+
Der Bunker kann derzeit besichtigt werden.

Darmstadt

Kultur im Bunker

Verein „Das Blumen“ hat vorübergehend eine Atomschutzanlage bezogen. Die Bunkeranlage zwischen Landesmuseum und Staatsarchiv wurde 1968 in Betrieb genommen.

Darmstadt in den 60ern. Der Weltkrieg ist zwar mehr als ein Jahrzehnt vorüber, dennoch existiert nach wie vor die Angst vor Atombomben. In dieser Zeit entstehen in der Stadt mehrere Bunkeranlagen, die zumindest einem Teil der Bevölkerung bei einem nuklearen Angriff Schutz bieten sollen. So auch unter dem Karolinenplatz.

Die Bunkeranlage zwischen Landesmuseum und Staatsarchiv wurde 1968 in Betrieb genommen. Bei einem Katastrophenalarm hätten dort 2000 Menschen Platz gefunden. Zwei unscheinbare Treppen führen ein Stockwerk tiefer zu schweren Stahltüren.

Mittlerweile sind die Schutzräume in Besitz der Heag, die einen Teil als Parkhaus betreibt. Der unveränderte Teil lässt aber ahnen, in welcher Angst die Menschen noch vor nicht allzu langer Zeit gelebt haben.

„Dieses Projekt ist besonders beeindruckend, aber auch beklemmend“, sagt Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne). Er ist gekommen, um den „Ernstfall Kultur“ zu eröffnen. Eine Woche lang wird es rund um den Bunker eine Reihe von kulturellen Veranstaltungen geben. Organisiert hat das Projekt der Darmstädter Verein „Das Blumen“.

Kaum einer kennt die Anlage

Viele kennen „Das Blumen“ aus seiner Zeit in der Nieder-Ramstädter Straße. Dort hatte der gleichnamige Verein einen ehemaligen Blumenladen bezogen und diesen in ein kleines Kulturzentrum verwandelt. Kunst- und kulturinteressierte Studenten hatten es sich in dieser Location gemütlich gemacht und regelmäßig zu Veranstaltungen eingeladen.

Doch „Das Blumen“ von damals ist Geschichte. Nachdem das Grundstück verkauft wurde, musste der Verein Anfang des Jahres raus aus dem Glaskasten. Statt Kultur wird es in der Nieder-Ramstädter Straße 75 und 77 künftig ein paar Mehrfamilienhäuser geben. Der Wohnraum in Darmstadt ist knapp.

Da eine neue Location noch nicht in Sicht war, entschieden sich die Vereinsmitglieder zu einer kreativen Pause.

Nach einem Zeitungsbericht über die Situation des Vereins und der fehlenden Unterkunft meldete sich schließlich die Heag und bot an, die Bunkeranlage unter dem Karolinenplatz zur Verfügung zu stellen.

„Viele Darmstädter wissen gar nicht, was unter ihnen ist“, erklärt Florian Huber den Ausgangspunkt für den „Ernstfall Kultur“. Der 29 Jahre alte Künstler ist Vorsitzender des Vereins „Das Blumen“. Gemeinsam mit den übrigen elf Mitgliedern machte er sich nach dem Heag-Angebot Gedanken, wie man die Bunkeranlage sinnvoll nutzen könnte.

Bis zum Sonntag geöffnet

Schließlich entstand das Konzept, im Rahmen des Architektursommers Rhein-Main eine kulturelle Veranstaltung zu erschaffen. „Wir haben beispielsweise die Liegen aus dem Bunker hochgetragen, um sichtbar zu machen, was sich in dort befindet“, sagt der studierte Sozialarbeiter, der für seinen Verein nach wie vor eine neue Bleibe sucht.

Noch bis Sonntag, 10. Juli, können sich Interessenten die Bunkeranlage unter dem Karolinenplatz anschauen. Neben einem Café wird es unter anderem Vorträge und Lesungen geben.

Außerdem bleiben bis zum Veranstaltungsende die Liegen aus dem Bunker auf dem Karolinenplatz stehen. Die Nutzung stehe von Vereinsseite aus jedermann frei.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare