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Kommt nicht in die Tüte

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Verbraucher in Darmstadt verzichten zunehmend auf Kunststoff-Behältnisse beim Einkaufen. Die Einhorn-Apotheke spendet für jeden Tütenverzicht fünf Cent zugunsten des Botanischen Gartens.

Seit Anfang Mai kostet eine Plastiktüte beim Darmstädter Blumengeschäft Herzing am Eingang des Luisencenters zehn Cent. „Wir haben damit auf die vom Europäischen Parlament beschlossene Richtlinie reagiert“, sagt Bernd Escanecrabe. Danach müssen die Mitgliedsstaaten Maßnahmen ergreifen, um in spätestens zehn Jahren den Verbrauch dünnwandiger Plastiktüten pro Kopf und Jahr auf 40 Stück zu reduzieren. Alternativ können sie bis Ende 2018 dafür sorgen, dass die „Kunststoffsackerl“ nur noch kostenpflichtig abgegeben werden.

Doch bis dahin wollte Bernd Escanecrabe nicht warten: „Wir haben es in unserem Familienbetrieb ja mit Blumen, also mit Natur zu tun. Da sehen wir uns bei so einem Umweltthema auch als Vorreiter.“ Und was sagt die Kundschaft dazu? „Das wird eher positiv aufgenommen“, resümiert der Händler. Gerade ältere Kunden zeigten viel Verständnis. Im übrigen gebe es ja auch – gerade die etwas stabileren – Plastiktüten schon bei vielen Geschäften, darunter Lebensmittelsupermärkte, nur noch gegen Bezahlung.

Die beiden Marktfrauen Anni Schupp und Wilma Haaß fänden es eigentlich auch gut, Plastiktüten nur noch gegen Entgelt abzugeben. Doch an ihren Marktständen packen die beiden Obst und Gemüse in der Regel kostenlos in die dünnen Kunststofftüten. „Gerade für feuchte Waren brauchen wir sie“, sagt Anni Schupp.

Die Griesheimerin, die ebenso wie Kollegin Wilma Haaß schon seit Jahrzehnten auf dem Darmstädter Markt Ware anbietet, erinnert sich aber auch an die Zeiten, als es ohne ging: „Die Kunden hatten ihre Einkaufstaschen und -netze dabei“, sagt sie und stellt fest, „da war das mit der Feuchtigkeit gar kein Problem.“ Oder sie wickelten die Ware in Zeitungspapier ein. Doch mittlerweile ist der Griff zur dünnen Plastiktüte selbstverständlich.

Belohnung für Verzicht

„Nur wenn jemand nur einen Bund Petersilie kauft und dafür extra eine Tüte will, verlange ich was dafür“, sagt Anni Schupp. Schließlich muss sie die Tüten ja extra einkaufen. Wilma Haaß achtet darauf, dass nicht für jedes einzelne Produkt eine extra Tüte verwendet wird. Pflanzen und Blumen wickelt sie heute noch in Zeitungspapier. In der letzten Zeit beobachtet sie außerdem, dass immer mehr Kunden eigene Taschen oder Tüten für ihren Einkauf mitbringen. Andere verlangen explizit Papiertüten. Anni Schupp hat Kunden, die gebrauchte Tüten zurückbringen, weil sie so viele haben. „Aber das sind eher Ausnahmen. Das Gros bringt keine eigenen Behältnisse mit“, sind sich die beiden einig. Würden Plastiktüten generell kostenpflichtig – sie hätten kein Problem damit.

Die Ausgabe von Kunststofftüten zu reduzieren, hat sich Günter Wickop von der Einhorn-Apotheke am Ludwigsplatz auf die Fahnen geschrieben und sich dafür etwas Besonderes einfallen lassen. „Wir wollen unsere Kunden für den Plastiktütenverzicht belohnen“, sagt der Apotheker. Zumal, so ergänzt er, die meisten Medikamente ja ohnehin schon gut verpackt und die Tüten wirklich nur Müll seien.

Deshalb spendet die Apotheke für jeden Tütenverzicht fünf Cent zugunsten des Botanischen Gartens. Die Kupfermünzen wandern in eine Bonbonniere. Den Kunden wird so augenfällig die positive Wirkung ihres Konsumverhaltens verdeutlicht. Die Resonanz ist positiv: „Ende April haben wir die Aktion begonnen“, sagt Apotheker Wickop. „Seither sind schon über 200 Euro zusammengekommen – und wir sparen dafür pro Woche ein paar hundert Plastiktüten ein.“ (wka)

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