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Kühe in der Schule

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Kinder aus zwei verschiedenen Welten: Lydia Heidemann und Patenkind Yankee.
Kinder aus zwei verschiedenen Welten: Lydia Heidemann und Patenkind Yankee. © Roman Grösser

Die Darmstädterin Sabine Heidemann besuchte mit Tochter Lydia ihre zwei Patenkinder in Indien.

Auf ihre allererste Indien-Reise hatten sich Lydia und ihre Mutter Sabine Heidemann schon Monate vorher vorbereitet. Besonders neugierig war die Elfjährige auf zwei Patenkinder ihrer Mutter, die sie nun persönlich kennenlernen sollte: die achtjährige Yankee und den 17-jährigen Viriya Bodh. Diese beiden, weit voneinander entfernt wohnenden jungen Inder kannte sie nur von Fotos.

Ende Dezember startete Heidemann, die Buddhistin und Mitglied des Vereins Deutsch-Buddhistische Humanitäre Vereinigung mit Sitz in Darmstadt ist, mit ihrer Tochter von Frankfurt nach Delhi und flog von dort aus nach Diyun im Bundesstaat Arunaschal Pradesh an der Grenze von China und Myanmar - 14,5 Flugstunden von Darmstadt entfernt. Sie wollte sich davon überzeugen, dass ihre monatlich gespendeten 30 Euro pro Patenkind gut angelegt sind.

Mit Indien verbindet Sabine Heidemann Buntheit und Gewimmel. Seit ihrer dreieinhalbwöchigen Reise weiß sie, dass Vater, Mutter, Kind und ein ausgewachsenes Schwein auf ein Motorrad passen. Oder dass ein Friseur sein Metier auf einer Verkehrsinsel ausüben kann, die kaum größer als ein Tisch ist.

Sabine Heidemann ging es vor allem um die Schulprojekte in Diyun im Nordosten Indiens und in Mysore, das 140 Kilometer von Bangalore entfernt ist. Das achtjährige Waisenkind Yankee lernt in einer von der buddhistischen Mahabodhi Maltri Mandala Stiftung finanzierten Schule Englisch und Hindi. Sie gehört zu einem von vielen kleinen Stämmen des unterentwickelten Gebiets, die nur ihren eigenen Dialekt kennen. Dort sind 50 Prozent der Einheimischen Analphabeten. Zwar gibt es auch staatliche Schulen, aber Heidemann kräuselt die Stirn, wenn sie nur daran denkt. 80 bis 100 Kinder in einer Klasse und kein Unterrichtsmaterial - viel könne dabei nicht herauskommen.

Guter Eindruck von Projekten

Da hat es Patentochter Yankee in ihrer Mädchenschule sehr viel besser. Kurios: Auf dem Schulgelände werden Kühe gehalten, damit die Kinder immer mit frischer Milch versorgt werden können. Patensohn Viriya Bodh besucht zwar noch eine Internats-Schule, lebt aber in einer selbst organisierten Wohngemeinschaft. Der 17-Jährige will Betriebswirtschaft studieren und sein Geld später mit der Vermarktung lokaler Produkte verdienen.

Sabine Heidemann kehrte mit dem Eindruck zurück, dass beide Bildungsprojekte gut organisiert sind. Da in jedem Jahr wechselnde Paten die Einrichtungen in Augenschein nehmen, gibt es stets eine indirekte Kontrolle. Was aber hat ein Patenkinderprojekt mit Buddhismus zu tun? Sabine Heidemann erklärt es mit den Worten: "Wenn man großzügig ist, reift die Persönlichkeit". (pyp)Gustav Büttner informiert über die Deutsch-Buddhistische Humanitäre Vereinigung, Telefon 06151/317568. Internet: www.dbhv.de. Über Patenkinder in Indien weiß Elke Hesse Bescheid, Telefon 06151/1590256.

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