf ließen Autofahrer zwar mehr Geld in den Geschäften liegen, allerdings würden aufs ganze Jahr gerechnet Fußgänger und Radfahrer durchschnittlich mehr ausgeben, sagte Stefan Opitz vom IVDA - nämlich 4895 Euro (Fußgänger und Radler) zu 1984 Euro (Autofahrer).

Felix Weidner hielt noch ein weiteres Argument parat: Je leichter man es Kunden mache, desto mehr nutzten sie das jeweilige Angebot. Wenn sie Autoparkplätze vorfänden, kämen 80 Prozent mit dem Auto an ihren Zielort, wenn sie keine vorfänden, versuchten es nur 40 Prozent mit diesem Verkehrsmittel, hatten Untersuchungen ergeben. "Das zeigt, wie groß die Auswirkung aufs Mobilitätsverhalten ist."

Ein Faltblatt nennt Zahlen zum Thema Radfahrer und Konsum und plädiert für die Aufstellung von Fahrradständern und einen Gepäckaufbewahrungs- und Lieferservice. Dieses Geld wandere nicht auf die Grüne Wiese, heißt es darin. "Fahrradfahrer als Kunden - und die Kaufkraft bleibt im Ort." Am Ende soll ein Stadtplan mit den fahrradfreundlichsten Läden entstehen.

So sehr die Verbände es begrüßen, dass sich das Citymarketing an der Aktion beteiligt, so groß ist die Kritik über die IHK, die sich schlicht geweigert habe, die Aktion zu unterstützen. Als "unverändert sehr enttäuschend", bezeichnete dies Felix Weidner. (rwb)

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