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Künstliche Bewässerung: Pfungstädter Moor wird gerettet

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Von: Claudia Kabel

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Blick ins Pfungstädter Moor.
Blick ins Pfungstädter Moor. © Monika Müller

Das RP Darmstadt und der Wasserverband Hessisches Ried haben einen Vertrag über die Zuwässerung des Naturschutzgebiets Pfungstädter Moor unterzeichnet.

Jetzt ist es amtlich: Das seit mehreren Tausend Jahren bestehende Pfungstädter Moor soll gerettet werden. Um die Wiederaufnahme seiner Zuwässerung zu regeln, haben das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt und der Wasserverband Hessisches Ried (WHR) einen öffentlich-rechtlichen Vertrag geschlossen. Wie das RP mitteilte, müssen dem Moor laut einem Gutachten jährlich von März bis Oktober 300 000 Kubikmeter Wasser zugeführt werden, um den Grundwasserstand im Kernbereich um etwa 25 bis 50 Zentimeter anzuheben.

Der BUND hatte diesen Schritt seit Jahren gefordert. Eine tragende Rolle dafür, dass das Projekt nun angegangen werden könne, habe der von der Landesregierung 2015 einberufene runde Tisch „Verbesserung der Grundwassersituation im Hessischen Ried“ gespielt. Dessen Teilnehmer:innen hatten mehrere Empfehlungen erarbeitet.

Das Land unterstützt das Vorhaben mit zunächst 225 000 Euro für den Bau der Anlage. Ebenso übernimmt es die zukünftigen Kosten der Wasserbereitstellung durch den WHR in Höhe von jährlich rund 200 000 Euro.

RP-Präsidentin Brigitte Lindscheid (Grüne) bezeichnete das Vorhaben als „wirklich wichtige Maßnahme“ für den Klimaschutz. Moore gelten als wichtiger CO2-Speicher. Außerdem bieten sie Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten und fangen Wasser bei Starkregenereignissen auf. Das Pfungstädter Moor ist seit 1995 als Naturschutzgebiet ausgewiesen und umfasst eine Größe von insgesamt 97 Hektar. Es ist ein wichtiger Bestandteil des EU-Vogelschutzgebietes hessische Altneckarschlingen. Bereits zwischen 1999 und 2008 wurde im Kerngebiet des Moors eine Zuwässerung mit aufbereitetem Rheinwasser vorgenommen, die zu positiven Ergebnissen führte.

Bewässerung über Rinne

Die jetzt geplante Zuwässerung soll mittels eines optimierten Leitungs- und Steuerungssystems erfolgen. Vorgesehen ist laut RP eine Kombination aus oberirdischer Zuwässerung und Direkteinleitung in eine offene Wasserrinne des Moors. Dadurch soll nicht nur für die Durchfeuchtung der Mooroberfläche gesorgt werden, sondern es sollen offene Wasserflächen auch bei tiefen Grundwasserständen erhalten werden können.

Seit Jahren wird das Gelände vom Landschaftspfleger Reiner Stürz mit Schafen und Eseln beweidet. Dadurch sollen seltene Arten unterstützt werden. Denn nach dem Austrocknen des Torfbodens breiten sich Brennnessel, Brombeeren und Gehölze aus, die alles andere verdrängen. Dennoch war das Verschwinden von Schwarzschopf-Segge, Sonnentau, Brachvogel und Sumpfohreule zu beobachten.

Stürz und der BUND wiesen bereits vor Jahren darauf hin, dass nur eine Bewässerung das Feuchtgebiet retten könne. Ursache des Austrocknens sei die Grundwasserentnahme im Ried für das Trinkwasser im Rhein-Main-Gebiet.

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