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Kritik an der Rolle der Kirche

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EKHN-Präsident Volker Jung nimmt an Dekanatssynoden teil.

Bei der Tagung der Dekanatssynoden in Groß-Gerau sind religiöse Praxis, Erwartung und Haltung zur Kirche kontrovers diskutiert worden. Viele Türen offen zu halten sei unabdingbar, um möglichst viele Mitglieder zu erreichen, sagte Volker Jung, Präsident der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau (EKHN).

Das Eingangsreferat von Jung brachte neue Erkenntnisse hinsichtlich Erwartung und Einstellung zur Kirche auf den Punkt. „Viele Türen offenzuhalten, um möglichst viele Mitglieder zu erreichen, ist heute unabdingbar“, bilanzierte er gemäß einer aktuellen Kirchenmitgliedschafts-Untersuchung. Neben den Dekanen Birgit Schlegel (Groß-Gerau) und Kurt Hohmann (Rüsselsheim) sowie den Synodalvorständen Holger Tampe und Arndt Schlüter waren Pfarrer der 31 Kirchengemeinden (14 im Dekanat Groß-Gerau, 17 im Dekanat Rüsselsheim) sowie Kirchenvorstände, Dekanatsvertreter und Ehrenamtliche versammelt.

„Zwischen Luther, Jesus, Käßmann und Gauck“ verortete er gemäß der Studie das „Promi-Ranking“ der häufig mit evangelischer Kirche in Verbindung gebrachten Personen. Darin bildete sich die Bandbreite zwischen Tradition und Moderne ab, die alle Diskussionen des Tags prägte.

„20 Prozent nennen auch namentlich einen Pfarrer ihrer Nähe“, setzte Volker Jung hinzu und folgerte: „Persönliche Kontakte sind der Schlüssel für Verbundenheit.“ Andererseits: „Indifferenz, Schwanken zwischen Gleichgültigkeit und Unentschlossenheit, haben zugenommen. Nur zehn von 23,6 Millionen Mitgliedern der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) fühlen sich ihr sehr verbunden.“ Es seien primär junge Leute (14 bis 21 Jahre), die kaum mehr ein Motiv für Mitgliedschaft sehen.

Empfehlung für Vielfalt

Im Plenum gab es Anmerkungen, die auf eine „grundlegende Reform von Kirche, die nicht mehr zeitgemäß, sondern dogmatisch erstarrt ist“, abzielten sowie auch die Empfehlung „für eine bunte Vielfalt Kirche, die nicht auf eine Linie gebracht werden sollte“.

Randbemerkungen zu Jungs Referat verhehlten nicht, dass die gesellschaftliche Aufgabe von Kirche manchem zu kurz kam: „In der aktuellen Thematik des Streiks kommunaler Kindertagesstätten haben wir es versäumt, uns zu positionieren“, hieß es aus dem Plenum. Ein Pfarrer gab folgenden Anstoß: „Evangelische Kindergärten müssten signalisieren: Wir sind solidarisch mit den Erzieherinnen und bieten als Christen familienunterstützende Notbetreuung an.“

Angesichts der Dekanatsfusion zum 1. Januar 2016 hieß es, dass die neue Einheit unter Doppelnamen zunächst mit zwei Standorten starte. Ob sich ein gemeinsames Gebäude rechne, prüfe eine Projektgruppe. (lot)

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