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Kraftakt für den Landkreis

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Die Zahl der Flüchtlinge steigt, aber geeignete Unterkünfte im Kreis Darmstadt-Dieburg fehlen. In Weiterstadt wird ein Bürgertreff zur Asylbewerberunterkunft umgebaut - eine Notlösung, mit der niemand so recht zufrieden ist.

Bis vor Kurzem war der Bürgertreff im Weiterstädter Stadtteil Riedbahn ein Platz für fröhliche Feste der Stadtteilbewohner, für Sushi-Kochkurse und Fotoworkshops. Nun stehen zehn Feldbetten im Veranstaltungsraum, nebeneinander gereiht, dicht an dicht; in der Behindertentoilette wurde eine mobile Dusche aufgebaut. Der Bürgertreff wurde kurzerhand in eine Asylbewerberunterkunft umfunktioniert, die Termine für die Freizeitnutzung gestrichen. Eine Notlösung.

„Wir haben viele Verhandlungen geführt, um Unterbringungsmöglichkeiten zu finden“, sagt Weiterstadts Erster Stadtrat Ralf Möller (SPD), der ab Januar das Bürgermeisteramt von Peter Rohrbach (ALW) übernehmen wird. „Die Zahl der Gespräche liegt im dreistelligen Bereich.“ Um Mietapartments habe man sich beispielsweise bemüht, um Gäste- oder Hotelzimmer, bei Landwirten nach Unterkünften für Erntehelfer gefragt, den Campingplatz am Gräfenhäuser Steinrodsee in Betracht gezogen, leer stehende Häuser oder bebaubare Grundstücke gesucht. Bisher alles ohne Ergebnis.

Mit der Umwandlung des Bürgertreffs Riedbahn ist auch Möller nicht zufrieden. Die Lösung erfülle zwar formal alle Anforderungen für die Unterbringung von Flüchtlingen und sei mit dem Kreis abgestimmt. Dennoch sei die Belegung des Bürgertreffs „nicht optimal für die Riedbähnler und die Asylbewerber“, räumt er ein und spricht von einem „Übergangszustand“, der zwei Wochen oder auch ein Vierteljahr anhalten könne. „Das kann aber keine Dauerlösung sein.“

26 Flüchtlinge soll Weiterstadt in diesem Jahr aufnehmen. Sechs sind laut Möller bereits da und privat untergebracht, zehn leben seit vergangener Woche im Bürgertreff in der Riedbahn, zehn weitere sollen noch kommen. Im nächsten Jahr rechnet Möller mit einer Größenordnung von 60 weiteren Asylbewerbern, die der Stadt zugewiesen werden.

Der große Wurf, um die Menschen unterzubringen, ist der Stadt bisher nicht gelungen. Wie bereits im Weiterstädter Parlament berichtet, ist eine Möglichkeit die Aufstellung von Containern im hinteren Zipfel des Gewerbegebiets West zwischen Segmüller/Metro und der Hochtanner Brücke.

20 Asylbewerber pro Woche

Am vergangenen Donnerstag seien dem Kreis 21 Flüchtlinge zugewiesen worden, sagt Kreissozialdezernentin Rosemarie Lück (SPD). „Davon musste ein Teil nach Weiterstadt.“ In der Woche davor wurden sieben Menschen in einem Hotel im Landkreis untergebracht. „Das heißt, wir haben im Moment keinen Wohnraum mehr“, sagt Lück. Die bestehenden Flüchtlingsunterkünfte sind allesamt belegt, weitere – wie zum Beispiel in Bickenbach – im Bau. Die Situation ist kritisch, die Unterbringung ein Kraftakt – zumal das Regierungspräsidium Darmstadt Mitte Oktober die Zahl der Zuweisungen bis zum Jahresende überraschend nach oben korrigiert hat.

Knapp 900 Asylbewerber sind derzeit im Landkreis untergebracht. Immer donnerstags kommen die Flüchtlinge – derzeit in der Regel 20 pro Woche – in Groß-Umstadt an und werden nach einer Quote, die sich an der Einwohnerzahl orientiert, auf die einzelnen Kommunen verteilt.

Und was ist mit der Betreuung, wenn mehr Flüchtlinge kommen? „Die Zahl der hauptamtlichen sozialpädagogischen Betreuer hält nicht stand mit der wachsenden Zahl von Asylbewerbern“, kritisiert Arno Grieger von der Linken. Derzeit kümmern sich im Kreis drei Hauptamtliche um die Flüchtlinge. Ausgeschrieben sind drei Teilzeitstellen für Sozialpädagogen. (pia/ers)

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