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Ausdruck von Empathie: Banner vor der Erich-Kästner-Grundschule in Kranichstein.
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Ausdruck von Empathie: Banner vor der Erich-Kästner-Grundschule in Kranichstein.

Darmstadt

Entkräftete Lehrkräfte an Grundschulen in Darmstadt rufen um Hilfe

In Darmstadt fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft personelle Verstärkungen für die Grundschulen. Die Lehrerinnen und Lehrer seien inzwischen völlig überlastet. Kritisiert wird auch die mangelhafte digitale Ausstattung und das fehlende Personal beim IT-Support.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hält die Situation an manchen Darmstädter Grundschulen für „nicht länger zumutbar“. In einer Mitteilung wird die Doppelbelastung zwischen Präsenzunterricht am Vormittag und Distanzunterricht am Nachmittag wegen der hohen Zahl an Schülerinnen und Schülern kritisiert.

Laut dem GEW-Kreisvorsitzenden Klaus Armbruster häufen sich die Hilferufe von Grundschullehrerinnen und -lehrern, die äußerten, sie seien „mit ihren Kräften am Ende“ und fühlten sich „völlig überlastet“. Etliche Lehrkräfte haben dem Gewerkschaftsvorsitzenden berichtet, dass sie Arbeitsmaterialien für zwei Gruppen - zum einen digital und zum anderen in Papierform aufbereiten müssten. Auch müsse telefonisch oder via Videoanruf der Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern sowie zu deren Eltern aufrechterhalten werden, was sehr zeitaufwändig sei.

Zeitaufwändige Betreuung von Schülerinnen und Schülern

Eine besondere Zuwendung bräuchten auch solche Schülerinnen und Schüler, die aufgrund ihrer häuslichen Situation deutlich benachteiligt seien, weil sie etwa über keinen Computer oder ein eigenes Zimmer verfügten oder nur wenig Unterstützung durch ihre Eltern bekämen. „Die Beschulung der Kinder würde längst nicht mehr stattfinden, wenn die Lehrerinnen und Lehrer hier nicht zusätzlichen Einsatz zeigen würden“, sagt Armbruster.

Gearbeitet werde nachmittags, abends und nachts vom häuslichen Schreibtisch aus und zwar fast ausschließlich mit privaten Computern, weil das Land Hessen den Lehrerinnen und Lehrern immer noch keine digitalen Geräte zur Verfügung gestellt habe.. Parallel müssten oft gleichzeitig auch noch die eigenen Kinder bereut werden.

GEW fordert mehr Personal für Grundschulen in Darmstadt

In den Grundschulen nimmt nach Angaben der Stadt Darmstadt durchschnittlich etwa ein Drittel der Schülerinnen und Schüler am Präsenzunterricht teil. Der Darmstädter GEW-Kreisvorsitzende fordert nun eine personelle Verstärkung für die Grundschulen und auch eine Entlastung etwa der schulischen IT-Beauftragten, die – neben ihren Unterrichtsverpflichtungen – derzeit auch noch die Aufgaben von hauptamtlichen IT-Fachkräften erledigen müssten, für die eigentlich die Stadt zuständig sei. Für die mehr als 40 Darmstädter Schulen beschäftige die Stadt allerdings derzeit nur drei hauptamtliche Fachleute im Medienzentrum, so Armbruster.

Erst im Dezember hatte der Darmstädter Bürgermeister und zuständige Schuldezernent Rafael Reißer (CDU) auf eine Große Anfrage der SPD eingestehen müssen, dass es in Darmstadt schon seit längerem am Support für die IT-Ausstattung hapert.

Gewerkschaftschef kritisiert Personalmangel beim IT-Support

Als „Hinhaltetaktik“ kritisiert Armbruster die Antwort von Bürgermeister Reißers, dass Stellenplananträge, Anträge auf Änderung des Geschäftsverteilungsplans sowie die dafür erforderlichen Stellenbeschreibungen seit einiger Zeit verwaltungsintern inhaltlich abgestimmt würden.

Die Darmstädter SPD hat bereits angekündigt, noch vor der Kommunalwahl im März die schleppende Ausstattung der Schulen mit einer digitalen Infrastruktur in den städtischen Gremien zum Thema zu machen, um Druck bei der Digitalisierung der Schulen in Darmstadt zu erzeugen.

GEW: Digitale Ausstattung der Grundschulen in Darmstadt katastrophal

Der Darmstädter GEW-Vorsitzende hält die digitale Ausstattung in den Darmstädter Grundschulen für „eine Katastrophe“. So gebe es zum Teil massive Probleme bei der digitalen Beschulung wegen der ungenügenden technischen Voraussetzungen.

Nach wie vor gebe es zu wenig digitale Endgeräte an den Schulen wie Computer und Tablets. Internetverbindungen seien oftmals „schlecht oder erst gar nicht vorhanden“, bemängelt Armbruster. Und auch beim Netzausbau und dem WLAN-Anschluss würden Schulen wie etwa in den Stadtteilen in Arheilgen und Eberstadt „auf weitere drei bis fünf Jahre vertröstet“.

Der Gewerkschaftschef moniert auch, dass die von der Stadt Darmstadt zur Verfügung gestellten Leihgeräte nicht mit der benötigten Software eingerichtet seien und dass die Geräte in Schränken oder Abstellkammern der Schulen liegen würden, weil niemand die Zeit beziehungsweise die notwendigen Kenntnisse habe, die Geräte entsprechend aufzurüsten.

Lehrerinnen und Lehrer sind verzweifelt: „Wir können nicht mehr!“

Armbruster zufolge haben viele Lehrkräfte auch Angst davor, sich in der Schule mit dem Coronavirus anzustecken, da in den Grundschulen für die Kinder im Unterricht keine Maskenpflicht gelte. Das Unverständnis darüber wachse umso mehr, weil andernorts inzwischen strengste Vorschriften zum Tragen von Masken gelten würden.

Weil es ihnen in erster Linie um das Wohl der Kinder gehe, seien die Lehrerinnen und Lehrer in den Grundschulen „bisher zu diesem Kraftakt bereit gewesen“. Inzwischen, so berichtet der GEW-Vorsitzende, würden jedoch die ersten Hilferufe laut. Immer öfter, so Armbruster, sei der verzweifelte Satz zu hören: „Wir können nicht mehr!“.

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