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Künstlertreff und Ideenschmiede

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Henning Wittmann macht sein Firmengelände zum Künstlertreff.
Henning Wittmann macht sein Firmengelände zum Künstlertreff. © andré hirtz

Steinbildhauer Henning Wittmann lädt zu Lesungen und Ausstellungen ein.

Wer das „atelier collective“ sucht, entdeckt einen Hof voller Rohblöcke und bearbeiteter Steine, den Charakterkopf von „Kinski“ und, wenn er Glück hat, auch Firmenchef Henning Wittmann in voller Aktion. Aber meistens ist der Steinbildhauermeister und Restaurator auf einer Baustelle irgendwo in Darmstadt oder der Region im Einsatz.

Wittmann hat sich vorgenommen, sein Firmengelände zu einem Künstlertreff zu machen. Hinter- und Vorderhaus seiner Firma Am Sandacker 16 bieten Platz für zehn Ateliers, von denen sechs bereits vergeben sind. Erst vor Kurzem ist der Maler und Glasgestalter Cornelius Staudt in einen Raum neben der Steinmetzwerkstatt eingezogen.

Jeder, der in Darmstadt und im Umkreis bildhauerisch tätig ist, kennt den schlanken, sportlichen Firmenchef des Familientraditionsunternehmens Naturstein Wittmann: Er beschafft Marmor, Sandstein, Granit, er transportiert die schweren Steine – und er ist selbst Künstler und Mitglied des Berufsverbandes Bildender Künstler (BBK). In Darmstadt hat er unter anderem das Nordtor der Orangerie restauriert und die Skulptur „Goethes Reise“ (am Eingang zum großen Gewächshaus) geschaffen.

Ohne es an die große Glocke zu hängen, hat Wittmann nun auf seinem Firmengelände, dem 1700 Quadratmeter großen Werkhof am Sandacker, das „atelier collective“ gegründet. Er will „freie dynamische Künstler unterschiedlicher Genres“ zu einem „belebenden Austausch“ anregen. Frei nach dem Motto: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Im Oktober stellte sich das Atelier mit der Freiluft-Ausstellung „shared space“ vor, bei der außer Wittmann Traudi Schulte, Max Udo Bauer und Roland Zehetmeier ihre Werke zeigten.

Das aber ist erst der Anfang. Der Werkhof soll sich zu einer Ideenschmiede für gemeinsame Projekte entwickeln, wünscht sich Wittmann. Es ist genügend Fläche für Ausstellungen, kleine Feste mit Musik und Lesungen vorhanden.

Cornelius Staudt geht am Samstag und Sonntag, 13. und 14. Dezember, mit gutem Beispiel voran. Er lädt in sein „Offenes Atelier“ ein und zeigt neue Arbeiten auf Holz, „eine Symbiose aus abstrakten und landschaftlichen Motiven“. Der Erlös der verkauften Werke ist für sein „Arbeitsprojekt Spanien“ im Februar und März 2015 bestimmt.

Am Mittwoch, 17. Dezember, kommt der Journalist, Schriftsteller und ehemalige Hochzeitsturmschreiber Paul-Hermann Gruner zu einer Lesung ins Atelier. Er präsentiert sein jüngstes Werk „La Tour du Mariage“ und wird von Cornelius Staudt auf der Gitarre begleitet. Gruner wird auch von seinem nächsten Buchprojekt erzählen, das von „Sa-Tieren“ handelt.

Konzept für Stadtgärtnerei

Henning Wittmann ist ganz in der Nähe der Orangerie aufgewachsen, die er als seinen Spielplatz bezeichnet. Im Namen von „atelier collective“ hat er zusammen mit Adrienne Finzsch ein Konzept für die Nutzung der Stadtgärtnerei in der Orangerie entwickelt mit dem Schwerpunkt „Wissenschaft und Kunst vereint und bürgernah“.

Vorgeschlagen wird eine Kooperation der Stadt mit einem Investor und Pächter aus der Bio-Lebensmittelbranche. Es soll eine große Marktfläche für wechselnde Aussteller des Wochenmarktes geben, dazu Mehrzweckflächen, auf denen Bürger Eigenerzeugnisse verkaufen können, eine Veranstaltungsfläche für Konzerte, Boulespiel, Lesungen, Workshops, Ausstellungsflächen für Künstler aus der Region und für Darmstadts barocke Baugeschichte sowie einen großen Saal für Vorträge (auch von der Technischen Universität).

Die Darmstädter Stadtverwaltung ist dabei, alle aus der Bürgerschaft eingegangenen Vorschläge zur künftigen Nutzung der Stadtgärtnerei zu prüfen – auch diesen. (pyp)

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