Darmstadt-Dieburg

Kreis übernimmt Klinikschulden

Die Krankenhäuser werden bilanziell entlastet, um Investitionen abzusichern. Die Kliniken übertragen Altdarlehen von 30 Millionen Euro an den Landkreis.

Es ist die mit Abstand größte geplante Einzelinvestition des Landkreises: Für mittlerweile 110 Millionen Euro soll in Groß-Umstadt in vier Etappen bis zum Jahr 2021 eine komplett neue Kreisklinik auf dem alten Gelände entstehen. Nun wird eine Umverteilung von Altschulden vorbereitet, um bilanziell den Weg freizumachen.

Die stationäre Gesundheitsversorgung in eigener Hand ist für SPD-Landrat Klaus Peter Schellhaas ein zentraler Baustein sozialdemokratischer Politik im Kreis. Hierfür stehen die – seit vielen Jahren defizitären – Kreiskliniken mit dem Hauptsitz in Groß-Umstadt und der Fachdependance in Jugenheim. Die Gebäude auf dem Umstädter Krankenhaushügel ließen einen modernen, effizienten Betrieb nicht zu; angefangen von zu kleinen Stationen bis hin zum zehnstöckigen Bettenhochhaus aus dem Jahr 1968.

Deshalb der große Wurf: nach und nach alles abreißen und neu bauen. Insgesamt wird dies nach jetzigen Schätzungen 110 Millionen Euro kosten. Die beiden ersten absehbaren Bauetappen sehen Ausgaben von 73 Millionen Euro vor, von denen das Land Hessen 40 Millionen über zehn Jahre verteilt übernimmt. Bleiben 33 Millionen Euro, die über neue Kredite finanziert werden sollen.

110 Millionen in zehn Jahren

In ähnlicher Größenordnung soll nun eine Finanztransaktion das Krankenhaus bilanziell entlasten. Die Kliniken übertragen Altdarlehen von 30 Millionen Euro an den Landkreis. Die Übertragung wird zu 60 Prozent als Kapitalerhöhung und zu 40 Prozent als Darlehen erfolgen.

Hintergrund des Schuldentransfers ist nicht nur eine dadurch steigende Finanzierungssicherheit. Die Kreiskliniken haben nach wie vor eine mögliche Fusion mit dem Klinikum Darmstadt im Blick. Dafür müsste zuvor ein Wechsel vom jetzigen Eigenbetrieb in die Rechtsform einer GmbH erfolgen. Eine beiderseits weitgehende Entlastung von Altschulden würde eine Fusion erleichtern.

Gebaut werden soll in vier Abschnitten, um sich nicht finanziell zu überfordern. Zunächst sollen 33 Millionen Euro als Kredit neu aufgenommen werden. Als erster Abschnitt ist der Neubau eines Bettenhauses mit 9000 Quadratmeter Nutzfläche geplant. Hierzu muss das ehemalige Kreispflegeheim abgetragen werden. Auf dem Grundstück sollen das Bettenhaus, die Notaufnahme, Teile des Untersuchungs- und Behandlungsbereichs, eine Intensivstation, die Haustechnik sowie die Küche errichtet werden. Im zweiten Bauabschnitt wird die räumlich getrennte Radiologie zusammengefasst. Ebenso sollen die Kardiologie ausgebaut und der Kreissaal verlegt werden. (piz)

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