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Kritik an hohen Fahrpreisen

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Sammelkarten gibt der Darmstädter Automat nicht her.
Sammelkarten gibt der Darmstädter Automat nicht her. © Guido Schiek

In Mainz und Frankfurt gibt es Sammel- und Kurzstreckentickets – für Darmstadt laut RMV keine Option.

Gerhard Schuster ist mit den Preisen für den Darmstädter Nahverkehr nicht einverstanden. Warum, so fragt er, gibt es eigentlich keine vergünstigten Sammelfahrkarten wie in umliegenden Städten? „Die Preise sind viel zu teuer“, kritisiert der 66 Jahre alte Senior aus der Waldkolonie die auch in Darmstadt geltenden Tarife des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV).

Für vier Stationen mit dem F-Bus in die Stadt zahle er 2,10 Euro. Nehme er ein Tagesticket, komme er für Hin- und Rückfahrt auf 4,10 Euro. Das ist ihm zu viel. „Ich laufe immer in die Stadt.“ Und wenn es wärmer sei, nehme er das Rad. „Aber es gibt Tage, wo es regnet“, stellt er fest. „Und ich weiß ja nicht, wie lange ich noch so fit bin.“

Für Schuster stimmt da etwas nicht in der Verkehrspolitik. „Die sagen immer, man soll auf den ÖPNV umsteigen, aber das wird immer teurer.“ Seiner Meinung nach müssten mehr vergünstigte Angebote gemacht werden, um das Umsteigen attraktiver zu machen. Er verweist auf Kassel, wo es ein „5er-Ticket“ gibt: Man kauft fünf Einzelfahrscheine in einem Block und zahlt dann pro Ticket zehn Cent weniger als die üblichen 2,80 Euro.

Mehr Zuschüsse bei sinkenden Fahrpreisen

So weit muss man gar nicht gehen, um Beispiele zu finden: In Mainz und Wiesbaden, wo ebenfalls die RMV-Tarife gelten, gibt es auch eine solche 5er-Sammelkarte. Außerdem bieten beide örtlichen Nahverkehrsbetreiber ein Kurzstreckenticket für Fahrten bis zu drei Haltestellen an. Solche Tickets gibt es nach Angaben des RMV auch in Offenbach oder Frankfurt. Nur in Darmstadt gibt es das alles nicht.

„Wenn der Stadt etwas daran liegen würde, dass die Autos aus der Stadt rauskommen, müsste sie mehr machen“, moniert Gerhard Schuster. Und er kommt auf einen weiteren Aspekt zu sprechen: „Mich stören die vielen Autos in der Fußgängerzone.“ Es sei klar, dass Geschäfte beliefert werden müssten. Aber er sehe dort auch oft Privatautos herumfahren. „Denen sollten die mal eine Strafe aufbrummen“, fordert er. „Aber ich hab’ noch nie einen gesehen, der das kontrolliert.“

Wie Sigrid Dreiseitel von der Pressestelle der Stadt hierzu mitteilt, darf Anlieferverkehr seit Oktober 2015 nur noch werktags von 6 bis 12 Uhr in die Fußgängerzone fahren. Die zuvor möglichen Mittagsanlieferzeiten seien weggefallen, um den Verkehr zu reduzieren.

Allerdings gebe es Ausnahmegenehmigungen für Autofahrer, die in der Fußgängerzone wohnen oder dort einen Garagenplatz haben. „Und das sind relativ viele“, sagt Dreiseitel. Verstöße kontrolliere das Bürger- und Ordnungsamt im Rahmen der täglichen Präsenz, aber Zahlen lägen keine vor. Zum Wunsch nach günstigeren Angeboten für Nahverkehrskunden heißt es aus dem Verkehrsdezernat: Bei sinkenden Fahrgeldeinnahmen müsse die Stadt mehr Zuschüsse aufwenden oder die Kosten durch eine Reduzierung des Angebots senken.

In Darmstadt gebe es bereits viele günstige Tarifangebote wie das Mobitick oder das Semesterticket, wodurch die Fahrzeuge ausgelastet, aber die Einnahmen pro Fahrgast nicht sehr hoch seien. „Deshalb kann eine weitere Preisabsenkung nicht empfohlen werden.“ RMV-Sprecher Sven Hirschler teilt hierzu mit: „Wenn es vor Ort den Wunsch gibt, lokale tarifliche Sonderregelungen einzuführen, sind wir jederzeit zu Gesprächen bereit.“

Dem Wunsch nach einer Einführung von Sammelkarten erteilt Hirschler allerdings eine klare Absage: Hierzu müsste ein Entwertersystem aufgebaut werden, das Millionen kosten und sich wiederum massiv auf den Tarif auswirken würde. (aw)

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