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K.O.-Tropfen im Bier

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Ausgelassene Partystimmung machen nutzen manche Täter aus. Auch in Darmstadt gab es nun wohl einen Fall mit K.O.-Tropfen.
Ausgelassene Partystimmung machen nutzen manche Täter aus. Auch in Darmstadt gab es nun wohl einen Fall mit K.O.-Tropfen. © ers

Eine junge Darmstädterin wird bei einem Konzertbesuch wohl Opfer von K.O.-Tropfen. Als sie trotz ihres Zustands versucht, nach Hause zu kommen, wird sie von einem Mann angesprochen. Ein glücklicher Zufall rettet sie.

Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Filmriss: Das erlebt eine junge Darmstädterin, nachdem sie bei einem Konzert ein Bier getrunken hat. Ihr Verdacht: Jemand hat ihr K.O.-Tropfen ins Getränk geträufelt. Der Nachweis ist schwer, aber es gibt Hinweise, dass sie recht hat. Eigentlich sollte es ein schöner Abend in einer Frauenrunde werden, der Freitagabend Anfang Dezember. Doch als Melanie (Name geändert) sich in der Konzerthalle ein Bier holt, wird ihr plötzlich total schwindlig. Sie habe alles nur noch verschwommen gesehen. Die Anfang 20-Jährige geht zur Toilette, dort verschlimmert sich ihr Zustand. „Ich habe bemerkt: Etwas ist hier total falsch.“ Sie entschließt sich, nach Hause zu gehen.

Dass sie zur Straßenbahnhaltestelle am Luisenplatz geht, eine Whatsapp-Nachricht der Freundin bekommt („Wo bist Du denn?“) und darauf sogar antwortet, weiß sie nur noch verschwommen. An die Bahnfahrt kann sie sich nicht mehr erinnern. Sie bekommt schemenhaft mit, dass ein junger Mann sie anspricht, dem aufgefallen sein muss, dass es ihr nicht gut geht. An ihrer Haltestelle steigen beide aus, sie legt sich auf eine Bank.

„Das Nächste, was ich weiß ist, dass plötzlich ein Freund von mir dastand und sagte: ,Was machst du denn hier?‘“ Ein Zufall, wie sich herausstellt, ein glücklicher Zufall. Denn die beiden Männer bringen die junge Frau nach Hause. Dort wacht sie Stunden später auf dem Sofa wieder auf.

Eine Untersuchung im Krankenhaus ergibt keinen Hinweis auf K.O.-Tropfen. Denn sie verflüchtigen sich binnen weniger Stunden, sagt Marika Eidmann. Die Therapeutin berät Betroffene und rät dazu, den Nachweis in jedem Fall zu versuchen. In Haarwurzeln hinterlässt das Mittel länger Spuren. Melanie hat eine Haarprobe abgegeben, sie wartet noch auf das Ergebnis. Wegen des schwierigen Nachweises „ist die Dunkelziffer sehr hoch“, sagt Eidmann. Oft scheuten Opfer sich auch zur Polizei oder zum Arzt zu gehen.

Der komplette Filmriss sei typisch für diese Drogen, sagt Eidmann. Ein weiteres Indiz: Auch Melanies Freundin, die an jenem Abend ihr Bier zu Ende trinkt, zeigt Symptome: rote Augen, Übelkeit, Orientierungslosigkeit.

Um sich vor K.O.-Tropfen zu schützen, hat Melanie eigentlich alles richtig gemacht. Ihr selbst gekauftes Bier hat sie aus der Flasche getrunken. Die hatte sie in der Hand, als sie auf die Tanzfläche ging. Aber in einer vollen Konzerthalle kann auch ein unaufmerksamer Augenblick, ein Wegdrehen des Kopfes, genügen.

Wer als Täter in Frage kommt, weiß Melanie nicht. Niemand sei ihr aufgefallen. Sie hat Anzeige erstattet. Dazu raten sowohl Therapeuten als auch die Polizei.

Melanie hat sich entschlossen, ihre Geschichte zu erzählen, wenn auch in anonymisierter Form. Sie will andere aufmerksam machen, gerade vor Silvester: „Ich dachte, sowas passiert mir nicht, das passiert nur in Frankfurt oder Berlin.“ Aber es ist passiert. (reh)

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