Hessisches Landesmuseum

Kostspielige Pracht

  • schließen

Die Eröffnung des Hessischen Landesmuseums Darmstadt verzögert sich weiter. Die meisten Räume sind fertig, erste Exponate stehen. Im Frühsommer soll es losgehen.

Es dauert, immer noch. Eigentlich sollte das Hessische Landesmuseum in Darmstadt schon im vergangenen Jahr eröffnen, doch im Verschieben haben alle Beteiligten inzwischen Übung. Nicht nur die Darmstädter werden langsam ungeduldig. „Wir sitzen in den Startlöchern“, sagt Wolfgang Glüber, Kustos der Abteilung Kunsthandwerk. Jetzt ruhen die Hoffnungen auf dem Frühjahr, ein dehnbarer Begriff, „vielleicht eher Frühsommer“, sagt Glüber. Fest steht: Die Sanierung wird von Termin zu Termin teurer.

Es geht aber auch voran. Viele der Räume sind so weit fertig, dass man sich vorstellen kann, wie das Gebäude zum neuen Anziehungspunkt nicht nur für Darmstadt werden kann. Schon die Haupthalle ist eine Pracht. Es riecht noch stark nach Farbe, auf dem Boden sind Durchgangswege abgedeckt, damit Bauarbeiter und Umzugshelfer keine Schäden anrichten. Wo früher ein paar Stühle für die Kaffeepause, die Kasse, Ständer vom Museumsshop herumstanden, herrscht jetzt elegante Weite.

Hohe Säulen, ein lichtdurchfluteter Raum in hellem Chamois-Naturton statt wie früher in kaltem Weiß, der die Konturen des reich verzierten Stucks besser herausarbeitet. „Wenn hier die Sonne hereinscheint, leuchtet alles.“ Yvonne Mielatz, Pressesprecherin des Landesmuseums, gerät ins Schwärmen. Sie gehört zu den Mitarbeitern, die regelmäßig sonntägliche Führungen anbieten, etwa 25 Personen pro Gruppe. „Der Andrang ist riesig“, sagt sie, „die Darmstädter lieben ihr Museum.“

Auch Kunsthandwerks-Experte Glüber ist Begeisterung anzumerken, wenn er durch sein künftiges Reich führt. Der historische Waffensaal gleich links von der Haupthalle weg wird als einer der ersten Ausstellungsräume fertig werden.

„Wir schaffen eine spektakuläre Inszenierung“, sagt Glüber und deutet auf den Laufsteg, der auf einer zweiten Ebene an der hinteren Wand endet. „Ein Catwalk für die Rüstungen“, sagt er. Besucher sollen Parallelen zur jeweiligen Kostümmode im 16. und 17. Jahrhundert herstellen können. Chronologisch aufgereiht sollen die Exponate Einblicke in die Waffenentwicklung geben; quasi als Symbol für das historische Ende der Rüstungen wird ein Orgelgeschütz auf einer Schräge in den Raum ragen. Gegen Kanonenkugeln schützten die Eisenpanzer nicht mehr.

Bezüge herstellen ist Glüber wichtig, auch in der neuen Präsentation des Kunsthandwerks, die in seiner Verantwortung liegt. Er geht in den Keller über noch sorgfältig ummantelte unersetzliche Marmorstufen. Wo vor der Sanierung Werkstätten, Restauratoren und das Depot untergebracht waren, werden Gläser, Porzellan, Gold- und Silberschmuck mit neuem Ansatz präsentiert. Statt nach Materialien sollen die Schätze nach Ländern und Designern zusammengefasst werden, damit Besucher künstlerische Strömungen und den Stil der Künstler besser erkennen können.

Ansonsten ist noch nicht viel zu erkennen in den derzeit zugänglichen Ausstellungsräumen. Kabel hängen aus Decken, es wird gehämmert, gebohrt, gesägt. Viele Menschen tragen Kisten hin und her. Annette Schröder, Architektin des Museums überlegt: „80 Bauarbeiter, 35 Leute im Innenausbau sind zurzeit im Einsatz“, sagt sie. Macht ihr die Arbeit noch Spaß bei all den Verzögerungen? Sie lacht: „Es ist eine Herausforderung, aber es wird sehr, sehr schön.“

Zum Beispiel der Barocksaal mit dem imposanten Tonnengewölbe an der Decke. Sie war mit dunkelbraunen Balken abgehängt, fahler Teppich bedeckte die hellen Terrazzo-Mosaiken, die wieder freigelegt wurden. Viel ist davon im Moment nicht zu sehen. Der Saal ist voll mit Kisten, dient quasi als Durchgangsstation für die Exponate, die 2008 ausgelagert und jetzt nach und nach wieder zurückgebracht werden. In der zoologischen Abteilung hängt seit ein paar Wochen ein Zwergwal von der Decke, vielmehr sein Skelett, flankiert von Narwal und Seekuh. Große Veränderungen deuten sich an. Auf einem Podest, das zur Hälfte fertig ist, soll künftig eine imposante Skelettherde Besucher empfangen. „Mit ganz neuer Dramatik“, sagt Yvonne Mielatz. Sie freut sich schon darauf.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare