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Kostenlos ins Staatstheater Darmstadt

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Von: Annette Schlegl

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Michael Obermeier (li.) und Bastian Ripper präsentieren stolz die alten Plakate, die fürs Theaterticket warben.
Michael Obermeier (li.) und Bastian Ripper präsentieren stolz die alten Plakate, die fürs Theaterticket warben. © Annette Schlegl

Vor 20 Jahren wurde in Darmstadt das Kulturticket für Studierende geboren, das kostenlosen Eintritt ins Staatstheater gewährte. Mittlerweile wurde die Idee bundesweit kopiert.

Für umme ins Theater? Na klar, wenn man Student oder Studentin in Darmstadt ist. Bereits seit 20 Jahren können dort Studierende kostenfrei Vorführungen im Staatstheater Darmstadt besuchen. Zum Wintersemester 2002/03 wurde das Theaterticket, das mittlerweile zum Kulturticket herangewachsen ist, als deutschlandweites Novum geboren. Inzwischen haben zahlreiche Hochschulen die Darmstädter Erfindung adaptiert.

Den kostenlosen Kulturgenuss haben die Studierenden zwei Männern zu verdanken: Michael Obermeier, vor 20 Jahren geschäftsführender Direktor am Staatstheater Darmstadt, und Bastian Ripper, damals Finanzreferent im Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Hochschule Darmstadt.

„Wir haben in Darmstadt ein relativ großes Theaterhaus, konnten die 1500 Plätze damals nicht auslasten“, erklärte Obermeier am Mittwoch, wie es 2002 zu der Idee kam. Außerdem suchte er damals nach Wegen, das Theaterpublikum perspektivisch zu verjüngen. In Ripper fand er einen Partner, der den Studierenden einen günstigen Zugang zur Kultur ermöglichen wollte. „Wir wollten Berührungsängste abbauen und ein niedrigschwelliges Angebot schaffen für alle – auch die, die nicht mit Theater groß geworden sind“, erklärte AStA-Geschäftsführerin Anke Wiertelorz.

Man habe mit der Idee des Theatertickets eine Generation angesprochen, „an die wir im Staatstheater nicht so leicht rankamen“, erinnerte sich Obermeier. Er wurde später nach Karlruhe versetzt, wo er das Ticket auch einführte.

Nachfolger

Das Darmstädter Theaterticket hat sich inzwischen nicht nur hessenweit, sondern auch bundesweit verbreitet.

Die Hochschule Rhein-Main mit Standorten in Wiesbaden und Rüsselsheim oder auch die Uni Gießen sind dem Darmstädter Vorbild bereits gefolgt und haben ein solches Angebot eingeführt, genauso wie die Universitäten in Mainz und Heidelberg. Auch Unis und Hochschulen in Bayern, Niedersachsen, Bremen und dem Saarland bieten ihren Studierenden vergleichbare Tickets.

Im Wintersemester 2022/23 offeriert auch die Uni Marburg erstmals ein Theaterticket. ann

Das Staatstheater Darmstadt machte vor 20 Jahren das Angebot, der Studierendenausschuss der Hochschule sagte Ja. „Eine gute Studierendenvertretung hat den Job, den Studierenden das Leben ein bisschen leichter zu machen“, sagte Ripper am Mittwoch. „Und das Theaterticket macht viele Leute ein klein wenig glücklich.“ Glücklich werden können nicht nur die 16 000 Studierenden der Hochschule Darmstadt, sondern auch die 1500 Studenten und Studentinnen der Evangelischen Hochschule Darmstadt, die von Anfang an dabei waren. Nach anfänglichem Zögern schloss sich 2009 auch die Technische Universität (TU) Darmstadt mit ihren 25 000 Studierenden an.

Zugegeben, ganz umsonst ist das Theaterticket nicht: Im Semesterbeitrag ist ein kleiner Ticket-Obolus – drei Euro Systemgebühr – enthalten. Mittlerweile ist das Angebot aber zum Kulturticket herangewachsen. Studierende der Hochschule können neben dem Staatstheater nämlich auch kostenfrei Aufführungen von drei Freien Bühnen (Hoffart-Theater, Theater im Pädagog und Theater Moller Haus) besuchen. Seit einem Jahr reicht auch im Landesmuseum der Studierendenausweis für einen tagesaktuell kostenfreien Besuch.

Das Staatstheater stellt ab drei Tage vor der Veranstaltung ein entsprechendes Ticketkontingent zur Verfügung. Für einen kostenlosen Besuch müssen sich die Studierenden auf der Website des Staatstheaters registrieren und erhalten eine Kundennummer, mit der sie einen Freikartengutschein abholen können, der ein Semester gültig bleibt.

Bis vor zwei Jahren gab das Staatstheater Darmstadt pro Spielzeit bis zu 12 000 Tickets an Darmstädter Studierende aus. Durch Corona fehle nun aber eine Studentengeneration, die das Ticket empfehlen kann. Das soll sich ändern: In der ersten Novemberhälfte werden sich die Kultureinrichtungen in der Hochschule präsentieren.

Zum 20-jährigen Jubiläum des Theatertickets in Darmstadt gab es eine Torte.
Zum 20-jährigen Jubiläum des Theatertickets in Darmstadt gab es eine Torte. © Annette Schlegl
Das Theaterticket ist auch im Theater im Pädagog gültig. Leiter Klaus Lavies warb mit einer Pantomime für einen Besuch.
Das Theaterticket ist auch im Theater im Pädagog gültig. Leiter Klaus Lavies warb mit einer Pantomime für einen Besuch. © Annette Schlegl

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