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Kulturelle Vielfalt leben

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Regelmäßig treffen sich die Frauen des Projekts „Gemeinsam lernen“ um Deutsch zu sprechen.
Regelmäßig treffen sich die Frauen des Projekts „Gemeinsam lernen“ um Deutsch zu sprechen. © Alexander Heimann

Der Frauentreff der Diakonie setzt sich für einen respektvollen Umgang ein. Die Frauen, die zur Gruppe gehören, freuen sich am Ende des Tages schon auf den nächsten Treff.

Respektvolle Begegnung auf Augenhöhe, bei der sich Unterschiede der Kulturen zur Vielfalt ergänzen, ist die Basis eines wöchentlichen Angebots für Frauen beim Diakonischen Werk Groß-Gerau/Rüsselsheim. „Wir sehen jeden einzelnen Menschen in seiner besonderen Geschichte und mit der prägenden Erfahrung, die er im Gepäck hat,“ sagt Sozialpädagogin Angeliki Liakidis.

Bei der Diakonie ist sie im Kreis für jene Erwachsene aller Herkunftsländer da, die sich darauf einstellen, in Deutschland zu bleiben. MBE – Migrationsberatung für Zuwanderer mit Aufenthaltstitel – ist seit acht Jahren Arbeitsschwerpunkt der gebürtigen Griechin, die als Kind nach Deutschland kam, das Fremdsein in Sprache und Kultur selbst erfahren hat.

So paart Liakidis in ihrem Beruf Professionalität und persönliches Erleben, weiß, wovon sie spricht, wenn sie sagt: „Beim Beratungsgespräch gibt’s viele Informationen zu Bildungs-, Kontakt- und Freizeitangeboten sowie dem erhofften Einstieg in den Beruf. Aber Menschen brauchen mehr Unterstützung, um gesellschaftliche Teilhabe auch leben zu können.“ Daher habe sie auch das Projekt „GeLe“ – „Gemeinsam lernen“ – als Forum für Frauen initiiert. „Nun feiern wir, eine Gruppe von zehn Frauen, unser erstes, kleines Jubiläum“, sagt sie.

„GeLe“ ist zum wichtigen Baustein im Kreisnetzwerk der Integration geworden. Petra Lassrich, seit vier Jahren inhaltliche Leiterin des Treffs, arbeitet mit Liakidis Hand in Hand. „Wir bieten parallel zum Donnerstagstreff auch Kinderbetreuung an, führen Gespräche in absolut vertraulichem Rahmen“, erklärt Liakidis. „Es braucht Kompetenz, um im festgesetzten Zeitfenster zu erkennen: Was ist der Bedarf, wo können wir Türöffner sein, wo können wir Mobilität fördern oder zur Anerkennung der Ausbildung sowie zu Fortbildungen beitragen.“

Vorfreude auf nächsten Treff

Wann immer möglich, werde Deutsch gesprochen, führen Liakidis und Lassrich aus. „Wenn zwei Frauen aus dem selben Land kommen, übersetzt häufig eine für die andere, die vielleicht noch keinen Deutschkurs absolviert hat“, ergänzt Lassrich.

Deutschkurse wie sie die Kreisvolkshochschule anbietet, seien prima, so Liakidis. „Die Crux ist, dass Frauen einen Alltag bräuchten, in dem sie das Gelernte anwenden, statt in der Isolation zu verschwinden“, betont sie. Männer, die arbeiten, und Kinder, die Kindergärten und Schulen besuchen, wüchsen schneller in die Gesellschaft hinein. „Das liegt auf der Hand“, so Lassrich.

Die Frauen, die zur Gruppe gehören, freuen sich am Ende des Tages schon auf den nächsten Treff.

Judith aus Eritrea ist seit fast acht Jahren in Deutschland. Sie hat zwei Kinder – die Tochter sei auf einem Gymnasium, sagt Judith stolz – und einen Ehemann, der sehr krank ist. „Es ist nicht einfach. Aber die GeLe-Gruppe tut mir sehr gut“, sagt sie.

Pakistanerin Hina gehört zur Ahmadiyya-Gemeinde, was ihr viele Kontakte eröffnet. „Langsam wird mein Deutsch besser“, sagt sie scheu lächelnd. Auch an einem Fahrradkurs, den die Diakonie vermittelte, hat sie teilgenommen.

Wie Judith kommt auch Ethiopia aus Eritrea, hat dort schlimme Erfahrungen machen müssen. Sie ist eigentlich Frisörin, schenkt ihren Freundinnen mit hübschen Frisuren oft ein kleines Glück. Gern ginge sie richtig arbeiten. „Mein Deutsch ist noch zu schlecht. Daher ist GeLe für mich wichtig“, sagt sie.

Mehr Informationen gibt es unter 06152/939480/81 oder www.diakonie-kreisgg.de. (lot)

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