Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Darmstadt-Dieburg

Kritik an Forstarbeiten

Die Initiative "Pro Wald" beklagt die starke Ausdünnung des Waldes bei Mühltal. Zudem verstoße Hessen-Forst gegen viele gesetziche Vorgaben.

Karin Mühlenbock deutet auf eine Bank am Kirchbergteich im Wald bei Mühltal im Kreis Darmstadt-Dieburg: „Das war im Sommer immer mein Lieblingsplatz“, erzählt sie. Vor allem an heißen Sommertagen habe es hier viel Schatten gegeben . Doch seit einigen Jahren sei es damit vorbei. Hessen-Forst habe den Wald derart ausgedünnt, dass Schatten kaum noch vorhanden sei. Und es wird noch schlimmer kommen. Wer in den Forst rund um den kleinen Teich schaut, sieht zahlreiche zum Fällen markierte Bäume. „Heute steht da nur noch dünnes Geäst.“

Der Kirchbergteich ist nur ein kleines Waldgebiet zwischen Mühltal und Darmstadt, das die Mitglieder der Bürgerinitiative „Pro Wald“ erbost. Bei einem Spaziergang durch den Wald bei Mühltal und einen Teil des Darmstädter Stadtwalds entlang der Lochschneise zeigen sie viele Stellen, an denen früher die Bäume dicht an dicht gestanden hätten, heute aber große Lücken klafften.

Hessen-Forst verstoße zudem gegen viele gesetzliche Vorgaben. Die Rückegassen, durch die große Maschinen fahren, um Bäume zu fällen und sie dann aus dem Wald zu ziehen, lägen viel zu eng beisammen. Mit schweren Harvestern (Vollerntern) werde der Boden derart verdichtet, dass dort „jahrzehntelang nichts mehr wächst“. Bis zu 40 Prozent der Waldfläche seien davon betroffen. 16 Prozent sind es laut Hessen-Forst.

Die Bürgerinitiative befindet sich im Dauerstreit mit Hessen-Forst und sammelt permanent Belege, um den Förstern Gesetzesverstöße nachzuweisen. So werde die Setz- und Brutzeit nicht eingehalten, es werde mehr Holz aus dem Wald entnommen, als in Waldwirtschaftsplänen ausgewiesen. In Mühltal zum Beispiel seien es knapp 30 Prozent zu viel. Ohne Rücksicht würden Bäume abgeholzt. Die Holzwirtschaft diktiere, was geliefert werden müsse.

Kein Trost

Zudem sei der Druck auf den Forst groß, all jene Leute zu bedienen, die zu Hause mit Kaminen oder Pelletöfen heizten. An den Wochenenden werde der Wald von privaten Holzsammlern regelrecht heimgesucht. Die Schranken an den Waldwegen seien immer offen, jeder könne deshalb mit seinem Fahrzeug in den Wald hinein fahren.

Dass als Ersatz für die Fällungen auch aufgeforstet wird, ist für die Mitglieder der BI kein Trost. „Was da nachwächst, werden wir nicht mehr erleben“, sagen sie.

„Das ist Plantagenholz und kein Mischwald mehr“, kritisiert auch Karl-Heinz Waffenschmidt vom Bund für Umwelt und Naturschutz Mühltal. Die Bürgerinitiative fordert eine zurückhaltende Waldbewirtschaftung, damit der Wald wieder ein Wald werde, wie er früher war.

Hartmut Müller, Leiter des Forstamtes Darmstadt, weist die Vorwürfe der Bürgerinitiative zurück. Feste Regeln für die Breite der Rückegassen gebe es bisher nicht, Hessen-Forst müsse sich zudem, im Gegensatz zu privaten Gartenbesitzern, nicht an die Brut- und Setzzeit halten, tue dies aber weitgehend. Von den rund 60 000 Kubikmeter Holz, die aus dem Wald geholt würden, würden deutlich weniger als 10 000 Kubikmeter in der Brutzeit gefällt.

Auch die Behauptung, dass immer mehr Brennholz verkauft werde, weist Müller zurück. Wegen der wärmeren Wintermonate und des drastisch gefallenen Heizölpreises gehe die Nachfrage nach Brennholz derzeit sogar zurück. Es werde im Wald vor allem wertvolles Holz für die Möbelindustrie gewonnen. Schließlich verbrauche jeder Deutsche im Schnitt 1,5 Kubikmeter Holz pro Jahr, sei es für Möbel, zum Heizen oder für andere Zwecke. Hessen-Forst sei an einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung gelegen.

Grundsätzlich werde im Wald nur umgesetzt, was das hessische Umweltministerium vorgebe. Die Hauungspläne seien auf zehn Jahre angelegt. Da könne es durchaus passieren, dass in einem Jahr mal mehr, dafür aber im anderen Jahr weniger Holz geerntet werde, so Müller.

Doch bei Hessen-Forst läuft offenbar nicht alles nach Plan. Im Kreis Groß-Gerau haben mehrere Kommunen Hessen-Forst den Auftrag für die Waldbewirtschaftung entzogen, weil jahrelang zu viel Holz aus den Wäldern geholt wurde. (hde)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare