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Kloster Lorsch: Historische Weschnitz wird rekonstruiert

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Von: Claudia Kabel

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Der im Freilichtlabor Lauresham gefertigte Einbaum wird vom Forschungsteam auf der Weschnitz erprobt.
Der im Freilichtlabor Lauresham gefertigte Einbaum wird vom Forschungsteam auf der Weschnitz erprobt. © Claus Kropp/Schlösser und Gärten

Die mittelalterliche Flusslandschaft der Weschnitz am Kloster Lorsch wird untersucht. Die TU Darmstadt sowie die Universitäten Mainz und Heidelberg sind am Forschungsprojekt beteiligt.

Zerstörung und Umgestaltung von Flusslandschaften durch Kanalisierung, Trockenlegung und Umweltverschmutzung ist kein modernes Phänomen. Schon im Mittelalter begann der Mensch in Mitteleuropa auch in unzugänglichen Gebieten die Umwelt nach seinen Anforderungen zu formen und schuf eine menschgemachte Landschaft – die Wissenschaft nennt das Anthroposphäre.

Ein Beispiel dafür ist die Weschnitz, ein fast 60 Kilometer langer Fluss, der im Odenwald entspringt und bei Biblis in den Rhein mündet. Sein Bett wurde teilweise nicht nur begradigt, sondern auch verlegt.

Schwerpunkt der Untersucunh liegt auf der Umgebung des Klosters Lorsch

Nun soll der historische Verlauf des Flusses zwischen Weinheim und Biblis (Kreis Bergstraße) rekonstruiert und die Geschichte der Umweltveränderung untersucht werden. Ein Schwerpunkt liegt auf der Umgebung des Klosters Lorsch.

Geschichte erleben

Exkursion Weschnitz / Rheinauen am Sonntag, 21. Mai. Dabei geht es auf die Spur der mittelalterlichen Weschnitz an der Wattenheimer Brücke in Lorsch und zur Erkundung der Rheinauen in Groß-Rohrheim. Treffpunkt 10 Uhr am Museumszentrum Lorsch. Kosten 7 Euro, ermäßigt 5 Euro.

Familienworkshop „Holzboot“ am 10. Juni und am 15. Juli, jeweils 14 Uhr. Nach einer themenorientierten Führung durch den Herrenhof Lauresham können Familien ein kleines Modell-Holzboot zum Mitnehmen bauen. Treffpunkt Museumszentrum Lorsch. Kosten 13 Euro, ermäßigt 8 Euro.

Anmeldung eine Woche vor Veranstaltung per E-Mail an: buchung@kloster-lorsch.de

Infos und alle Veranstaltungen unter Kloster Lorsch.

Das drei Jahre laufende Gemeinschaftsprojekt von Technischer Universität (TU) Darmstadt, Johannes Gutenberg Universität Mainz, Universität Heidelberg und hessenArchäologie am Landesamt für Denkmalpflege Hessen wird von der Deutschen Forschungsgesellschaft mit 580 000 Euro gefördert. Einbezogen werden nicht nur archäologische Befunde, alte Schriften und Karten. Auch Untersuchungen des Bodens und der Sedimente finden statt, da die Weschnitzablagerungen laut den Forschenden die jahrhundertelangen Umweltveränderungen zeigen.

Die ersten Vermessungen an der Weschnitz laufen bereits.
Die ersten Vermessungen an der Weschnitz laufen bereits. © Landesamt für Denkmalpflege Hessen

Weschnitz-Projekt: Freilichtlabor Lauresham ist beteiligt

Einige Messungen laufen bereits, wie kürzlich bei der Vorstellung des Projekt vor Ort gezeigt wurde. Das zur Unesco Welterbestätte Kloster Lorsch gehörende Experimentalarchäologische Freilichtlabor Lauresham ist ebenfalls eingebunden: Ein Teilprojekt gemeinsam mit der TU Darmstadt widmet sich der Rekonstruktion, Erprobung, Auswertung und Dokumentation der frühen Wassertransportinfrastruktur des Klosters zwischen dem achten und zehnten Jahrhundert. Dafür soll ein 2022 im Freilichtlabor rekonstruierter, frühmittelalterlicher Einbaum in Bezug auf Konstruktion, Ladekapazität und Navigierbarkeit erprobt werden. Die Ergebnisse wollen die Forscher:innen in Zusammenhang mit der schriftlichen Überlieferungen aus Lorsch setzen, so Claus Kropp, Leiter vom Lauresham.

„Ein hoher Grundwasserspiegel und episodische Hochwasserereignisse stellten große Herausforderungen für die Land- und Wassernutzung, Siedlungsaktivitäten und Flussüberquerungen dar“, schreibt die TU. Man gehe davon aus, dass diese Umstände zu Flussumleitungen, Damm- und Brückenbauten und Hochwasserschutzmaßnahmen führten. Auch seien Konflikte zwischen Landwirtschaft, Fischerei, Binnenschifffahrt sowie Müllerei, Bergbau und Gerberei mit den damit verbundenen Auswirkungen wie etwa Verschmutzung dokumentiert. Um damit umzugehen, habe man die Landschaft umgestaltet, lautet die Hypothese.

Zum Weiterlesen:

Transportkanal der Römer? Forscherteam untersucht Landgraben - Ein ebenfalls von der Deutschen Forschungsgesellschaft gefördertes archäologisches Projekt ist im Kreis Groß-Gerau gestartet. Dabei geht es um den historischen Verlauf des Landgrabens bei Groß-Gerau und wie dieser von den Römern genutzt wurde.

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