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Kreative Ideen aus Darmstadt für Krankenhaus und Pflege

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Von: Annette Schlegl

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Das System zur Liegendhaarwäsche könnte im Krankenhaus, aber auch in Pflegeeinrichtungen zum Einsatz kommen.
Das System zur Liegendhaarwäsche könnte im Krankenhaus, aber auch in Pflegeeinrichtungen zum Einsatz kommen. © privat

Die Erfindungen von zwei Studierenden der Hochschule Darmstadt könnten Pflegende im Gesundheitswesen entlasten.

Haarwäsche bei Bettlägerigen ist schwierig und zeitintensiv. Eine Absolventin der Hochschule Darmstadt will Abhilfe schaffen: Helena Kiefer hat ein System zur Liegendhaarwäsche entwickelt, das mit dem diesjährigen Mia-Seeger-Preis bedacht wurde, einer bundesweiten Auszeichnung für junge Designer:innen. Und auch Oliver Fleck, ein Student im berufsbegleitenden Fernstudium Elektrotechnik an der Hochschule Darmstadt, liefert mit seiner Abschlussarbeit neue Impulse für die Pflege.

Das System zur Liegendhaarwäsche ist die Diplomarbeit von Helena Kiefer, die sich in ihrem Industrie-Design-Studium in Darmstadt mit „Social Design“ beschäftigt hat. Es besteht aus einem Rollwagen mit integrierten Wassertanks sowie einem abnehmbaren Kunststoffbecken, das zur Haarwäsche unter dem Kopf des Bettlägrigen platziert wird. Das Besondere: Das Waschbecken hat auf einer Seite eine flexible Silikonlasche, die sich biegen lässt und für eine schmerzfreie Auflage des Kopfes sorgt. „Man muss den Kopf nur kurz heben, das Silikon passt sich dem Nacken perfekt an“, sagt sie.

Die Studentin kennt das Problem der Bettlägrigkeit, da sie mit 16 Jahren selbst lange Zeit immobil im Krankenhaus lag. „Da hatte ich das Glück, dass mir nach zwei Wochen endlich die Haare gewaschen wurden“, erinnert sie sich.

Für ihre Konzeption erhielt die Darmstädter Hochschulabsolventin Helena Kiefer den Mia-Seeger-Designpreis 2022.
Für ihre Konzeption erhielt die Darmstädter Hochschulabsolventin Helena Kiefer den Mia-Seeger-Designpreis 2022. © privat

Für die Recherche zu ihrer Diplomarbeit durfte die 26-Jährige im Herbst vorigen Jahres einen Tag lang im Klinikum Darmstadt auf einer Station Haare waschen. „Da habe ich gesehen, wie lange das dauert und dass das bei dem eng gesteckten Zeitrahmen in der Pflege kaum leistbar ist“, sagt sie. Es sei umständlich gewesen, die Bettlägrigen mit ihrer schlechten Nackenmuskulatur auf ein Waschbecken zu heben. Provisorische Hilfsmittel mussten herhalten: Der Abwasserschlauch sei in einen Putzeimer geführt worden, ein Messbecher aus der Teeküche habe für das Ausspülen des Shampoos herhalten müssen.

Kiefer hatte mehrere Vormodelle aus Holz gebaut, bis sie die optimale Größe der Wassertanks fand. Sie ließ Probanden immer wieder „probeliegen“, bis diese die Position der Silikonlasche im Waschbecken bequem fanden. Kiefers Lohn waren 2500 Euro aus dem Mia-Seeger-Preis. Aktuell sucht sie Investoren für ihre Erfindung.

Der Nachrüstsatz für „Wiegen im Liegen“ wird einfach an die Füße des Krankenbettes montiert.
Der Nachrüstsatz für „Wiegen im Liegen“ wird einfach an die Füße des Krankenbettes montiert. © privat

Das Thema Bettlägrigkeit hat auch Oliver Fleck, ebenfalls Student der Hochschule Darmstadt, beschäftigt. Er hat im Rahmen seiner Abschlussarbeit einen Nachrüstsatz für Krankenhausbetten entwickelt, mit dem Menschen im Liegen gewogen werden können. Standardbetten für eine Normalstation können mit dem kostengünstigen Wägesensor, der an den Rädern befestigt wird, nachgerüstet werden. Außerdem könnte so auch überwacht werden, ob ein Patient das Bett freiwillig oder unfreiwillig verlassen hat. Auch Fleck sucht Investoren.

Die Elektronik des Nachrüstsatzes für „Wiegen im Liegen“.
Die Elektronik des Nachrüstsatzes für „Wiegen im Liegen“. © privat

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