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So krank ist der Kreis

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Die Krankenkasse DAK legt Zahlen zu Fehlzeiten im Kreis Groß-Gerau vor. Psychische Erkrankungen nehmen im Kreisgebiet zu.

Die Krankenkasse DAK hat bereits im Frühjahr einen Gesundheitsreport für Bund und Land vorgelegt. Bei einem Pressegespräch in der Kreisklinik lieferte Harald Bollin, Leiter des Groß-Gerauer Servicezentrums der DAK, nun regionale Zahlen nach.

Demnach lag der durchschnittliche Krankenstand im Kreis 2012 bei 3,8 Prozent der Beschäftigten; im Jahr 2011 waren es noch 4,1 Prozent. Während der Kreis vor zwei Jahren über dem Bundes- und Landesdurchschnitt lag, stellte sich die Situation für 2012 im Vergleich zu Bund (3,8 Prozent) und Land (vier Prozent) entspannter dar.

Immer noch am häufigsten erkrankten die Menschen am Muskel-Skelett-System (22,9 Prozent). Zweithäufigste Ursache für Krankschreibungen waren mit 16 Prozent Diagnosen, die das Atmungssystem betreffen. Auf Platz drei folgen mit 13,3 Prozent die psychischen Erkrankungen.

Sehr differenziert ist dabei immer noch die Krankheitsdauer. So waren 3,5 Prozent der Erkrankungsfälle für 40,9 Prozent der Fehltage verantwortlich. Etwa zwei Drittel der Erkrankten kehrten binnen einer Woche an ihren Arbeitsplatz zurück, rund 6,5 Prozent waren mindestens einmal 30 Tage oder länger krankgeschrieben.

Sensibilisierte Gesellschaft

Im Schnitt fehlte jeder Arbeitnehmer im Kreis Groß-Gerau wegen psychischer Erkrankungen 2012 etwa 1,87 Tage (Hessen: 2,05) – ein guter Wert, wenn man berücksichtigt, dass es rechnerisch 2011 im Kreis noch 2,15 Tage waren. Kein anderer Diagnosebereich war von 2011 auf 2012 stärker rückläufig.

Längerfristig und die Gesamtentwicklung von Hessen betrachtend, sind die Zahlen aber immer noch alarmierend. Von 2000 bis 2012 nahm in Hessen die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen um 83 Prozent zu. Rechnet man alle Erkrankungen zusammen, landet man bei einer lediglich fünfprozentigen Steigerung. Sowohl Harald Bollin als auch Klinik-Geschäftsführer Wolfgang Wilhelm und Manfred Geeren, Ärztlicher Direktor der Klinik, führten dies aber auch auf eine größere Sensibilität für das Thema in der Bevölkerung zurück.

Der Großteil psychischer Erkrankungen schlägt sich immer noch in klassischen Depressionen nieder, gefolgt von direkten Reaktionen auf schwere Belastungen im Job. Bei den Fehltagen aufgrund eines diagnostizierten Burnouts war von 2011 auf 2012 eine bundesweite Stabilisierung erkennbar.

Auf 100 Versicherte der DAK kamen 2011 10,2 Fehltage wegen Burnouts, 2012 waren es zehn Tage. Der Verdacht auf eine psychische Erkrankung wird von Patienten in zwei Dritteln aller Fälle selbst beim Arzt angesprochen. Gegenüber der Öffentlichkeit ist das Thema aber immer noch stark tabuisiert. Während knapp 40 Prozent der Befragten erklärten, dass sie eine psychische Erkrankung nach Möglichkeit niemandem mitteilen würden, gaben 19 Prozent an, es für eine „übertriebene Schonhaltung“ zu halten, wegen psychischer Probleme der Arbeit fern zu bleiben.

Ein Vorurteil ist, dass die Zahl der für den Arbeitgeber ständig erreichbaren Arbeitnehmer besonders hoch ist. Mehr als 55 Prozent der Befragten haben gegenüber ihrem Arbeitgeber jedoch keine privaten Telefondaten angegeben oder würden fast nie außerhalb der Arbeitszeit angerufen. Wer allerdings eine hohe Erreichbarkeit in seiner Freizeit gewährleisten muss, hat tatsächlich ein deutlich höheres Risiko, depressiv zu werden. eda

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