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Der Klinikverbund kommt

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Das Marienhospital in Darmstadt wird in den Klinikverbund integriert.
Das Marienhospital in Darmstadt wird in den Klinikverbund integriert. © Claus Völker

Eine stärkere Position in einem hart umkämpften Wettbewerb, eine bessere Versorgung der Patienten und eine Sicherung der Arbeitsplätze: All das soll durch den Kauf von jeweils 90 Prozent der Anteile an den beiden katholischen Krankenhäuser St.-Rochus in Dieburg und Marienhospital durch das Klinikum Darmstadt erreicht werden.

Damit begründete Klinikdezernent André Schellenberg (CDU) in der Stadtverordnetenversammlung die Transaktion. Das Klinikum hatte in einem Bieterwettbewerb trotz niedrigerem Angebot den Zuschlag erhalten. Dadurch würde rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres der größte Krankenhausverbund unter kommunaler Trägerschaft in Südhessen entstehen. „Allerdings müssen Kartellamt und Kommunalaufsicht noch zustimmen“, machte Schellenberg deutlich.

Die parlamentarische Hürde hat der Kauf am Donnerstagabend genommen. Ohne Gegenstimme, bei der Enthaltung von SPD und Linken, hat die Stadtverordnetenversammlung die Transaktion gebilligt.

Mit den Folgen des Kaufverzichts hatte der Dezernent für das Geschäft geworben: „Das wäre mit einem hohen Risiko verbunden.“ Sollte ein privater Anbieter die katholischen Häuser kaufen, verlöre das Klinikum Kooperationen wie mit dem Marienhospital bei Radiologie, Apothekenversorgung und Onkologie. Auch der mit St.-Rochus mögliche Ausbau der neurologischen Frührehabilitation von Schlaganfallpatienten käme nicht zustande. Folge wäre ein Verlust an Patienten und an Erlösen – rund 3,7 Millionen Euro in fünf Jahren.

Mehreinnahmen erwartet

Der könne nur durch Reduzierung von Sachkosten und dem Abbau von 60 Vollzeitstellen im Klinikum abgefangen werden. Beim Kauf durch das Klinikum rechnet der Dezernent indes mit Mehreinnahmen von 1,9 Millionen Euro im Jahr 2018 und 2,6 Millionen Euro 2019. Schellenberg räumte zwar ein, dass es „kein absolut risikofreies Geschäft“ sei, ist aber überzeugt, dass „der strategische Gewinn höher ist als der Kaufpreis“. Die Summe wollte er nicht nennen.

Auch aus Sicht der Koalition gibt es keine Alternative. „Alles andere wäre eine Katastrophe“, sagte Yücel Akdeniz (Grüne). Er wies auf die starke Position eines Klinikverbundes hin. Wilhelm Kins (CDU) betonte das „überzeugende medizinische Konzept“ und die Sicherung der Arbeitsplätze.

Dass die Rechnungen so aufgehen, stellte Dagmar Metzger (SPD) infrage. Schließlich machten alle drei Krankenhäuser derzeit noch Verluste. Synergieeffekte und Fallzahlen müssten noch einmal überprüft werden. Doch die meisten Bedenken von SPD und den Linken bezogen sich auf das Arbeitsrecht und die Verankerung katholischer Werteverhältnisse in den beiden Kaufobjekten. So werden die Mitarbeiter in St.-Rochus und dem Marienhospital nach dem Tarif der Caritas bezahlt, die des Klinikums nach dem des öffentlichen Dienstes. Auch wenn diese angeglichen sein sollten, plädierten Metzger und Martina Hübscher-Paul (Linke) für eine Vereinheitlichung. „Es muss gleiches Recht bei den Arbeitsbedingungen geben“, forderte die Linke-Stadtverordnete. Sie forderte Nachverhandlungen.

Thema waren aber auch katholische Werte. So seien Abtreibungen und die Pille in den kirchlich gebundenen Krankenhäusern nicht möglich. Für Tim Huss (SPD) ist das mit einer Klinik unter weltlicher Leitung nicht unbedingt vereinbar. Der Klinikdezernent verwies darauf, dass sich Frauen auch weiterhin an das Klinikum wenden könnten. (rf)

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